Sexuelle Gewalt auch getarnt strafbar

Manchmal braucht es Zeit und Reife, bis man als Opfer erkennt, dass man sexualisierter Gewalt ausgesetzt war. Einer wie ich, der in einer in ihrem Kern amoralischen und prekären Familie aufwuchs, meinte zunächst, dass er für die sexuellen Übergriffe, die er erlitt, selbst verantwortlich und entsprechend schuldig war. Tätereinreden wie: das hast du ja so gewollt; das war doch nicht so schlimm; das hat dir doch auch Spaß gemacht; vernebelten meine Wahrnehmung, und es brauchte Jahre und in einem Fall Jahrzehnte, um zu erkennen, was es war, nämlich sexualisierte Gewalt und Vergewaltigung. Und manch ein Opfer erkennt die ihm angetane Schändung seiner Lebtag nicht, weil es außerstande ist, seine geliebte Mutter oder seinen geliebten Vater als Kinderschänder zu erkennen.
Aus diesem Grunde reblogge ich den Beitrag, der über ein BGH-Urteil berichtet, das feststellt, dass auch ein zunächst nicht rezipierter sexueller Missbrauch strafbar ist.

talking about sexual trauma

Das wäre jetzt auch amtlich: Auch wenn dem Opfer nicht klar ist, dass es gerade sexualisiert misshandelt wird, ist die Handlung strafbar. Ein in erster Instanz verurteilter Sexualstraftäter hatte Revision eingelegt mit der Begründung, seine Opfer hätten die Misshandlungen als Handlungen im Rahmen einer sportmedizinische Studie verstanden und seien deswegen nicht geschädigt worden.

Das Gericht stellt dazu fest:

„Denn es lasse sich nicht vorhersehen, ob und gegebenenfalls wann der Erkenntnisprozess beim jugendlichen Opfer stattfinde, wie er seine Erfahrung verarbeite und sich zunächst nicht genau eingeordnete Vorfälle zu einem späteren Zeitpunkt auf seine sexuelle oder soziale Entwicklung auswirke. Es komme in diesem Zusammenhang daher nicht darauf an, aus welchem Grund das jugendliche Opfer den wahren Gehalt der sexuellen Handlung verkenne.“

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