Unglaubwürdige Anschuldigung

SauberDas ist ein bodenloser Schönsprech oder Gutsprech oder Lugsprech, je nachdem von welcher Seite man es sehen möchte, manche werden es auch für Wahrsprech ganz im Sinne von Big Brother halten. Nicht jenes Big Brother, bei dem frau sich, wie ich gestern gelesen habe, gleich in den ersten Minuten des Ankommens zur Begrüßung gegenseitig ihre Scheiden zeigten und kommentierten und das alles live in die Wohnzimmer der … Ja, wer? Wer sieht sich so etwas überhaupt an? Soweit ist es mit der „freien Sexualität“ gekommen. Damit wollten 68er einstmals die Menschheit befreien, damit wir hier alle glückselig wie die Wilden der Südsee leben. Nein, das was da über RTL geflimmert ist, ist für mich Prostitution, in jedem Falle aber weiblicher Exhibitionismus der aufdringlichsten Art.

Doch zurück zur „unglaubwürdigen Anschuldigung“, diesem Euphemismus orwellscher Manier. Ich hörte es beim Frühstück über die B5-Nachrichtenleier. Dort wurde gesagt, dass LinaSchina Lohspinn oder so ähnlich – ich hab den Namen schon vergessen – wegen unglaubwürdiger Anschuldigung zu einer Geldstrafe verurteilt wurde, und nun Schäuble deswegen den Rücktritt von Maas – beide Bundesminister – forderte. Nun, Schäuble ist ja ob seiner Spendenaffäre und geldbeschwerten Briefumschläge vielleicht der richtige Finanzminister, aber gewiss kein moralischer Leuchtturm. Doch egal, Schäuble fordert Maas‘ Rücktritt, weil dieser bei LinaSchina Trallala, erfolglos Einfluss auf die amtsgerichtliche Entscheidung genommen hatte.

Nun ebenso hätte er auch Manuela Schwesig vom Bundesministerium für Alles außer für Männer auffordern können, zurückzutreten, doch vielleicht verzichtete er darauf, weil dies gerade aktuell die unglaubliche Zahl von 271 Personen in einer Open-Petition fordert. Doch womöglich ziemt sich das nicht für einen Kavalier, eine Frau zu bezichtigen, so wie dies die Juraprofessorin Tatjana Hörnle in der taz in einem Interview zur Verschärfung des Sexualstrafrechtes auf eine hypothetischen Fallskizze hin uns allen in Erinnerung rief:

taz: Ein weiteres Problem der neuen Rechtslage: Ein Paar liegt im Bett, sie will Sex. Er sagt, er sei zu müde. Sie gibt nicht auf und streichelt seinen Penis, bis er doch Lust hat. Ist das künftig strafbar, weil sie sein Nein ignoriert hat?

Hörnle: Das Verhalten der Frau mag zwar den Tatbestand des neuen Gesetzes erfüllen. Aber ich bitte Sie, welcher Mann zeigt seine Partnerin nach einer solchen Situation an?

Doch wieder zurück zur „unglaubwürdigen Anschuldigung“, bei der mir, als ich das hörte, das Hörnchen in den Milchkaffee fiel. Eine Verleumderin tätigt eine unglaubwürdige Anschuldigung. Das hört sich für mich so an, als wäre die Anschuldigung prinzipiell gerechtfertigt gewesen, nur eben wegen gewisser Umstände unglaubwürdig geraten. Nein, der Tatbestand heißt „Falsche Verdächtigung“ § 164 StGB. Da ist nichts unglaubwürdig, sondern alles falsch. Und falsch heißt: es wurde gelogen und betrogen!

Mit dieser verschleiernden Sprache aber spuckt man den Opfern sexuellen Missbrauches ins Gesicht. Obgleich, nach diesem Schönsprech gibt es auch keine Opfer mehr, erst recht keine Überlebenden sexueller Gewalttaten, sondern nur noch Betroffene – also irgendwie Getroffene oder Betröpelte. Ja, man ist wieder so weit, man will von den Opfern nichts mehr wissen. Man will ihre grauenhaften Geschichten nicht mehr hören; irgendwann muss ja auch mal Schluss sein. Dieser dreiste Spruch der Täter und Wegschauer hatte bereits vor 70 Jahren seine Prämiere; doch er zieht immer noch. – „Was, das geschah dir vor 50, 60 Jahren und da hast du heute noch ein Problem damit? Versteh ich nicht. Mach dich mal locker, Mann!“, so mancher Kommentar, wenn ich die Umstände meiner vor fünf Jahren ausgebrochenen PTBS einem Otto Normalo erkläre.

Jedenfalls sind die hohe Zahl falscher Anschuldigungen ein Problem für jedes Opfer tatsächlich geschehener sexualisierter Gewalt. So wie man den Opfern von der Silvesternacht in Köln ihre Schändung wegreden, relativeren, verschweigen und verleugnen wollte, so begegnen auch heute die meisten Opfer einem ungläubigen Vorbehalt. Denn wenn eine von drei Anzeigen nachweislich erlogen und erstunken wurde, um sich an einem Mann zu rächen oder sich moralisch vor sich selbst über ein schäbiges One-Night-Stand zu rechtfertigen, dann haben es die anderen zwei Opfer schwerer, ernst genommen zu werden. Dementsprechend gründlich und somit seelisch belastend sind für sie die Ermittlungen der Polizei.

Ich kann und will diese verlogene Anteilnahme mit (meistens weiblichen) Verleumdern und Falschbeschuldigern nicht verstehen. Das ist eine falsche Solidarisierung mit Tätern, die mir nur deswegen möglich scheint, weil unsere Gesellschaft offensichtlich zumindest in der veröffentlichten Meinung gespalten ist. Dahingehend herrschen hierzulande beinahe orientalische Zustände: hier die Welt der Männer, da die Welt der Frauen. Nur dass im Orient die patriarchale Welt vor der matriarchalen steht. Dagegen war unser sozialer Raum seit den alten Germanen immer schon ein Raum gleichberechtigter Teilhabe von Männern und Frauen. Während die aktuelle Spaltung der Gesellschaft vor allem unter der steten veröffentlichten Viktimisierung der Frau in jedem Lebensbereich geschieht. Ein von einer Frau verprügelter Mann oder ein von einer Frau sexuell missbrauchter Junge sind allenfalls selbst schuld oder submissive Weicheier, während eine halbtagsarbeitende Frau bereits zweifelsfrei ein Opfer ist. Ja, männliche Opfer sind unglaubwürdig! Unglaubwürdige Beschuldiger …

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4 Gedanken zu “Unglaubwürdige Anschuldigung

  1. Nein, heißt aber auch nein, so dass ich eine Hand, die einfach weiter macht, ohne auf mein „ich bin zu müde“ zu achten, rigoros wegschieben würde. Aus Angst, eine Hand wegzuschieben, um nichts zu verlieren, läßt man alles zu – in diesem Falle pure Belästigung. Da traut sich doch schon wieder jemand nicht, oder sehe ich das verkehrt? Mit dieser falschen Toleranz werde ich Opfer und dann nochmal Opfer, weil mein Nein niemand ernst nimmt. Um was wird da diskutiert, wenn ich mich nicht durchsetze?

    Ganz normale Fragen, einer ganz normalen Frau. Aber Opfer ticken wohl anders?

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  2. Was Glockenbacherin da absondert ist, reichlich undurchsichtig. Eindeutig ist nur ihr widerwärtiger Sexismus:

    „Aus Angst, eine Hand wegzuschieben, um nichts zu verlieren, läßt man alles zu – in diesem Falle pure Belästigung“

    Es wird suggeriert, daß eine einzige Zurückweisung – die wegen „Ganz normale Fragen, einer ganz normalen Frau“ offenbar eine Frau an einem Mann austeilt, der Mann die Frau verlassen würde. Doch das ist beliebig realitätsfremd. Wer die Augen aufmacht und bereit ist, ehrlich zuzugeben, wie die Welt um einen herum funktioniert, der bemerkt, daß das Flirten von Frauen mit Männern in der Regel NUR aus expliziten Zurückweisungen besteht, die aber natürlich als Aufforderungen verstanden werden sollen und von Männern mit traditionallem Männlichkeitsverständnis auch genau so aufgefaßt werden. Wer dies – wie Glockenbacherin – leugnet und so tut, als wäre eine einzige Zurückweisung für einen herzlosen und kalten Mann ausreichender Anlaß, einer ach so armen und verzweifelt einsam liebenden Frau das letzte bißchen Herz zu brechen, der dämonisiert Männer auf perfideste Weise, denn in Wahrheit demonstrieren sie gegenüber Frauen täglich eine Großzügigkeit, Geduld und Toleranz, die man im Vergleich als Sohn, als männlicher Nachkomme niemals geschenkt bekommt. Es ist die faktische Besserbehandlung der Frauen durch die Männer, die dafür sorgt, daß mir bei diesem Kommentar speiübel wird.

    Ganz abgesehen davon, ist der zitierte Satz offenkundig falsch: Wer alles zu läßt, der sorgt selbst dafür, daß keine Belästigung vorliegt. Denn die Motive aus denen Sexualität ausgeübt wird, sind Privatsache. Würden sie dennoch eine Rolle spielen, dann wäre jeder Mann, der eine Frau beim Sex nicht zufriedenstellt, ein Belästiger. Und daran sollten sich vor allen diejenigen Frauen erinnern, die mit Männern schlafen, die sie nicht lieben, aber vorgeben zu lieben, währemd sie sich stattdessen von der asymmetrischen Bindung des Mannes an die Frau Vorteile aller Art erhoffen. Und es sind viele Frauen unterwegs, die das so machen.

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    • Werter Elmardiederichs,

      ich denke, ich habe mich missverständlich ausgedrückt. Ich schrieb eigentlich zum Satz in der TAZ:

      taz: … Ein Paar liegt im Bett, sie will Sex. Er sagt, er sei zu müde. Sie gibt nicht auf und streichelt seinen Penis, bis er doch Lust hat. Ist das künftig strafbar, weil sie sein Nein ignoriert hat?

      Es ging mir um die Mißachtung des Mannes, der, wie Du schreibst, häufig auch ungeliebt nur benützt wird. Er fügt sich in diesem Fall, um keinen Streß zu bekommen. Er besitzt meist eine tolerierende Warmherzigkeit, die von sehr vielen Frauen, so wie ich es empfinde, mißbraucht wird.
      Und so ist unsere Gesellschaft, das weibliche Nein sollte gesetzlich verankert werden, das männliche Nein wird dagegen wegmanipuliert, und diese gravierende Männerfeindlichkeit ist seit langem mein Thema.

      Völlig vorbei an dem, was Lotusritter so schön formuliert hat, ist das doch ein ungemein wichtiges Thema. Man kann sich an vielen Fingern abzählen, wo Männer benachteiligt werden. Wie Du auch schreibst, beim männlichen Nachkommen geht’s schon los, wenn er Glück hat, „nur“ ohne Geduld, Toleranz und Großzügigkeit, wenn er Pech hat kommen noch übergriffige Mütter hinzu, die keinen gesunden Abstand in aller Liebe und Wärme pflegen und seine emotionale Zerstörung vorantreiben. Leider häufig, ohne es selbst zu merken, da sie das Kind für ihren Besitz halten und nicht für ein Wesen, das durch schützende Begleitung wächst. Immer wieder z.B. in Schwimmbädern bin ich diesbezüglich zum Beobachter geworden. Ich tue was ich kann, ich spreche sie an, wenn sie sich an Kindern vergehen mit Wort und oder Hand, mehr kann man nicht tun.

      Und um Deinen letzten Satz zu bestätigen, auf Männer bezogen sind es viele Frauen … und auf Kinder bezogen häufiger als man wahrnehmen möchte.

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