Strukturen des Missbrauchs am Beispiel der Kirchen

Schon länger wollte ich darüber bloggen, warum der Missbrauch in der katholischen und evangelischen Kirche beinahe zwei Jahrtausende hindurch geduldet wurde, indem man ihn unter den Teppich kehrte und verschwieg, während die Täter ihre Sexualverbrechen weiter begehen konnten. Doch Kindesmissbrauch und Kindesmisshandlung sind nicht nur eine kirchliche Schändlichkeit. Dahingehend hat Papst Franziskus sogar recht, wenn er dieses Verbrechen dahingehend relativiert, dass in Familien, Sportvereinen und durch Sextourismus weit mehr Kinder geschändet werden als in den Kirchen. Ja, ich spanne den Bogen noch weiter, indem ich sage, es gibt keine Religionsgemeinschaft, in der die ihnen zugehörigen Kinder nicht durch Kleriker missbraucht werden. Überall, wo Erwachsene und Kinder zusammentreffen, besteht ein Machtgefälle und unterliegen Kinder der Willkür abartiger Männer und Frauen, die sie sexuell missbrauchen. Die meisten dieser Täter tun es, weil sie es können. Die wenigsten begehen diese Untaten, weil sie „pädophil“ sind. Die Mehrzahl der Verbrechen an Kindern geschieht somit vorsätzlich und im Bewusstsein, kriminell und unmoralisch zu handeln.

Manche Sekte, wie etwa die von Otto Muehl oder Wolfgang Wankmüller wurden unter anderem deshalb gegründet, um einen hermetischen Zirkel zu schaffen, in dem sexueller Kindesmissbrauch vollzogen werden kann. Im Buddhismus ist es die monastische Erziehung, die den Rahmen für Kindesmissbrauch bereitstellt. Gleichermaßen sind die Koranschulen Orte, wo Kindesmissbrauch und Kindesmisshandlung zum Alltag gehören. In Afghanistan und Pakistan zählen zudem die Bacha Bazis – zur Prostitution gezwungene Tanzknaben – zum Brauchtum. Im Hinduismus gibt es gar die Millionen Mitglieder starke Sekte der Hijras, die Knaben Penis und Hoden amputieren, um sie anschließend zu prostituieren.

All diese religiösen Strukturen von Kindesmissbrauch dienen zwei Zielen. Einerseits die sexuelle Verfügbarkeit von Kindern für Erwachsene zu ermöglichen, und andererseits die Tatsache, dass Kinder in diesem geschaffenen Rahmen vergewaltigt werden, zu verschleiern. Bricht irgendwann das Mokita auf und wird entgegen der Tradition doch über die Verbrechen gesprochen, so sind die Ausreden den Religionen eingefleischt. Nicht die Erwachsenen sind die Verbrecher, sondern die Kinder deren geile Verführer. Und sofern das nicht genügt, sind ein Gott, oder eine Göttin – im Fall der Hijras die Göttin Bahuchara Mata – die Schuldigen, die die Kinder so formten, dass man sie vergewaltigen muss.

Die religiösen Umstände, die Kindesmissbrauch begünstigen, sind gleichermaßen gesellschaftliche Umstände, die immer wieder aufbrechen. So verbrämte man in der Antike die Vergewaltigung von Jungen mit dem Begriff „Päderastie“ (=Knabenliebe) und nannte die Vergewaltigung von Mädchen Ehe. Diese Rabulistik wird auch in islamischen Ländern angewandt, wo neunjährige Mädchen als ehemündig gelten. In der christlichen Welt wurden zwölfjährige Mädchen bis ins 20. Jahrhundert hinein verheiratet. Bei Zigeunern werden oft heute noch zwölfjährige und jüngere Mädchen und Buben verheiratet. Dass das illegal ist, schert die verantworlichen Beteiligten wenig; gleiches gilt für die islamische Mutʿa-Ehe (zu deutsch: Genussehe), die häufig nur für eine Nacht geschlossen und mit der allgemein bestehende Prostitutionsverbote umgangen werden. Sie wird aber auch behauptet, um Kindesmissbrauch zu verschleiern. So wird Ayatollah Chomeini nachgesagt, er habe sie mit einem vierjährigen Mädchen vollzogen, wobei er anderntags darüber doziert hätte, dass man ein solch kleines Mädchen nur befummeln und mit ihm Schenkelsex haben dürfe (Quelle).

Vor drei Jahren veröffentlichte der Stern einen Bericht über einen sogenannten Hyänen in Malawi. Dort ist es in den südlichen Provinzen Tradition, dass junge Mädchen nach ihrer ersten Mensis binnen drei Tagen von einem Mann entjungfert werden müssen. Hierfür gibt es die Hyänen, die für diesen Akt bezahlt werden. Dass es sich dabei um Kindesmissbrauch und rituelle Vergewaltigungen handelt, wird in dem Artikel nicht erwähnt; dass der Hyäne mit HIV infiziert ist, findet dagegen Erwähnung. Somit bleibt der eigentliche Zweck dieses unkritischen Artikels unerfindlich.

Doch wir müssen nicht in ferne Länder blicken, um geduldeten institutionellen Kindesmissbrauch zu enthüllen. Als zuletzt 2016 die Debatte um die Kinderehe hierzulande im Gange war, meinte der damalige Justizminister Heiko Maas in einem ersten Vorschlag, Kinderehen unter Umständen zu dulden, sobald andernfalls das Kindeswohl gefährdet sei. Hierbei hatte er die materielle Sicherung der Mädchen im Blick. Ich bloggte zu dieser abstrusen Auffassung, möglichen Kindesmissbrauch unter Umständen zu dulden (hier).

Doch offensichtlich erscheint diese Auffassung Personen aus dem linksgrünen Spektrum gar nicht so abstrus, schließlich gab es ab den 70er Jahren eine Phase, in der pädophile Gruppen Straffreiheit für sexualisierte Gewalt gegenüber Kindern forderten. Sie behaupteten dazu, ein Kinderrecht nach sexueller Entfaltung zu vertreten. Der pädophile Sozialpädagoge Helmut Kentler überzeugte gar die Berliner Jugendsenatorin von der SPD, Ilse Reichel-Koß (1971-1981), verwahrloste Jugendliche durch die Jugendämter in die Obhut päderastischer Männer zu geben, um sie so unter Anleitung „väterlicher Freunde“ – sprich Vergewaltiger – auf den rechten Weg zu bringen. Dieses sogenannte „Kentler-Experiment“ dauerte bis 1991. Die Grüne Renate Künast rechtfertigte diese kinderverachtende Haltung im Nachhinein: „Wir dachten, es sei modern, Krusten aufzubrechen, dabei haben wir aber vergessen, klare Tabus festzulegen.“

Auch formt die die seit Menschengedenken kolportierte erwachsene Vorstellung vom triebhaften Kind den strukturellen Rahmen, durch den solche Schandtaten erst tolerabel werden. Die hierdurch angelegten Vorurteile werden wie beim Lolitasyndrom als eigentlich wahrgenommen, während das tatsächliche Geschehen, der Kindesmissbrauch, übersehen wird. Der Blick für die Verbrechen kann sich darüber schnell verlieren, so wie es etwa in den 70er Jahren einen medialen Hype gab, kleine Mädchen in sexualisierten Posen als Sexualobjekte in Illustrierten und Filmen darzustellen.

Die geistlichen Missbrauchsstrukturen der Kirchen

Wann in den christlichen Gemeinden Priester, Nonnen und Mönche begannen, Kinder zu missbrauchen, bleibt Spekulation. Es wird sich vermutlich so ergeben haben, wie es sich überall ergibt, wo Kinder zusammentreffen und Erwachsene hinzukommen. Die Gelegenheit macht Kinderschänder. Denn bei der Betrachtung von Kindesmissbrauch sollte man, wie gesagt, immer bedenken, die wenigsten Kinderschänder sind pädophil. Die meisten dieser Verbrecher schänden Kinder aus Willkür, sie tun es, weil sie es können; ich bloggte zuletzt hier darüber. Dass dennoch eine klandestine Neigung dazu besteht, zeigt sich allerdings auch in der christlichen Ikonographie. Die Gleichnisse Jesus von den reinen Kindern, die dem Himmelreich näher seien, erlauben jedenfalls eine missbräuchliche Interpretationen von Kinderliebe, um die Machtlust Erwachsener auf Kinder zu verschleiern.

Schon zu Jesus Zeiten gab es im Hinduismus die Gopis, die Hirtenmädchen als Begleiterinnen Krishnas. In der Realität waren es damals wie heute Mädchen, die dem Adepten wie dem Guru als „Gefäße“ spiritueller Kraft zur Seite gezwungen wurden und werden. Hierdurch soll Sexualenergie in spirituelle Kraft transformiert werden. Im Christentum wird der Heiland häufig im Kreis von Kindern, die ihn anhimmeln, dargestellt. Bedenken wir den steten Kindesmissbrauch durch Kleriker, handelt es sich hierbei um eine recht zwiespältige Kinderverehrung. Sie mutet mich ähnlich wie die Ikonographie des heiligen Sebastian an, der überwiegend in homoerotischer Pose am Marterpfahl abgebildet ist. Gerade katholische Kirchen vermitteln mit ihren Kreuzigungarrangements und Heiligenfiguren eine eindeutig sadistisch-masochistische Konnotation. Aus dieser Perspektive erscheinen Kirchenräume unverkennbar sexualisiert, was durch alle Zeiten hindurch von Klerikern wie Gläubigen wenn auch häufig unbewusst so verstanden wurde.

Doch hintergründig wirkt in den christlichen Kirchen ein ganz anderes Weltverständnis, das Kindesmissbrauch, Sklaverei, Misshandlung und andere Menschheitsverbrechen bis hin zum Genozid an den Indianern aus kirchlichem Selbstverständnis heraus – eben wie selbstverständlich – ermöglichte. Es ist der Ursprung des Christentums als Teil der gnostischen Bewegung zur Zeitenwende. Damals um die Jahre vor und nach Christus wähnte sich die Menschheit wie so oft dem Weltuntergang nahe. Nur die damalige Weltuntergangsstimmung war besonders nachhaltig und massiv. Es war jene Zeit, als man mit der ontologischen Unterscheidung von Gut und Böse begann, die politische Welt zu erklären. Das römische Reich gewann an Macht, wodurch viele tradierte Reiche und mit ihnen deren Götter ohnmächtig wurden. Es waren die Gnostiker, die diesen Umsturz metaphysisch mit einem gewaltigen Himmelssturz und einer ebenso radikalen Dichotomie von Licht und Finsternis erklärten.

Ihrer Ansicht nach gab es zwei Welten. Die jede für sich von einem eigenen Schöpfer geschaffen worden war. Beide Welten waren strikt voneinander getrennt; die eine war die Finsternis, die andere das Licht. Doch durch einen kosmischen Unfall geschah, dass sich ein Teil des Lichts aus dem Lichtreich löste und aus dem Himmel stürzend von der Finsternis eingefangen worden war. Daraufhin schöpfte der finstere Gott, der Demiurg, unsere Welt und den Menschen in der Absicht, das Licht des Luzifers zu spalten und in kleinsten Einheiten, den Menschenseelen, zu isolieren, um hierdurch letztlich das Lichtreich verdunkeln zu können. Dieser Demiurg war nach christlichem Verständnis der jüdische Schöpfergott. Wobei es damals eine Unmenge von gnostischen Sekten gab, so wie es heute eine unüberschaubare Menge esoterischer Zirkel gibt. Eine unter diesen vielen gnostischen Sekten waren die späteren Christen, deren Meister Christus ganz im gnostischen Sinne kündete: Mein Reich ist nicht von dieser Welt. Für ihn war die reale Welt ein Reich des Teufels, denn der Demiurg war der leibhaftige Herr der Finsternis.

Mit ihrer Kosmologie kreierten die Gnostiker eine dreistufige Sphäre hienieden, der drei verschiedene Erscheinung des Menschen zugeordnet wurden: Die Pneumatiker, die Psychiker und die Hyliker respektive Sarkiker. Pneumatiker und Physiker waren beseelt und ursprüngliche Lichtgestalten, sie besaßen den himmlischen Seelenfunken. Dagegen waren die Hyliker so tönern und unbeseelt, wie der Lehm, aus dem sie vom Demiurgen geschaffen wurden. Sie waren weniger wie Heiden und galten darum als nicht bekehrbar. Die Psychiker stellten dagegen die Gemeindemitglieder. Sie trugen zwar den Seelenfunken in sich, blieben ihm jedoch sündhaft verschlossen, weswegen sie nach ihrem Ableben erst nach ausgiebiger Läuterung im Fegefeuer – bei anderen gnostischen Sekten waren es unzählige Wiedergeburten – ins ursprüngliche Licht aufsteigen konnten.

Die Pneumatiker hingegen waren privilegiert. Sie besaßen die Gnosis, die Erkenntnis, und waren sich somit ihrer Lichtnatur bewusst und mit dem göttlichem Licht und seiner Weisheit unmittelbar verbunden. Selbstverständlich gingen sie nach ihrem Tod direkt in das Lichtreich ein. Diese Pneumatiker waren quasi das himmlische Hilfswerk, das den Psychikern den Weg aus der Finsternis zu weisen verstand. Sie entsprachen den späteren Klerikern. Die zwölf Apostel waren ihre Wegbereiter, weswegen für gewöhnlich ein Kirchenraum von zwölf Säulen gesäumt und getragen wird.

Diese Überhöhung des Klerikertums ist den Kirchen eingefleischt. Da macht es keinen Unterschied ob evangelisch, katholisch oder orthodox. Der Geistliche ist der heilige Mann, ihm ist Gott näher als jedem anderen. Er kann kein Verbrechen begehen, und begeht er es doch, fasst er ein Kind an oder lässt sich von ihm anfassen, so steht dahinter, wenn nicht doch Gottes Plan, bestimmt das Böse, das Reich der Finsternis, das sich seines Leibes bemächtigte; oder besser noch, das sich des kindlichen Leibes und seiner Seele bemächtigt hatte. Was ja auch für den Satan ein leichtes ist, denn das Kind ist bestenfalls ein Psychiker und somit vom Bösen verführbar. Ja, es könnte gar sein, dass sich der Teufel eines Hylikerkindes bemächtigte, und somit die Verführung des Geistlichen durch das Kind gar kein echter Missbrauch war, sondern nur eine Prüfung. Der so Verführte konnte die „Verfehlung“ später durch Buße und Gebet ausgleichen. Schließlich geht es bei all diesen hässlichen Verquickungen um das Seelenlicht des Priesters, weswegen die Kirche auch 2018 einen alljährlichen Gedenktag im November für die Missbrauchsopfer ihrer Priester installiert hatte. Über diese Zumutung bloggte ich bereits (hier).

In dieser Fürbitte ist ganz nach gnostischer Manier auch der schuldig gewordene Pneumatiker, sprich Priester, eingebunden und so lautet der vorletzte Vers der Fürbitte:

Wir wollen hoffen
auf Aufbrüche und neues Leben schon in dieser Welt,
auf die Umkehr der schuldig Gewordenen,
auf deine Gerechtigkeit heute und am Ende der Zeiten,
auf Heilung aller Wunden, die allein du schenken kannst.
Du unser Gott, mach unsere Hoffnung stark.

Abgesehen davon, dass sie das Du in ihrem Gebet klein schreiben und somit ihre lichtgeschwängerte Kumpanei mit dem Höchsten bezeugen, prangt es von selbstherrlicher Willkür die jeden Willen zum Machtmissbrauch auszeichnet. Sie, die Kleriker, haben die Macht Kinder willkürlich zu missbrauchen, und sie haben die Macht, sich selbst durch ein Hochamt zu exkulpieren. Dahinter steht die Mentalität von Narzissten und Psychopathen, und wer sich mit einer Kirche näher einlässt, wird alsbald zu spüren bekommen, wer hier Herr und wer G’scher ist. So bietet die katholische Kirche Opfern von Kindesmissbrauch 5.000 € „Entschädigungszahlung“ für das erlittene „Unrecht“ an. Der Seelenmord an einem Kind ist in den Augen dieser Gerechten ein Unrecht, mehr nicht. Es ist die elende euphemistische Sprachpanscherei, die sich selbst verbietet Kinder missbrauchende Verbrecher Kinderschänder zu nennen und Kindesmissbrauch nicht mehr Straftat, Verbrechen oder gar Seelenmord, sondern nur Unrecht, also so etwas ähnliches wie Falschparken oder Schwarzfahren.

Diese Hybris, ein Schwerverbrechen zu Unrecht zu diminuieren, ist den Kirchen immanent. Sie sind so sehr vom eigenen Dünkel durchdrungen, dass sie nicht erkennen, wie abgrundtief verdorben sie sind, oder um in ihrem Kontext zu bleiben, wie sehr sie dem Demiurgen, dem Gott der Finsternis, huldigen. Kindesmissbrauch in dieser Form und „Bewältigung“ ist meines Erachtens ein christlicher Archetyp im Sinne von C.G. Jung, er gehört zur Struktur der Kirchen; denn wer ein System erhält, in dem aufgrund göttlichen Plans Menschen über anderen Menschen stehen, der sollte keinen Machtmissbrauch beklagen: Sein System basiert auf Machtmissbrauch oder besser gesagt auf Willkür. Mancher Kleriker, so zum Beispiel Bischof Wilmer, formuliert es aus seiner Binnensicht und spricht nicht vom Archetypus sondern von der DNA der Kirche, in der Missbrauch und Machtmissbrauch angelegt sind.

Frankfurts Stadtdekan Johannes zu Eltz unterstrich die selbstverständlich von katholischer Seite hart kritisierte Aussage von Bischof Wilmer gegenüber der Frankfurter Neuen Presse jüngst mit dieser Aussage:

„Als Vormacht für die Bekämpfung des Bösen war die Kirche ja immer davon überzeugt, dass sie im Kern heilig ist und nicht korrumpiert werden kann. Ich fürchte, so stimmt das nicht. Wir müssen lernen, dass Machtmissbrauch der katholischen Kirche in die Keimbahn geschrieben ist.“ Der Stadtdekan betonte: „Das Böse kommt nicht nur von außen. Es ist immer auch drinnen.“

Jedenfalls verwundert es mich nicht, dass nach zehnjähriger steter Diskussion die Zahl neuer Missbrauchsfälle in den Kirchen auf dem gleichen Stand wie 2010 ist (Quelle). Sie ändert sich nicht, weil in den Kirchen keine Spiritualität waltet, ihre Priester nennen sich zwar Geistlichkeit, doch hatte die Kirche jede Geistlichkeit bereits vor 2000 Jahren mit ihrem dünkelhaften Konstrukt verloren.

Werbeanzeigen