Strukturen des Missbrauchs am Beispiel von Twitter

Twitter wird als ein soziales Medium bezeichnet; was natürlich Quatsch ist. Es ist ein „social Media“, ein Begriff der allenfalls schlecht übersetzt, etwas mit sozial gemein hat. Besser wäre die Bezeichnung „geselliges Medium“, treffender jedoch der Begriff „asoziales Medium“; denn was zum Teil an Niedertracht über diesen offenen Nachrichtendienst – als solchen verstehe ich Twitter – verbreitet wird, bestätigt nur einmal mehr, dass Dummheit und Bosheit Geschwister sind. Dabei zählt Twitter selbst mit zu den Akteuren, und das nicht weil das Unternehmen besonders dumm, sondern nur geldgierig ist. Schließlich gibt es noch eine andere Seite von Twitter, sie ist pornografisch und eine verlässliche Plattform für Werbeeinnahmen.

Folgende Werbung für einen Comic wurde mir dieser Tage von Twitter zugespielt (siehe Bild ). Sie zeigt vier Bilder im Mangastil und wirkte auf mich wie eine Werbung für ein Hentai, also ein pornografisches Comic. Nachdem ich Twitter per Häkchen mitgeteilt hatte, dass mir die Anzeige nicht gefällt, wurde sie mir acht Tage später erneut zugespielt. Hierauf hing ich der Anzeige zwei Antwort-Tweets an, worauf kurz darauf Dummheit und Niedertracht auf mich einprasselten. Ich muss aber zugleich betonen, dass meine beiden Tweets mehrheitlich geliked und mehrfach retweetet wurden. Die Dummen waren also deutlich in der Minderzahl. Dennoch offenbarten sie in ihrer Rohheit und Empathielosigkeit, wie obszön auch heute noch über Missbrauch, sexualisierte Gewalt und deren Opfer gedacht wird.

Die vier Bilder des Strips zeigen unter dem Titelbild „Meine Stiefmutter“ vier Situationen. Im Titelbild sieht man die schelmisch in sich grinsende Stiefmutter. Dahinter ihr ängstlich dreinblickender Stiefsohn mit roten Backen im Unterhemd. Hinter ihm vermutlich die sichtlich verlegene Stieftochter. Im zweiten Bild klopft die Stiefmutter im leichten Kleid an die Türe ihres Stiefsohnes und mahnt zur „privaten“ Yogastunde. Im dritten Bild sitzen Stiefmutter und Stiefsohn einander im Schneidersitz gegenüber. Der Blick der Stiefmutter wirkt willensstark, ihre langen Haare sind offen und fallen auf ihren Rücken.

Im vierten Bild ist die Situation eindeutig erotisch. Beide liegen in 69er-Position. Der Stiefsohn liegt auf dem Rücken, während seine Stiefmutter auf ihm liegt. Ihr Oberkörper liegt zwischen seinen angewinkelten gespreizten Beinen, gleichzeitig drückt sie ihren Schritt in sein Gesicht. Dabei winkelt sie mit ihrer rechten Hand am Rist ihres Fußes ihr rechtes Bein an, indem sie die Fußsohle gegen ihre Pobacke spannt. Mit ihrer linken Hand fasst sie unter die Kniekehle des rechten Beines ihres Stiefsohnes. Ihre Haare sind nun zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden. Ihr nach hinten zum Stiefsohn gewandtes Gesicht wirkt fordernd aggressiv, ihr Mund ist offen. In der Sprechblase sagt sie zweideutig eindeutig: „Du bist ja immer noch ganz steif, Junge!“

Die Haltung des Stiefsohnes ist erkennbar hilflos. Er wirkt wie ein auf dem Rücken liegender Käfer. Seine Füße ragen in die Höhe. Seine Arme rudern in der Luft. Seine Hände sind offen. Er berührt seine Stiefmutter nicht.

Die Situation ist erkennbar von der aggressiven Sexualität der Stiefmutter geprägt. Der Stiefsohn ist hingegen unverkennbar passiv und scheint sich der Lust seiner Stiefmutter zu fügen.

Zu dieser Werbung tweetete ich folgende Antworten; die auch nach 14 Tagen immer noch Stein des Anstoßes wie der Zustimmung sind.

Erste Antwort: „Trotz meiner Rüge drückt mir Twitter erneut diese Dreckswerbung rein, in der ein Missbrauch durch eine Kinderschänderin bagatellisiert wird. Für Geld pfeift Twitter auf Kinderschutz.“

Zweite Antwort: „Das abgebildete Verbrechen betrifft § 174 StGB Sexueller Missbrauch von Schutzbefohlenen.

Besonders ekelhaft finde ich, dass Twitter mich als Überlebenden von Kindesmissbrauch offensichtlich für empfänglich für derlei Missbrauchsabildung hält.

Ich empfinde das in diesem Wiederholungsfall als eine absichtliche Kränkung.“

Nachstehend gebe ich einige Reaktionen auf meine Beschwerde wieder und kommentiere sie zugleich:

@NekoliusX: „Bruder, du weißt schon, dass das alles über Algorithmen läuft? Nur, weil dir womöglich mal was passiert is‘, dreht sich die Welt noch lange nich‘ um dich.“

Warum er mich Bruder nennt, verstehe einer! Und was Algorithmen damit zu tun haben, dass mir dieser Mist zugespielt wurde, verstehe wer will. Vor allem erklärt diese Weisheit nichts. Aber sie kam gut an und wurde gefühlte hundertmal geliked. Dennoch danke, dass ich erfahre, dass sich die Welt nicht um mich dreht. Das wusste ich zwar schon vorher, dennoch freundlich von Neko, dass er anerkennt, dass mir mal vielleicht was passierte. Nun, was passierte, waren Jahre voll Misshandlung, Missbrauch und Vernachlässigung! Aber das lief wohl auch alles über Algorithmen …

 

@Marterus92: „Werbung auf Plattformen wie Twitter werden durch deinen Suchalgorhytmuss angezeigt. Also mal nicht so scheinheilig.“

Alexander Martens nennt sich dieser schmierige Denunziant, der sich hier entblödet, indem er meint, mir gezielt nachzutreten, dass ich ein ihm geistesverwandter Drecksack bin. Nein, bin ich nicht, ein anderer Twitterer klärte ihn auf, dass Twitter Werbung nicht nach Such-Algorithmen Werbung plaziert, was immer Martens sich darunter auch zusammenreimen mochte.

Indirekt unterstellt er mir auch, gezielt nach diesem Dreck gesucht zu haben. Tja, Martens, so argumentieren die anständigen Leute auch, die ein missbrauchtes Kind bezichtigen: „es ja gewollt zu haben“. Als wenn man, sofern man diesen Dreck sehen will, gerade bei Twitter auf eine Werbeeinblendung warten würde. – Martens, Sie haben einfach nur einen dreckigen Charakter.

 

@DeviliTv (MissDevili): „Lies die Leseprobe zu dem Comic. Da ist nichts mit Missbrauch oder ähnlichem. Die Reihenfolge der Bilder sind auch aus sämtlichen Kontext gerissen.“

Klar, nachdem mir Semipornografisches von Twitter zugespielt wurde, soll ich noch recherchieren, dass das Comic gar nicht darstellt, was die Werbung darstellt. Das ist schon ziemlich abgestumpft. Ich habe mich auch nicht zum Comic geäußert, sondern zur Werbung, die mit dem Narrativ des Missbrauchs durch Frauen an Jungen spielt. Es geht zudem ja nur wieder mal um Jungs, und Lotosritter, begreife es doch endlich, Jungs stecken so was weg. Ja, Jungs stehen darauf, von ihrer Stiefmutter vergewaltigt zu werden! Weiß doch jeder! Jedenfalls wird von MissDevili indirekt anerkannt, dass mein Eindruck auf durch „aus dem Kontext gerissenen Bildern“ basiert. Gleichwohl war nicht die Werbung falsch, sondern mein Eindruck von ihr. Ja, so argumentieren Leute, die nicht sehen, was sie nicht sehen wollen.

Schlussendlich hat MissDevili noch einen guten Rat für mich:

„Achtung nicht böse gemeint:

Du hast eindeutig noch tiefe Wunden deiner Erfahrung, wenn du direkt so etwas darin siehst. Du solltest mit jemand Professionellen darüber reden. Manchmal ist sowas einfach notwendig zum verarbeiten.“

Womöglich merkte sie gar, was für eine Gemeinheit sie von sich gegeben hatte, und wollte sie damit „empathisch“ relativieren. Allerdings spreche ich über meine mehrjährige Traumtherapie nicht mit Ignoranten, die nicht sehen wollen, was vier Bilder zeigen, die Twitter mir zweimal servierte. Zudem wirkt ihr Rat wie ein Rezept für Stockfisch: Vor Gebrauch wässern!

 

@KawxiiKira: „Naja, du weißt hoffentlich, dass ALLE Personen in dem Comic 18+ sind? Der „Sohn“ ist 20 und das wird auch deutlich erwähnt.“

Echt jetzt, „kill me“ – so der Name des Accounts!? Alle Personen in dem Comic sind volljährig! Boah, da bin ich aber in ein Fettnäpfchen getreten. Darum zurück zum Bild. Woran erkennt man die Volljährigkeit des 20jährigen Burschen? Mir erscheint er höchstens um die 16. Ist auch völlig egal. Es wird Sex mit Stiefmutter und Stiefsohn dargestellt, und es wird anscheinend Fellatio mit einem Minderjährigen gezeigt.

Das gleiche ekelhafte Spiel begegnet einem bei Pornhub und anderen Pornoplattformen, wo ja bekanntlich auch alle abgebildeten Pornodarsteller über 18 Jahre sein sollen. Letzthin hörte ich im Radio, dass bei Pornhub Videoaufnahmen realer Vergewaltigungen von Frauen und Kindern „untergemischt“ sind (Link). In einem anderen Fall entdeckte ein Schüler die Missbrauchsabbildung seiner 16jährigen Klassenkameradin durch deren gemeinsame Lehrerin (Link).

Die Altersangabe blutjunger Darsteller ist in der Pornoindustrie ohnehin billig. So war Tracy Lords als Minderjährige von 1984 bis 1986 in über 100 Pornos „Darstellerin“. Sie begann mit knapp 16 Jahren. Wobei ihre Zeit dort an sich als fortwährende Vergewaltigung begriffen werden müsste; denn damit sie am Ball blieb wurde sie beständig mit Drogen und Alkohol enthemmt. Die Filme mit ihr wurden letztlich durch ein Gericht auch als Kinderpornografie eingestuft und allesamt eingezogen.

Soviel zu Altersangaben, die die Minderjährigkeit offensichtlich Minderjähriger verneinen. „kill mes“ Argument könnte ebenso von einem Kinderpornokonsumenten stammen.

Ein anderer mit Accountnamen „Flow“ bringt es auf den Punkt:

@saldiox3: „Das ist im Manga völlig normal, wobei ich hier sagen muss, handelt es sich wahrscheinlich um einen volljährigen Charakter. Die sehen immer aus wie kleine Jungs.“

Wenn die immer aussehen wie kleine Jungs, dann handelt es sich auch nicht um ein Manga, sondern um ein pornografisches Hentai, denn dort werden häufig kindliche Figuren gezeigt, denen das Etikett „Erwachsen“ für die Zensur aufklebt wurde.

Daneben gab es dann auch die Sowohl-als-Auchs, die Abwäger und Bedenkenträger, zum Beispiel: @LordWeilheim: „Mich nervt diese Werbung auch total, aber Sie wissen schon, dass das Zeichnungen sind?“; oder noch ein bisserl dümmer @neTurbrye „selbst wenn, stell dir vor es gibt filme, da werden menschen erschossen“. Klar, werter Lord aus dem Pfaffenwinkel, sagen Sie das der fiesen Staatsanwaltschaft, die Videofilme für Abbildungen von Kindesmissbrauch hält, die kinderpornografische Zeichnungen und Texte für reale Kinderpornografie hält. Ja, so geht das mit den Strukturen des Missbrauchs, wenn man sie nicht sehen will. Weil sie einen beunruhigen könnten, verschwinden sie in der Beliebigkeit der Argumentation. Wir kennen das beispielsweise aus der Praxis der Berliner Jugendbehörde, die auf Empfehlung eines bekannten Päderasten streunende Jungs zur „Rehabilitation“ polizeibekannten Kinderschändern überließ. Auch hier übersah man willentlich Missbrauchsstrukturen, um sich womöglich einen progressiven Lorbeerkranz sexueller Liberalität und Jugendfürsorge zu winden.

Das war es dann aber auch mit „sachlichen“ Einwänden gegen meine beiden Tweets. Dann gab es noch jene, die mich darauf aufmerksam machten, dass ich die Werbung blockieren könnte. Das ist mir bekannt. Allerdings hatte ich sie bewusst nicht blockiert, sondern nur gemeldet, weil ich wissen wollte, ob man es wagen würde, mir diesen Mist erneut zuzusenden.

Was weiter kam, war die übliche Niedertracht, kleinkarierter Seelen; eben das abzusehende Spießerverhalten des Juste Milieus, das in jeder Blase, egal worum sie blubbert, wiederzufinden ist. Und weil man sich darin so geborgen, so sicher, so rundum akzeptiert fühlt, darf man seine Verworfenheit auch unverblümt äußern.

„Deutscher geht’s nicht“, war so ein Spruch, der häufig geliked wurde. Was immer damit auch gemeint wurde, bleibt deren Geheimnis. Aber jedenfalls war er wohl pejorativ gemeint. Dazu die üblichen Gemeinheiten, die wir alle noch vom Schulhof her kennen:

„Ich wette, du hast keine Freunde, so wie du drauf bist.“

„Heul leise“

„Du bist im Mittelpunkt der Welt“

„dude, heul leiser“

„Junge, wer hat dich denn gefickt, dass du so rumheulst?“

„Ja, dass er ein Aufmerksamkeitsproblem hat, merkt man.“

„Wenn dich das so sehr verletzt (und wenn ich mir deinen Account ansehe) denke ich, du hast eventuell ganz andere Probleme.“

„Im Internet kriegt man des Öfteren etwas vorgeworfen, was man nicht sehen will.“

„Aber dann könntest du nicht jedesmal so schön rumheulen, mh?“

Okay, das ist Twitter-Prekariat, damit halte ich Sie nicht weiter auf. Doch dann gibt es auch noch Personen, denen muss man nur zuhören, um ihren liderlichen Charakter zu erkennen. @LadyKimbra, eine Krankenschwester, ist so eine, der ich nicht als Patient begegnen möchte. Sie gab sich verständnisvoll, um ihre Bosheit mir gegenüber abzusondern. Ein typisches Double-Bind, auf das angeschlagene Menschen – aber keine therapierten Überlebenden wie ich – noch reagieren. Sie twittert:

„Und wenn man einen Comic als seelische Körperverletzung deklariert, dann hat man ein ernstes Problem und muss in Behandlung.

Es ist doch einfach unehrlich und auch gefährlich einen so verletzten Menschen auch noch beizupflichten, wenn man weiß, dass er gerade nicht richtig liegt. Ich weiß ja nicht, wie du mit deinen Freuden umgehst … aber Ehrlichkeit und Empathie sollten den gleichen Stellenwert haben.

Also entschuldige mal. Wenn ich einen Menschen sage, dass er falsche Behauptungen aufstellt, hat das doch nichts mit Empathielosigkeit zu tun. Dieser Mensch ist extrem getriggert und diese Gründe sind furchtbar… aber auch dieser Mensch muss realistisch bleiben.“

Jawohl, Schwester Kimbra, und er muss endlich mal einsehen, dass er einen an der Klatsche hat. – Ich werde Ihren guten Rat in meine nächste Behandlung am 31. August mitnehmen. Meine Therapeutin wird darüber erleichtert sein, dass Sie ihr in bester Schwesternmanier ein wenig Arbeit abgenommen haben.

Zum Schluss noch ein besonderer Held, dem ich wohl auf seinen pädophilen Fuß gestiegen bin. Jedenfalls übertrifft er noch Schwester Kimbra an doppelbödiger Niedertracht. Ich lasse ihn für sich sprechen:

@edjasa2: „Wenn ihm das hilft ist doch oke … Mich nervt nur, dass man solch schwerwiegende Vorwürfe macht, die falsch sind … Sowas ist kein Spaß, damit kann man Existenzen zerstören!

Und egal was einem wiederfährt … Man muss die Vergangenheit ruhen lassen! Sonst verwehrt man sich die Chance auf ein besseres Leben … Damit meine ich nicht vergessen. Auch wenn er mein Mitleid hat, verdient er es trotzdem behandelt zu werden wie jeder andere „Schwachkopf“ …

Ist es dadurch weniger falsch, was er geschrieben hat? Ist es dann oke alles und jeden fälschlicherweise als Vergewaltiger darzustellen, wenn man selber Opfer davon geworden ist?

Seine Vergangenheit sollte ihm keine Macht verleihen, bedenkenlos handeln zu dürfen. Oder?

Wenn du keine Ahnung hast, dann solltest du dich informieren bevor du wilde Behauptungen aufstellst …

Peinlich so Menschen, die auf Besserwisser tun, aber nicht mal 5 min googeln können, um sich über das Thema zu informieren … Könntest Politiker werden …“