Frau schlägt Mann … na und?

stacks-image-5A843A8Frauen, die Männer ohrfeigen und auf sie wütend einschlagen, begegnen uns am Tag gefühlte dutzendmal im Fernsehen. In so vielen Filmen ersetzen Schläge gegen Männer das fehlende Kommunikationsvermögen der agierenden Frau. Drehbuchschreiber haben diesen Stereotyp wohl deswegen als Standard übernommen, weil er zum einen Aktion bringt, zum anderen den Mann blöd aussehen lässt, denn selbstverständlich wehrt sich der männliche Schauspieler nicht, sondern versucht nur, die Schläge für sich annehmbar zu ertragen, und drittens scheint derlei Aktion dem weiblichen Publikum zu gefallen, wenn er mal Dresche bekommt, und zum vierten treibt dieser Stereotyp die Story voran, ohne dass man längere Dialoge schreiben oder die Schauspieler zum mimen tragen muss. Frau-schlägt-Mann-Szenen sind von daher kostengünstig für die Produktion und letztlich doch unterhaltsam. Dabei bekommen Männer in so ziemlich jedem Film seit 1980 Prügel von einer Frau. Frauen hingegen werden in Filmen selten geschlagen, das scheint politisch noch nie korrekt gewesen zu sein. Wenn überhaupt erscheinen sie in einer späteren Szene mit blauem Aug oder Sonnenbrille, um die im Off geschehene Gewalttat anzudeuten.

Mich stimmen derlei Frau-schlägt-Mann-Szenen, die wohl auch vom Regisseur für irgendwie progressiv gehalten werden, stets traurig. Denn sie liefern ein Vorbild mehr für ein Phänomen, das sich zunehmend verbreitet. Frauen meinen offensichtlich, sie können Männer, wann immer es ihnen taugt, gefahrlos schlagen. Mann geht dabei in Schutzhaltung und wartet ab, bis die Aggression vorbei ist, um sich dann wieder auf ein konstruktives Gespräch mit der Täterin einzulassen. Jedenfalls ist es eine Tatsache, dass häusliche Gewalt zu gleichen Teilen in prekären Beziehungen vorkommt. Frauen prügeln ihre Partner nicht minder als Männer. Mehr noch, bis zum 16. Lebensjahr erleben Kinder körperliche Gewalt daheim überwiegend durch ihre Mütter oder andere weibliche Verwandte.

Ein aktueller Artikel des Bloggers Hadmut Danisch schildert eine Situation, die nicht im Fernsehen oder im Kino zu sehen war, sondern in einer Berliner S-Bahn. Hadmut Danisch wurde von einer Frau im beisein deren achtjähriger Tochter verprügelt. Dieser Angriff geschah unvermutet; allerdings verriet das Verhalten der Tochter, während der Schläge, dass die Mutter derlei nicht zum ersten Mal tat.

Danisch schreibt dazu:

Urplötzlich und ohne Vorwarnung stieß die mit beiden Händen und ihrer vollen Kraft meine Einkaufstasche von sich weg, gegen mich. (…)

Ich wollte eigentlich lostöbern und schimpfen, die legte aber nach und fing an, auf mich einzuprügeln, und schlug gleich noch zwei, dreimal auf mich ein, so auf die Seite, den Arm und die Tasche. Mutti rastet aus und dreht durch. (…) Wie ich noch verblüfft war über die Situation, und noch nicht wusste, wie ich sie einschätzen soll und was da jetzt abgeht, passierte das nächste, womit ich nicht gerechnet habe.

Töchterchen bekommt einen Heulkrampf, nahe am Nervenzusammenbruch. (…)

An der Situation stimmte etwas überhaupt nicht. Eigentlich hätte das Kind doch mich als Bedrohung ansehen müssen, und damit gar nicht anders gekonnt, als mich anzuschauen, was ich mache und ob ich angreife.

Die hatte aber keine Angst vor mir, die hatte Angst vor ihrer Mutter. Genauer gesagt, nicht vor der Person, sondern vor dem, was Mutti als nächstes machte.

Die Kleine bettelte, allerdings leider so, dass die Umstehenden es nicht hören konnten, „Mama, bitte hör auf! Bitte nicht schon wieder!” und kurz darauf nochmal „Mama, hör auf damit!”

Den gesamten Artikel und den Ablauf des Angriffes kann man hier im Blog von Hadmut Danisch nachlesen. Es ist leider kein Vergnügen, sondern zeigt nur die von mir einleitend skizzierte Verrohung des Miteinanders.

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4 Gedanken zu “Frau schlägt Mann … na und?

  1. Auch wie kommt die Frau auf die Idee das es in Ordnung ist auf den Besitz von anderen einzudreschen?

    Ich denke auch das die Hemmungen von Frauen Männer zu schlagen deutlich geringer ist, wie andersherum oder auch wie Männern gegenüber Männern. Sie sehen sich wohl selbst nicht als Bedrohung.

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  2. Sitzplätze sind Sitzplätze und keine Taschenplätze. Das Danisch hier nicht bereit ist den Sitzplatz den andere Fahrgäste beanspruchen möchten von seinen Gepäck zu räumen, macht ihn auch nicht sympathischer als wie die Frau die auf ihn losgegangen sein soll. Ich habe auch kein Verständnis für sein Rumgeheule wegen da wäre kein Platz für seine Taschen. Dann stellt man sich eben da hin da wo Platz ist. Der Provokateur ist nach meiner Ansicht eindeutig der Danisch, auch wenn die Reaktion der Frau völlig daneben ist.

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    • „Der Provokateur ist nach meiner Ansicht eindeutig der Danisch“

      Er hat die Frau provoziert, obwohl da noch andere Plätze frei waren?

      o.0

      Auch hat er ja versucht so wenig Platz wie möglich einzunehmen, aber physiklaische Gesetze verhindern in der Regel, dass zwei Objekte zur gleichen Zeit am selben Ort sind.
      Was sollte er denn noch machen?

      Deine Beurteilung ist für mich nicht nachvollziehbar.

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  3. Doch, die Beurteilung ist durchaus nachvollziehbar. Man(n) kann seine Einkaufstasche auch auf den Boden stellen. Zu dreckig gilt nicht. Plastiktüten kann man abwischen, Stofftaschen etc. waschen. Oder man ist so schlau und stellt die Tasche auf seine Füße.

    Nichtsdestotrotz geht die Prügelei der Frau mal gar nicht und ist mit absolut nichts zu rechtfertigen. Es sollte aber mehr publik gemacht werden, damit die breite Öffentlichkeit endlich sieht, wer in unserer Gesellschaft schon seit Jahren und Jahrzehnten unterdrückt und diskriminiert wird.

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