Barmherzigkeit, oder wie Opfer eine Täterin vor Tätern schützen

Meine Schwiegermutter ist 92, dement, und sie war eine Täterin. Ich habe in diesem Blog bereits zweimal über sie berichtet. Einmal über ihren mittelbaren sexuellen Missbrauch, als sie meine spätere Frau als 16jährige an einen Arzt verkuppelte, um sich so indirekt einen eigenen feuchten Traum zu verwirklichen (siehe hier). Ein andermal als ich über ihre narzisstischen Züge schrieb, durch die sie ihre Tochter dauerhaft schädigte, indem sie ihr Selbstwert und Selbstbewusstsein untergrub (siehe hier). Letzten Freitag, als meine Frau und ich sie wieder im Altenstift besuchten, sprachen wir auf dem Hinweg einmal mehr darüber, dass sie eine Täterin ist, und wir nie wüssten, in welcher Laune wir sie in ihrer Demenz anträfen. Doch es stimmt, was ein Bekannter, der viel mit alten Menschen zu tun hat, mir jüngst verriet, nämlich dass Demente oft eine rührende und liebe Seite hervorkehren, die sie einst bei klarem Verstand tief in sich vergraben hätten.

Seit Anfang dieses Jahres besucht meine Frau ihre Mutter regelmäßig im Altenheim. Davor hatte sie über zehn Jahre keinen persönlichen Kontakt mehr mit ihr; bis auf den Austausch von Grußkarten zu Geburtstag und Weihnachten in den letzten fünf Jahren. Zum Ende des Winters im März 2017 brach sich die Mutter den rechten Oberschenkel. Zu der Zeit humpelte unser Sohn nach einer Hüftimpingement-Operation in seiner Wohnung und wir besuchten ihn, um seine Einsamkeit zu lösen. Er ist gehörlos und deswegen auf direkte Zwiesprache als Seelennahrung angewiesen. Unser Sohn war ganz aufgekratzt, dass seine Oma nun sterben könnte und malte sich schon aus, was er mit seinem Erbe anstellen würde. Ein BMW, ein Apple-PC waren bereits fixe Vision. Meinen Hinweis, dass André Hellers Mutter mit zwei Schenkelhalsbrüchen schon 102 Jahre alt und immer noch rüstig sei, quittierte er mit spöttischem Lachen. Für den Moment war er Mephisto und wusste, was geschieht: Geld würde auf ihn kommen! Schließlich verstieg er sich in seiner Gier dazu, seiner Mutter zu drohen, wenn sie ihren Erbanteil nicht in seinem Sinne bewahren würde, würde er sie erdrosseln, dazu machte er eine eindeutige, konsequente Geste. Es war ihm ernst, was er gebärdete. Meine Frau weinte und brach auf. In der Tür forderte ich unseren Sohn auf, sich bei Mama zu entschuldigen. Er tat es unwillig, brummig, unglaubhaft. Weiterlesen

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