Ostermontag: Tag der Lotoskraft

Resilienz © Ulla Trampert  / pixelio.de

Resilienz © Ulla Trampert / pixelio.de

Dieser Tage stieß ich auf dieses Zitat:

“Damit der Baum der Erleuchtung wachsen kann, müssen wir guten Gebrauch von unseren Sorgen, unserem Leid machen. Es ist wie bei der Anzucht von Lotusblumen: Lotusblumen wachsen nicht auf Marmor. Ohne Schlamm können wir keine Lotusblumen aufziehen.”
(Thich Nhat Hanh, “Ärger”, Verlag Goldmann, München 2007)

Es ist ein typisches Zitat aus einer Wohlfühlreligion für eine Wohlfühlgesellschaft, aus der heraus man Stellvertreterkriege finanziert und deren Folgen mit hohem Spendenaufkommen notdürftig repariert, und in der körperliche und seelische Gewalt sowie sexueller Missbrauch gegen Kinder alltäglich sind. Also würde ich das Wohlfühlzitat so umwandeln:

„Damit die verlogene Moral wachsen kann, müssen wir guten Gebrauch von unserem Schweigen und Wegsehen machen. Es ist wie bei der Anzucht von Lotosblumen: Lotosblumen wachsen nicht auf guten Vorsätzen. Ohne praktizierten Missbrauch können wir keine Lotosblumen aufziehen.“

Dieses Blog heißt Lotoskraft, und ich nenne mich Lotosritter. Ein Lotos wurzelt im Schlamm. Er treibt durch den Morast. Durchstößt sein Trieb den Sumpf, perlt aller Schmutz von ihm ab. Seine Blüte öffnet sich rein und unbeschmutzt. Wegen dieser Eigenschaft wurde der Lotos zum Sinnbild für Erneuerung und Resilienz. Resilienz ist Kraft, mit der man trotz elender Herkunft, trotz Vernachlässigung und übler Erziehung, trotz Missbrauch, Gewalt und Erniedrigung, ein gefestigtes sittliches Leben führen und sich seiner Geschichte widersetzen kann. Resilienz ist zudem eine besondere Art der Reflexion, aufgrund der man den Teufelskreis des Elends durchbricht. Resilienz ist eine besondere Eigenschaft der Opfer, die ihnen die Täter nicht austreiben konnten. – Jedes Opfer, das in sich die Kraft der Gesundung bewahren konnte, ist eine Lotosblüte!

Und da ich in diesem Blog vor allem die Leiden und die gesellschaftliche Missachtung geschändeter Jungen und Männern thematisiere, füge ich hinzu, dass Resilienz auch speziell die gesunde Kraft der männlichen Opfer ist, sich trotz eingeschränkter Therapiemöglichkeiten, trotz der Verachtung ihrer Umwelt – insbesondere der „gesunden“ weiblichen Umwelt, die männliche Opfer verachtet – zu behaupten und sich dennoch, so weit wie möglich, um seine stete Gesundung zu kümmern.

Damit die Kraft der Resilienz nicht durch unfähige Therapeuten, eigennützige Opferverbände, verstockte Politiker, knickrige Krankenkassen und bösartige Mitmenschen versiegt, ist es wichtig, diese Kraft zu pflegen, um sie sich zu bewahren. Somit denke ich, dass ich von nun an alljährlich zu Ostermontag den Tag der Lotoskraft feiern werde.

Es ist ein guter Tag. Christus inkarnierte am Tag zuvor. Wir feiern immer noch seine Auferstehung. Es ist auch der Tag, an dem sich der Wiederauferstandene erstmals seinen Jüngern als ein überlebendes Opfer offenbarte. Also sollte ein jeder, der sich seiner Lotoskraft versichern möchte, sich – in einem von ihm übersehbaren Rahmen – ebenfalls als ein Opfer von Gewalt und Missbrauch offenbaren und damit zeigen, dass er in ein zweites in ein gesundes Leben inkarnierte, in dem, Opfer zu sein, keine Schande ist. Denn sich zu offenbaren, bricht die falsche Moral unserer Mitwelt, indem man die Leugner, Schweiger und Untätigen beschämt und zugleich die Resilienz der Opfer stärkt.

Es wäre schön, wenn sich diese Eingebung vor allem auch unter den männlichen Opfern fortsetzte. Denn solange wir uns nicht zu der erlittenen Schmach bekennen, nehmen wir uns die Chance, sie dauerhaft von uns zu weisen und somit aus dem Schatten der Täter zu treten. – Mögen wir so auch ein Stück weit den elenden Morast austrocknen, in dem nach wie vor Lotosblüten der Opfer gedeihen. Denn diese dunklen Lotosblüten sollten eigentlich erst gar keinen Grund finden, um gedeihen zu müssen.

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