Zum Weltfrauen Tag

© Rike / pixelio.de

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Frauen und Männer, Jungen und Mädchen zusammen sind die Menschheit. Wir bilden die Menschheit, weil wir zusammenfinden, gemeinsam leben und lieben, lachen und weinen, uns streiten und wieder versöhnen; weil wir uns gegenseitig bewundern und verehren und ohne einander nicht leben wollen und können.

Frauen, ihr seid weder die andere Hälfte der Menschheit, noch die bessere oder schlechtere; weder die überlegene, noch die unterlegene. Die Menschheit teilt sich nicht in Hälften, sondern ist als „Heit“ eine unauflösliche Gemeinsamkeit.

Dennoch haben sich viele Frauen in ihrer Weltsicht separiert. Sie meinen, sie stehen den Männern entgegen und müssen sich gegen ein vermeintliches Patriarchat erwehren oder ein einst die Menschheit beglückendes – so die Behauptung einiger – Matriarchat wiederbeleben. Sie meinen, sie müssen die Weltsicht und das Wesen der Männer verändern, damit … Damit was? – Die Menschheit eine bessere wird?

Nun, es ist eine uralte Weisheit, dass unsere Welt eine andere wird, sobald sich der einzelne Mensch in ihr verändert. Sie wird nicht besser, wenn man vom einzelnen Veränderung fordert, sondern nur, wenn man selbst das bessere lebt. Also frage ich mich, wann habt ihr Frauen Euch selbst gefordert, indem ihr eine andere Frau gefordert hattet:

  • ihr Kind nicht zu vernachlässigen, obwohl sie Zeit für es hat?
  • ihr Kind nicht zu schlagen, es nicht zu beleidigen oder ihm mit bösen Worten sein Selbstbewusstsein zu zerschlagen?
  • indem ihr Einhalt geboten habt, wenn ihr gesehen habt, wie sie ihren Sohn beim Waschen in übergriffiger Weise stimulierte?
  • indem ihr sie fragtet, warum sie ihren Mann schlägt?
  • indem ihr ihr widersprochen habt, wenn sie ihren Mann vor euch verächtlich machte?
  • indem ihr Euch der Behauptung widersetzt habt, Jungen seien nur faul und aggressiv?
  • indem ihr einer Lehrerin Einhalt geboten habt, als sie die Jungen in ihrer Klasse benachteiligte?
  • indem ihr euch empörtet, als ihr von ihr erfahren habt, dass sie einen Teenager zum Liebhaber hat?
  • indem ihr sie fragtet, warum sie den Vater ihrer Kinder aus Rache des sexuellen Missbrauchs falsch bezichtigt?
  • indem ihr sie fragtet, warum sie ihrem Kind den Vater entzieht?
  • indem ihr sie fragtet, warum sie vor dem Kind übel von seinem Vater spricht?
  • indem ihr ihr sagtet, dass ihr es übel findet, wenn sie mit einem Mann nur wegen dessen Geldes etwas anfängt?
  • indem ihr ihr sagtet, dass ihr es übel findet, wie sie abfällig über ihre Schwiegertochter oder ihren Schwiegersohn spricht?
  • indem ihr ihr sagtet, dass ihr es als eine Verletzung der Intimsphäre ihres Partners empfindet, wenn sie euch Bettgeschichten ausplaudert?
  • indem ihr sie darauf aufmerksam machtet, dass Männer nicht die geilen Schweine sind, wenn sie sie in Schlampenmanier anmacht?
  • indem ihr ihr widerspracht, dass der von ihr begehrte Mann kein schwuler Schlappschwanz sei, nur weil er mir ihr nicht schlafen wollte?
  • Indem ihr ihr mitteiltet, dass es verlogen sei, wenn sie einem Mann schöne Augen macht, nur um einen Vorteil zu erlangen.
  • indem ihr ihr die Meinung sagtet, wenn sie einen Mann anflirtete, nur um dessen Frau zu demütigen?
  • indem ihr ihr sagtet, dass ihr es schäbig findet, wie sie ihren geschiedenen Mann finanziell übervorteilte?
  • indem ihr sie darauf aufmerksam machtet, dass sie ihren Mann mit ihren Forderungen überlastet?

Es sind Fragen, die sich Frau zu Frau stellen kann. Es sind Fragen, die ihr wahrscheinlich nur selten gestellt und noch seltener gehört habt. Es sind aber auch Fragen, die durchaus dazu beitragen können, dass unsere Welt besser wird.

Es gibt aber noch weitere Fragen zum Weltfrauen Tag, die ihr euch selbst stellen könnt. Ich stelle nur drei davon. Sie verändern die Welt kaum, denn ihr könnt sie durch euren eigenen Habitus kaum beeinflussen. Dennoch zeigen sie eine Ungleichheit auf, die so nicht sein müsste, wenn wir allesamt liebe- und rücksichtsvoller miteinander umgehen würden. – Also, habt ihr schon einmal daran gedacht, euch zu fragen:

  • Warum 80 % der Obdachlosen Männer sind?
  • Warum sich dreimal mehr Männer selbst töten als Frauen?
  • Warum Männer durchschnittlich fünf Jahre eher sterben als Frauen?

Vielleicht schenkt ihr am Weltfrauen Tag euren Liebsten, Mann, Frau, Sohn, Tochter, Mutter, Vater, Freund oder Freundin einfach ein Lächeln und sagt dazu, wie schön es ist, gemeinsam durch die Welt gehen zu dürfen.

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Ein Gedanke zu “Zum Weltfrauen Tag

  1. Dein Blog spricht mir aus der Seele, muss ich schon sagen. Das folgende Gedicht habe ich mal zu einem Weltfrauentag vor ungefähr 10 Jahren gemacht. Das passt zu Deinen Fragen ziemlich gut, finde ich:

    Preisung

    Danke, Herr: wir sind es nicht,
    die Hunderte von Kindern über die Klinge springen lassen,
    die ihre Familien im Stich lassen und ihrer Wege gehen,
    die jeden Tag sich bedienen lassen!

    Danke, Herr: wir sind es nicht,
    von deren Gewalt die Zeitungen überquellen,
    die die Hand erheben gegen die Sanftmütigen,
    die da schreien und toben, wo sonst der Friede wohnte!

    Danke, Herr, wir sind es nicht,
    die man sieht, wenn die Privilegien verteilt werden,
    deren Ellenbogen man spürt, wenn es ums Fortkommen geht,
    die man hört, wenn die Zeit zum Selbstlob gekommen scheint!

    Aber, Herr, wieso läßt du es zu,
    dass ich mich so unwohl fühle, wenn man unsere Unschuld preist,
    dass mich das Wissen um unsere Vorzüge nicht glücklich macht,
    dass wir nicht im Paradies bleiben durften, als den Sündern der Marsch geblasen wurde?

    24.3.2005

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