Movember, oder Mammografie für Mannsbilder

Durch Mord und Totschlag kamen 2018 3.094 Menschen um. Davon waren 2.015 Männer und 1.079 Frauen. Durch Beziehungstaten starben 277 Männer und 481 Frauen, wobei auch verwandte Täter mitgezählt werden. Demnach ist das familiäre Umfeld für Frauen gefährlicher als für Männer. Anders sieht es aus, sobald man den Kreis um Bekanntschaften erweitert; hier stehen 949 toten Männern 629 tote Frauen gegenüber. Diese Verteilungen wiederholen sich auch im Bereich der Gewaltkriminalität: 156.802 Straftaten an Männern, stehen 66.317 an Frauen gegenüber (Quelle).

Es ist also für Männer insgesamt gesünder, im Alltag Vorsicht walten zu lassen, indem sie Streit, fragwürdigen Umgang und miese Gegenden meiden. Dies ist ein Aspekt zur Männergesundheit, der im Movember für gewöhnlich übersehen wird. Dabei bleiben Männer, in ihrer die Achtsamkeit mögliche Angriffe zu vermeiden, anders als Frauen grundsätzlich auf sich allein gestellt. Schließlich will das „Bundesministerium für alles, außer für Männer“ (BMFSFJ) für die kommenden drei Jahre 120 Millionen Euro investieren, um Frauen besser vor Gewalt zu schützen. Für Männer sind Null Euro eingeplant. Dies empfinde ich als strukturelle gesellschaftliche Gewalt gegenüber Männern, die unter umgekehrten Vorzeichen unmöglich wäre. Allerdings wäre es höchst einfältig von mir, mich darüber zu empören, wo doch Männer für die Gesellschaft in Krieg und Katastropheneinsätzen wie selbstverständlich ihr Leben opfern und dafür noch von Feministen als Müll – #MenAreTrash – verhöhnt werden.

Schlimm ist, dass Männer dies anscheinend widerspruchslos hinnehmen. Doch Anschein ist kein Schein aus der Sache selbst. Es scheint nur so, weil männlicher Widerspruch in einer überwiegend linken und feministisch affinen Medienlandschaft selten wiedergegeben wird, und falls doch, dann meist verzerrt oder mit relativierenden Einschätzungen umrankt. So geschieht es auch zum Movember. Movember nennt sich eine Fundraising-Bewegung, die 2003 in Australien entstand und sich für Männergesundheit einsetzt. Movember ist ein Kofferwort aus  Moustache (zu deutsch: Schnurrbart) und November. Die Teilnehmer beginnen am 1. November glattrasiert, Spenden zu sammeln, und lassen sich dabei bis zum Ende des Monats einen Schnurrbart wachsen. Die eingesammelten Spenden werden für Aufklärungskampagnen für die Prostata- und Hodenkrebsvorsorge verwendet. Zudem wird die Forschung für eine bessere Behandlung unterstützt. Der Movember finanziert sich nur aus Spenden. Mittlerweile wurden eine halbe Milliarde Euro gesammelt.

Auch hier zeigt sich, Männer bleiben – obwohl wir nach feministischer Vorstellung im Patriarch leben – mit diesem Anliegen gesellschaftlich allein. Es gibt keine Steuergelder, die Männern zugetragen werden, und keine Haushaltsposten, die die Anliegen des Movembers fördern. So ist der Movember auch in diesem Jahr allein Männersache. Zudem zeigen die deutschen Medien an den Aktionen zum Movember inzwischen keinerlei Interesse. Berichteten sie in den Jahren davor noch gelegentlich von Sportvereinen, bei denen sich die Mannschaften zum November Schnauzer wachsen ließen, um Spenden zu sammeln, so bleiben in diesem Jahr die Berichte fast gänzlich aus. In Google-News sind gerademal drei aktuelle Artikel verschlagwortet, wobei nur einer sich auch ernsthaft mit den Anliegen der beteiligten Männer befasst. Allerdings wurde er bereits im Sommer abgesetzt und wird darob mit 175 Bewertungen kaum Wirkung entfalten. Es bleibt somit die deutsche Webseite der Movember-Community als einziger seriöse Hinweis; nur scheint die Seite von einem Roboter übersetzt und wirkt daher wenig attraktiv.

Es sieht also hierzulande schlecht um die öffentliche Wahrnehmung von Männergesundheit aus. Dabei wäre sie dringend, denn es ist kein Naturgesetz, dass Männer fünf Jahre weniger als Frauen leben. Doch es fehlt bei Männern schlicht das Wissen über Männerkrankheiten. Nicht nur um die Männergrippe, die im öffentlichen Bewusstsein einzig als Aufhänger dient, damit sich Feministen über wehleidige Männer lustig machen können. Dabei ist die Männergrippe durchaus eine ernste Erkrankung, die Männer ziemlich mitnimmt und gar tödlich enden kann. Spott und Verachtung sind hier vollkommen unangebracht. Die Empörung der Spötterinnen wäre im umgekehrten Fall ein weiteres Mal wohlfeil. Über die gesellschaftliche Verachtung von Männersorgen und –problemen hat das Blog Manndat explizit und sachlich über die Männergrippe reflektiert.

Wie notwendig eine Krebsvorsorge bei Männern ist, erfuhr ich dieses Jahr dreimal. Bei drei meiner Freunden wurde Prostatakrebs diagnostiziert. Bei zweien wurde die Erkrankung durch die Vorsorgeuntersuchung erkannt. Ihnen wurde die Prostata entfernt und sie hatten einen unproblematischen Heilungsverlauf. Der dritte Freund wird hingegen demnächst sterben. Er war bei keiner Vorsorgeuntersuchung und ging mit 66 Jahren wegen einem Geschwulst in der Leistengegend zum Arzt. Er hatte einen PSA-Wert von über 1000 und wenige Tage darauf diagnostizierte man neben dem Krebs auch Knochenmetastasen am Skelett.

Matriarchen fantasieren Patriarchen

Sobald ich im Zusammenhang mit den fantasierten Privilegien des Patriarchats einwende, dass Männer ein gutes Stück früher als Frauen sterben, entgegnen Frauen gerne, dass Männer daran selbst schuld trügen, schließlich würden sie riskanter leben, weniger auf ihre Gesundheit achten, ihre seelischen Probleme verschweigen und sich überhaupt mehr Stress als Frauen machen.

Nun, in der Tat leben Männer riskanter, weil sie die riskanteren Jobs machen. Sie balancieren auf Gerüsten, decken Dächer, reparieren Windräder, sind bei Polizei, Feuerwehr und THW. Sie haben auch mehr Stress, weil sie mehr Überstunden machen, und sie reden wenig über ihre seelische Not, weil ihre Frauen ihnen dabei selten zuhören, schließlich hat Mann stark zu sein und nicht zu jammern. Deswegen verschweigen 80% der Männer, die häusliche Gewalt erleiden, dass sie von ihren Frauen geschlagen und gedemütigt werden; denn wie über 560 Studien (siehe hier) inzwischen belegen, prügeln Männer wie Frauen ihre Partner gleichermaßen häufig und intensiv. Ja, Gewalt von Frauen gegen Männer ist so selbstverständlich, dass sie fast in jedem Film gezeigt wird. Frauen treten dort Männer in den Schritt, ohrfeigen oder stoßen sie. Umgekehrt würde es kein Regisseur wagen, zur Dialogstraffung Frau von Mann ohrfeigen zu lassen.

Mehr noch, was würde geschehen, wenn ein Mann es wagen würde, Angela Merkel öffentlich zu ohrfeigen? Oh, alle Männer müssten danach im Büßerhemd gehen. Als 1968 Beate Klarsfeld Bundeskanzler Kiesinger ohrfeigte wurde die Tat nie unter dem Aspekt von Frauengewalt gegen Männer gesehen. Im gleichen Jahr schoss Valerie Solanas auf Andy Warhol und verletzte ihn lebensgefährlich, kurz darauf wurde ihr Manifest S.C.U.M. veröffentlicht, in dem sie zum Massenmord an Männern aufrief. Dieses Manifest wird heute noch von Feministen geschätzt und verbreitet. Ein vergleichbares Machwerk, in dem ein Gynozid als gesellschaftliche Lösung empfohlen wird, wäre heute längst auf dem Index.

Ebenso gleichwertig ist die psychische Gewalt, der Männer im häuslichen wie im öffentlichen Bereich ausgesetzt sind. Längst ist die Hatz gegen Männer en vogue. In Werbung und Artikeln der Frauenzeitschriften werden Männer als Sündenböcke dargestellt. Ja, allerorten werden Männer in die Wüste getrieben. Durch die Metoo-Kampagne wurden Männer einmal mehr als generelle Vergewaltiger bezichtigt. Mit der Men-are-trash-Kampagne wurden sie zu Müll, Verbrecher und Idioten erklärt. Als alter weißer Mann werden sie pauschal als bornierte Sex-o-Maniacs gezeichnet, unfähig zu Mitgefühl und Einfühlsamkeit. „Hass & Hetze“ findet in der Tat gegen Männer statt, und die Medien übertrumpfen sich in sinnbefreiten Auswürfen, in denen Megären und Sissys (feminisierte Mannsbilder) ihren unreflektierten Hass auf Männer ablassen. Das einzig gute daran ist, dass sich diese Hetzer selbst entblöden. Jedenfalls wünsche ich ihnen ein langes Leben, damit sie noch Gelegenheit finden, sich über den unsäglichen Mist, den sie derzeit verbreiten, schämen können. – Obwohl, bis heute schämt sich wohl außer mir kaum ein 68er über den Unsinn, den er vor 50 Jahren absonderte.

Wie weit die psychische Gewalt im Privaten geht, lässt sich zum Beispiel an der Suizidquote ablesen. Über drei Viertel der Selbstmörder sind männlich. Diese Quote steht auch in einem Zusammenhang mit dem sozialen Umfeld und seinen Ansprüchen an den Lebensmüden; allerdings gibt es kaum Erhebungen zu diesem Zusammenhang, schließlich handelt es sich bei ihnen um Männer. Der Aspekt des männlichen Suizids wird in der öffentlichen Wahrnehmung konsequent übersehen. Selbst zum Movember wird er nicht thematisiert. Wäre es umgekehrt, würden sich mehr Frauen als Männer das Leben nehmen, das BMFSFJ würde Millionen auskehren, um gefährdeten Frauen zu helfen.

Wie bösartig Frauen in ihren vier Wänden mit ihren Partner umgehen, konnte ich selbst öfters beobachten. So kenne ich unter anderem zwei Fälle in meinem Bekanntenkreis bei denen Ehefrauen ihren Männern die Psychotherapie untersagten, nachdem ihre Psychotherapeutinnen sie ermutigte sich gegen häusliche Zumutungen durch ihre Frauen aufzulehnen. Beide Frauen erzählten noch voller Stolz, wie sie ihren Männer die Therapie verboten hatten und wie diese kuschten.

Movember steht für Männergesundheit

Zum Schluss zum Hauptanliegen des Movembers der Krebsvorsorge und Krebsbehandlung bei Prostata- und Hodenkrebs. Traurige Wahrheit ist, es erkranken und sterben mehr Männer an Prostatakrebs als Frauen an Brustkrebs. Das ist vor allem deswegen beunruhigend, da die Kohorte der Männer zwischen 50 und 70 ohnehin schon kleiner als die der Frauen ist, für die im selben Alter die Gefahr an Brustkrebs zu erkranken steigt. Demnach erhöht sich bei Männern die Zahl der Todesfälle durch geschlechtsspezifische Krebserkrankungen relativ noch mehr. Freilich wird auch dieser Umstand gesellschaftlich wie politisch übersehen.

Lebten wir tatsächlich in einem Patriarchat, würden die Patriarchen zuvörderst für sich sorgen und sich erst danach um die Rettung der Weiblichkeit kümmern. Doch das Gegenteil geschieht, so wie Ehemänner zuvor ritterlich für eine Work-Life-Balance ihrer Frauen einstanden und hierfür noch ob des Gender-Pay-Gapes bezichtigt werden, sorgen sie auch dafür, dass ihre Frauen als Witwen gut ausstaffiert sind und sterben dafür kurz nach Rentenbeginn weg. Die verbliebenen alten weißen Männer sind dann die Hähne im Korb der Altersheime. So sieht Geschlechtersolidarität aus.

Doch weg vom unpassenden Zynismus. Die Sache ist viel ernster, als sie sich verbitterte Patriarchen wie ich ausdenken können. Für Männer ab 45 Jahren wird als Prostatavorsorgeuntersuchung von der Kasse nur die einjährige Tastuntersuchung durch den Urologen bezahlt. Die Feststellung des PSA-Wertes ist, sofern keine Auffälligkeit besteht, eine IGEL-Leistung, für die der Patient 50 € bezahlen muss.

Jüngeren Männern, für die im Alter zwischen 14 und 45 Jahren, die Gefahr, an Hodenkrebs zu erkranken relativ hoch ist – es ist die häufigste Krebserkrankung in diesem Alter -, wird statt eines Arztbesuches empfohlen, sich die Hoden selbst abzutasten, um Auffälligkeiten zu erkunden. Das bedeutet die Krebsvorsorge liegt buchstäblich in der Hand des jungen und später allein in der Verantwortung und Zahlungsbereitschaft des reifen Mannes.

Ganz anders sieht es bei den jungen und älteren Frauen aus. Hier übernimmt die Krankenkasse die Kosten für die Krebsvorsorgeuntersuchung auf Gebärmutterhalskrebs, inklusive Genitaluntersuchung ab dem 20. Lebensjahr; Brustkrebsuntersuchung ab 30 Jahren; und Mammographie-Screening alle zwei Jahre ab 50 bis Ende 69. Das heißt die gesamtgesellschaftliche oder „patriarchale“ Sorge um die Gesundheit der Frauen ist höherrangig und lässt sich die Gemeinschaft der Krankenversicherten einiges mehr kosten als die der Männer; wobei die Anmerkung, dass Männer deutlich mehr als Frauen in die Krankenkassen einzahlen, das schräge Bild noch mehr verrückt.

Wenigstens können seit 2018 Jungen zwischen dem 9. Und 14. Lebensjahr wie Jahre zuvor Mädchen auf Kosten der Krankenkassen gegen Papillomviren geimpft werden, die Genitalwarzen ausbilden und u.a. Gebärmutterhalskrebs verursachen können. Ganz selbstlos pro Jungen war dieser Schritt allerdings nicht, denn Jungen erkranken seltener an von Papillomviren verursachten Rachenkrebs, jedoch stecken sie später ihre Frauen an. Impft man also die Jungen mit, schützt man auch die ungeimpften Frauen.

Bei allen anderen Männerkrankheiten hat jedoch Frau nichts davon, ob ein Mann davor bewahrt wird; deswegen besteht auch kein gesellschaftliches Interesse daran, hier noch mehr Kosten auf die Beitragszahler (überwiegend Männer) abzuwälzen. Indessen wäre es ein klitzekleiner Fortschritt, würden die Kosten des PSA-Testes auch von der Krankenkasse übernommen werden; denn dann würde der PSA-Test ausnahmslos bei jeder Vorsorgeuntersuchung gemacht werden. – So klein sind also die Männerwünsche an die Gesellschaft geworden. Sie wird sie ihnen wohl gerade deswegen nicht erfüllen. Denn nur unverschämte und ungerechte Forderungen haben in unserer Opferbonusgesellschaft Aussicht auf Erfolg. Dahingehend sollten sich Männer mal eine Scheibe vom Matriarchat – das wir an sich haben – abschneiden. Darum Männer, lasst euch zum Movember nicht nur einen Schnurrbart wachsen, sondern werdet mutiger – die Unverschämtheit aber belasst den Frauen, schließlich bleiben wir bis in den Tod hinein Kavaliere.