Die Familie zuerst, die Opfer zuletzt

cc Dominik.Tefert

Ja, die Familie soll zusammenhalten. Gäbe es keinen Familienzusammenhalt, gälte der einzelne nur mehr wenig. Die Familie steht zueinander und für den einzelnen ein, auch wenn dieser mal fehltrat. Ja, Familie, das ist Heimat und Geborgenheit. Dergleichen Sprüche sind wohlfeil, und sie haben in intakten Familien durchaus ihre Berechtigung. Doch in Familien, in denen Kinder geschändet und misshandelt werden, in denen Frauen ihre Männer schlagen und umgekehrt – auch häusliche Gewalt ist „gleichberechtigt“ verteilt -, in solchen Familien ist jeder dieser Sprüche nur eine Lüge, mit der ein krankes, korruptes System schöngeredet wird.

Da die Familie nicht zu Unrecht als Keimzelle des Staates betrachtet wird, weisen das Mit- und Gegeneinander innerhalb einer Familie durchaus auch auf die offenen und verborgenen Strukturen innerhalb eines Staates hin. Stellen wir zum Beispiel einem aufgedeckten Kindesmissbrauch in einer Familie das Verhalten der Deutschen und Österreicher nach dem Zweiten Weltkrieg gegenüber, so kann man in der kollektiven Verdrängung und Leugnung der Verbrechen durchaus Parallelen entdecken. Ebenso ist es mit den Anklägern, die auf das geschehene Verbrechen hinweisen. Sie werden ausgegrenzt, als Nestbeschmutzer bezichtigt und als Sturköpfe, die vergangenes nicht ruhen lassen wollen. Zum Beispiel Beate und Serge Klarsfeld, die nach unermüdlicher Aufdeckungsarbeit, erst 2015, 70 Jahre nach Ende der Naziherrschaft, mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wurden. Weiterlesen