Das männliche Genital ist öffentlich

Beschneidung

Es ist so unglaublich normal: Während die berechtigten Kampagnen gegen die rituelle Beschneidung von Mädchen – die im übrigen überwiegend von Frauen gewollt und durchgeführt werden – nicht enden und längst zu einem Stereotyp für Gewalt gegen Frauen geworden ist, werden weltweit alle Jahre Abermillionen Jungen ungefragt aus religiösen oder irrigen ästhetischen Motiven beschnitten.

Das Thema ist seit einem Urteil des Landgericht Köln (LG Köln, 07.05.2012 – 151 Ns 169/11), das die Beschneidung von Jungs für eine Straftat hielt, öffentlich umstritten. Der Gesetzgeber hatte nichts besseres zu tun, als ein halbes Jahr später, am 12. 12. 12, ein Beschneidungsgesetz für die genitale Verstümmelung von Jungen zu verabschieden, und damit das vernünftige Urteil zu konterkarieren.

Jungen haben demnach kein Recht auf körperliche Unversehrtheit. Ihre Würde wird dem Selbstverständnis religiöser Gemeinschaften und dem Willen übergriffiger Eltern geopfert. Ja, die Unversehrtheit ihres Genitals wurde öffentlich verhandelt und missachtet. Ja, es wird weiter darauf geachtet, dass männliche Genitalien nach belieben verstümmelt werden können. Und so wie das Genital der Jungen Allgemeingut ist, so ist auch der Mann ein öffentliches Objekt der Kriegsführung und Verfügbarkeit. Eine Gesellschaft, die so auf ihre Männer schaut, hat erkennbar auch kein Problem damit, dass sie geschändet und massakriert werden; so zum Beispiel bislang 54 Soldaten in Afghanistan.

Doch ich komme vom Anlass für diesen Blogbeitrag ab. – Heute erfuhr ich, dass Ulf Dunkel, ein Grüner, in seinem Blog gegen die Scheinheiligkeit und Doppelmoral seiner Parteifreunde wetterte, die auf ihrer Bundesdelegiertenkonferenz am letzten Wochenende in Halle Anträge gegen die Beschneidung von Jungen taktisch abgebügelt hatten. Und das ist wiederum für die Grünen so unglaublich normal, dass ich hier auf den Blog verlinke.

Denn ich erwarte von den Grünen in dieser Hinsicht nichts. Sie sind für mich die Partei der Schamlosen, der Übergriffigen und der Kinderschänder. Sie gerieren sich dennoch als die Partei der Kinderschützer, die sie nicht sind und niemals waren. Sexuell missbrauchte Kinder – überwiegend Jungen – interessierten sie nur solange, als sie von katholischen Priestern missbraucht wurden. Als es um die päderastischen und hebephilen Umtriebe in ihren eigenen Reihen ging, wurden sie recht wortkarg oder biestig. Und so halten sie es weiter mit den Jungs, solange sie ihnen nützen – im Bett oder in der Politik – sind sie ihnen willkommen, ansonsten sind sie das wohlgelittene Objekt ihrer Misandrie. Männerbashing ist ja sooo progressiv und so verdammt grün und links …

In dieser Hinsicht ist die Stellungnahme von Ulf Dunkel wahrhaft ein Licht im Dunklen. Nur vermute ich, dass auch er darin geübt ist, gegen in den Wind zu sprechen.

Und noch eine Buchbesprechung zum Buch „Unaussprechliche Verstümmelung“ auf dem gleichen Blog.

Und aktuell ein offener Brief an die Leitliniengruppe „Kinderschutz in der Medizin“, die sich weigerte,  sich mit der medizinisch anlasslosen Beschneidung von Jungen zu befassen, geschweige denn sie zu verurteilen. Der Brief kann noch bis zum 12. 12. mit unterzeichnet werden. Hier der Link.

Nachtrag 15. März 2016

Monika Ebeling hat in ihrem Blog einen Aufsatz von Renate Bernhard „Plädoyer fürs Hinschauen“ verlinkt, in dem die Verlogenheit der aktuellen Beschneidungsdebatte – besser gesagt das Mokita zur Beschneidung – und insbesondere die Indolenz der Feministen gegenüber der männlichen, kultischen Genitalverstümmelung  thematisiert wird. Hier der Link. – In meinen Augen ist der Schutz dieser Jungen vor ihrer Genitalverstümmelung auch eine Aufgabe des UBSKM; aber er wird sich wohl aus Gründen der aktuellen politischen Korrektheit dazu nicht äußern wollen.

Nachtrag 21. März 2016

Ulf Dunkel, der auch weiter unten diesen Beitrag kommentierte, prangert in einem längeren Blogbeitrag im Freitag die grüne Doppelmoral an, die einerseits Kinderschutz sehr ernst nimmt, doch sobald es um die Genitalverstümmelung von Jungen geht, überkommenen Riten das Vorrecht einräumt. Hier der Link.

Und so schließt der Dunkels Beitrag über die „Grüne Religionskommission“: „… dahingehend, ob die Genitalverstümmelungen „so schonend und altersgemäß wie möglich“ ausgeführt werden? Was genau versteht diese Kommission unter einer „altersgemäßen Genitalverstümmelung“? Was genau ist daran „schonend“, einem acht Tage alten Säugling, bei dem keine Narkose oder Schmerzmittelgabe wirksam sein kann, ohne gleich sein Leben zu gefährden, einen gesunden Körperteil, nämlich die zu diesem Zeitpunkt in aller Regel noch fest mit seiner Eichel verwachsene Vorhaut, vom Leibe zu reißen? Wie will die Evaluation mit im Jahre 2017 vielleicht fünf Jahre alten Betroffenen reden? „Na, Kleiner. Und, ist beim Sex alles okay bei Dir? War doch nicht so schlimm, oder? Pipi machen geht prima, oder?

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4 Gedanken zu “Das männliche Genital ist öffentlich

  1. man sollte durch eine erneute petition das thema so lange aufgreifen und anprangern, bis mindestens erreicht wird, dass minderjährige nicht mehr straffrei beschnitten werden dürfen.

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    • Hallo Michelle,
      unabhängig davon ob Online-Petitionen, den Adressaten überhaupt erreichen oder interessieren, sind sie in sich, ein fragwürdiges Instrument. Hier ein Bericht über den Werdegang einer sehr aktuellen Onlinie-Petition.
      Wichtig ist, unruhig zu bleiben, und die Abgeordneten und Kanditaten vor einer Wahl anzuschreiben und anzusprechen. Auch das bewegt nicht viel, aber es hält das Thema am kochen. Die Macht der Religionsgemeinschaften ist enorm und die Furcht der Politiker vor ihnen enorm.

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  2. „[…] die im übrigen ausschließlich von Frauen gewollt und durchgeführt werden […]“ – Das ist so nicht ganz korrekt. Es sind oft – die Grundlage für spätere Handlungen und Tradierung formend – Männer, die eine irgendwie religiöse oder sonstwie scheinbar sinnstiftende Begründung liefern, warum FGM (Female Genital Mutilation, weibliche Genitalverstümmelung) nötig sei. Siehe z.B. hier:

    http://www.taz.de/!5074647/

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    • Danke für den Link. Ich habs relativiert. Denn dass sich die MUI dort – übrigens mit einer falschen Begründung – einmischen, ist ungewöhnlich. In anderen Ländern und Kulturen ist die Mädchenbeschneidung wie auch in Indonesien Angelegenheit der Frauen und hat auch grundsätzlich nichts mit dem Islam zu tun; sondern ist von der jeweiligen Ausrichtung (Schafiiten) abhängig. Dass andererseits kulturelle Entwicklungen immer auch ein Abbild der ganzen Gesellschaft sind, bindet Männer wie Frauen unabhängig von der konkreten Täterschaft stets gemeinsam mit ein. – Insofern sind auch hierzulande Frauen an der Jungenbeschneidung mitverantwortlich, was sich letztlich auch im Abstimmungsverhalten vom 12. 12. 12. ablesen lässt.
      Lotosritter

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