Die Mutter als böse Kupplerin

Mutter und Tochter © neurolle - Rolf / pixelio.de

Mutter und Tochter © neurolle – Rolf / pixelio.de

Manche Mütter möchten gerne die besten Freundinnen ihrer Töchter sein und sind dabei allenfalls nur das fünfte Rad am Wagen oder schlechtenfalls die beste Feindin. Das eigentliche Motiv solcher Anbiederung dürfte die Jugend sein, die sie ihren Töchtern neiden, und von der sie gerne zehrten. Mit der Tochter in der Disco abtanzen und dieselben Typen anschmachten und sich gerne als Schwestern ausgeben, wo doch jedermann sieht, was für ein schräges Spiel hier die Mutter spielt. Ich nenne solche Spiele emotionalen Missbrauch, oder schlicht daneben. Einige Mütter aber treiben dieses Spiel noch weiter und verkuppeln ihre Töchter trickreich mit den Männern, die sie selbst gerne noch vernaschen würden, wäre ihnen nur der Morgen danach nicht zu peinlich. Wieder andere haben diese Hemmung nicht und bieten sich selbst offenherzig dem Freund der Tochter an – es bleibt ja in der Familie.

Die Mutter meiner Frau, die perfekte Rabenmutter, ging und dachte auch sicher nie soweit bis zur letzten Konsequenz. Ihr genügte es, ihre damals 16jährige Tochter mit dem Mann ihrer mädchenhaften Träume zu verkuppeln, ja, ihre Tochter ihm praktisch ins Bett zu legen, um danach das süße Geheimnis ihrer Entjungferung mit ihr zu teilen. Freilich war das fantasierte erotische Geheimnis, statt süß, nur bitter und dazu noch grausam. Die Tochter versagte und zerstörte so den Traum der Mutter ein weiteres Mal. Nachstehend erzähle ich die Geschichte der Mutter, einer perversen Kupplerin, und ihrer geschändeten Tochter, das Opfer einer von der Mutter gestifteten Vergewaltigung.

Ein Arzt als Ehemann war der Mädchentraum der Mutter gewesen, also lernte sie Arzthelferin. Doch die Liebe und die Gelegenheit kamen anders als gewünscht und gedacht. Es war die Zeit kurz nach dem Krieg und sie durfte nicht zu wählerisch sein, schließlich waren viele junge Männer gefallen oder noch in Gefangenschaft. So nahm sie einen jungen Journalisten zum Mann und fuhr damit zumindest materiell nicht schlechter als mit einem Arzt. Dennoch bewahrte sie sich ihren Traum vom idealen Mann, weshalb sie am liebsten Arztromane las. Sie besaß Dutzende von diesen Büchern.

Ja, sie blieb arztnarrisch. Als ich mir ihrer Tochter verlobt war, sagte sie öfters zu mir: „Auch wenn Du kein Arzt bist, bist Du mir als Schwiegersohn recht!“. Nun ja, was macht ein junger Mann mit einem solchen Satz, vor allem ein junger Mann mit meiner Geschichte? Er grinst verlegen, schweigt, und nimmt auch diese Gemeinheit, so wie er viele Gemeinheiten davor schon genommen hatte. Ich hatte Nehmerqualität und konnte verdrängen. So verdrängte ich auch, was ich von ihrer Tochter wusste; nämlich wie sie sie einem Arzt als Gespielin untergeschoben hatte.

Als Ruth Krankenschwester lernte, biederte sich ihr die Mutter als beste Freundin an. Vor allem die jungen Assistenzärzte hatten es ihr angetan. Zu ihnen fragte sie die Tochter aus, manch einer stammte aus einer angesehenen Arztfamilie und weckte ihr besonderes Interesse. Ebenso jene, von denen sie die einst von ihr selbst angehimmelten Väter noch aus ihrer Zeit an den Kliniken her kannte, beschäftigten ihre Fantasie. So schwärmte die Mutter mit ihrer Tochter, als wäre sie selbst noch ein Backfisch; als könnte sie damit ihre verblühte Jugend noch einmal beleben.

Ein Arzt, nennen wir ihn Dr. Mabuse, gerade erst Oberarzt geworden, interessierte sich für die Lernschwester, und auf einmal schien mit der Tochter möglich, was ihr das Schicksal versagt hatte. Die Mutter war von den Avancen des Arztes noch mehr begeistert als die Tochter, der der Kerl eigentlich zu alt war. Sie ermutigte die Tochter, gab ihr gute Ratschläge, wie aus dem Flirt mehr werden könnte. Schließlich kam der Tag des ersten Stelldicheins. Die Mutter umschwirrte am späten Nachmittag die Tochter, suchte für sie die passende Unterwäsche heraus, kommentierte ihre Schminke und Frisur und ließ sie im Kleid vor sich drehen. Ja, die Tochter war perfekt und der Mann, der Arzt, der Freier, der von ihr fantasierte Liebhaber in der Falle. Das musste der künftige Schwiegersohn werden. Entsprechend trällerte sie durchs Telefon, als sie vom Aufbruch der Tochter kündete, und ja, es sei nicht schlimm, wenn es spät würde, das Mädchen sei ja in guten Händen. Kicher, kicks, träller, Kreidestimmchen …

Im Appartement des Arztes verlor die Tochter nicht nur ihre Jungfernschaft, sondern auch sämtliche Illusionen der Mutter. Der Mann war unsensibel und offensichtlich orgasmusgestört. Er kam auch nach einer Stunde nicht. Das Mädchen litt, doch so unerfahren und derart von der Mutter bedrängt, ihm möglichst alles recht zu machen, vermochte es sich nicht zu wehren. Sie hielt aus, bis der Kerl aufgab.

Die Sorge der Mutter galt danach nicht der Tochter, sondern dem Mann. Er könne womöglich von ihr abrücken, da sie ihm nicht genüge, weil er keine Befriedigung fand. Die Tochter fühlte sich schuldig und gelobte noch mehr Gefälligkeit, damit der Herr Doktor mit ihr zufrieden wäre. Dementsprechend intensiv war die zweite Hinführung zum Rendezvous.

Doch die Tochter wollte nicht wieder zu dem Kerl. Sie hing eine Weile mit Freunden ab, trank Alkohol, und fügte sich schließlich doch der Erwartung der Mutter und machte sich auf den Weg zu ihm. Dort kam sie beschwipst und um einiges zu spät an. Der Herr Doktor ließ die Maske fallen und die Sau raus. Er warf das Mädchen auf das Bett, fasste darunter, zog einen Totschläger hervor und malträtierte es damit. Er verpasste ihm etliche Hämatome. Nachdem er von ihm abließ, belaberte er es, flötete etwas von Enttäuschung und Herausforderung, von Liebe und Verrat, und schlief erneut mit ihm. Diesmal hatte er keine Orgasmusstörung. Der Anblick ihrer Hämatome auf ihrem nackten Leib war der richtige Auslösereiz. Das Mädchen aber fühlte sich weiterhin bedroht, beschmutzt und vergewaltigt.

Als die Tochter nach Hause kam, war die Mutter entsetzt und rief den Doktor Mabuse an. Der erzählte ihr, dass die Tochter betrunken und renitent bei ihm ankam, und er sich ihrer nur erwehrt hätte. Das ihm das Geschehen sehr leid tun würde und solches Verhalten ihm ansonsten ganz und gar fremd wäre. Nur durch die Aggressivität der Tochter war er dazu gezwungen und für einen kurzen Augenblick aus Rand und Band. Außerdem habe man sich anschließend wieder versöhnt.

Die Mutter litt auf ihre Weise unter dem Ausgang dieser von ihr geförderten Zusammenführung der Tochter mit einem sadistischen Schläger. Da war eine gute Partie perdu, und das bisschen Schläge, das wäre mit besserem, angepasstem Verhalten zu vermeiden gewesen. Trost fand die Tochter bei ihr nicht, sondern nur Vorwürfe.

Ein paar Jahr später, noch in der Verlobungszeit, rechtfertigte die Mutter, die Gewalttat mir gegenüber mit den Worten: Wer weiß, was Ruth getan hat. Sie wird es schon provoziert haben. Sie wird es schon verdient haben …

Diese Ungeheuerlichkeit konnte sie mir ohne Widerspruch ins Gesicht sagen. Heute würde ich mich am liebsten dafür schämen, doch ich weiß, es wäre falsch. Denn Schämen müssten sich jene, die mir die Seele aus dem Leib schlugen und sie schändeten, die mir jedes Selbstwertgefühl nahmen, so dass ich selbst für die groteske Zuneigung dieser perversen Mutter noch dankbar war, schließlich zog sie mich mit ihrer Gemeinheit in ihr Vertrauen.

Vier Jahre später, Ruth hatte einen Selbstmordversuch, einen Sprung aus dem fünften Stock, überlebt, sagte ihre Mutter, durch das Geschehen zutiefst gekränkt, zu mir: „Wenn du die Ruth eines Tages umbringst, sage ich gut für dich aus!“ Ich schwieg auch dazu, wenigstens lächelte ich nicht. Ich fand sie nur maßlos dumm und hinterhältig, und empfand mich dabei vollkommen hilflos …

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