Strukturen des Missbrauchs am Fall Cohn-Bendit

Daniel Cohn-Bendit meint: „Ich habe diese Scheiße so satt!“. Doch was meint er damit? Nun, zum Beispiel das hier: sein Geschwätz von 1982 im französischen Fernsehen, bei dem er mit erotischem Timbre in der Stimme eine pädophile Begegnung mit einer Fünfjährigen schildert:

Oder auch beispielsweise diesen Text von 1975 aus seinem Buch „Der große Basar“:

Mein ständiger Flirt mit allen Kindern nahm bald erotische Züge an. Ich konnte richtig fühlen, wie die kleinen Mädchen von fünf Jahren schon gelernt hatten, mich anzumachen. Es ist kaum zu glauben. Meist war ich ziemlich entwaffnet. (…) Es ist mir mehrmals passiert, dass einige Kinder meinen Hosenlatz geöffnet und angefangen haben, mich zu streicheln. Ich habe je nach den Umständen unterschiedlich reagiert, aber ihr Wunsch stellte mich vor Probleme. Ich habe sie gefragt: „Warum spielt ihr nicht untereinander, warum habt ihr mich ausgewählt und nicht andere Kinder?“ Aber wenn sie darauf bestanden, habe ich sie dennoch gestreichelt.

Das also ist für Cohn-Bendit die „Scheiße“, die er so satt hat. Doch was daran hat er satt? Wohl kaum den geschilderten Kindesmissbrauch, sondern wohl eher, dass ihm seine abartigen Schilderungen auch nach 40 Jahren immer noch vorgehalten werden. Schließlich meinte er 2013, als ihm im Zuge der Verleihung des Theodor-Heuss-Preises sein damaliges pädophiles Outing vorgehalten wurde, gegenüber dem Spiegel:

Ich empfinde schon den „Großen Basar“ als unglaublich angeberisch. Es gibt darin vereinzelt Reflexionen, die ich noch heute teilen würde. Aber alles ächzt unter diesem Bedürfnis, immer noch einen draufsetzen zu wollen. Genauso ist auch dieses Fernsehinterview. Ich bin Mitte dreißig und muss immer noch spätpubertierend daherreden.

Das also ist für ihn „diese Scheiße“. Ich habe darüber Anfang 2013 öfters im Karin-Jäckel-Forum geschrieben. Zu seiner Ausrede im Spiegelinterview hielt ich fest:

Mal angenommen, es war so, wie er sagt, ist das nun weniger schlimm? Er unterstütze eine Täterlobby, indem er seine Medienpräsenz dafür nützte, im Fernsehen, wie in seinem Buch für pädophile Forderungen zu werben, indem er sich als ein von Kindern Verführter gerierte, der sich der süßen Kinderliebe nicht zu entziehen vermochte. Vor allem deswegen nicht, weil er im Grunde seines Herzens daran nichts verworfenes fand. Es war ja so rein, so unschuldig, von einer so lebendigen Erotik! Und nun diese windelweiche Erklärung. Keine Reflexion? Doch, da steckt Reflexion dahinter, da will einer das Thema nicht wirklich aufgeben, indem er den Vorwurf auf die Ausrede reduziert: ich hab ja gar nichts gemacht! Ich bin da ganz neutral! Oh doch, Cohn-Bendit, Sie haben etwas gemacht, Sie haben sich in narzisstischer, avantgardistischer Eitelkeit an eine Strömung von Kranken und Kriminellen angebiedert und diesen Kinderschändern Wasser auf die Mühlen geleitet.

All diese Dinge wurden inzwischen vielfach gewendet und kommentiert. Ich empfehle hierzu den Aufsatz von Marcus Klöckner : „Das ‚Monster Cohn-Bendit‘ und die Kinder: Alles ein großes Missverständnis?“ vom Mai 2013 bei Telepolis.

Allerdings ist der pseudopädophile Protz Daniel Cohn-Bendit nach wie vor seiner narzisstischen Obsession verfangen und kann es nicht lassen, sich zu exponieren und weiterhin mit „dieser Scheiße“ indirekt zu provozieren. Ebenso bleiben seine Claqueure seiner Geschichte verhaftet, die ihn als „Provokateur“ immer wieder für eine Veranstaltung buchen. Und diese Buchungen offenbaren für mich, genau das Fazit, das Marcus Klöckner, zum Schluss seines Aufsatzes zog:

(…) man muss schon merklich realitätsfremd sein, wenn man an den Äußerungen, unabhängig von einem parteipolitischen Geplänkel, keinen Anstoß findet. Das, was Kinder durch sexuelle Übergriffe durch Erwachsene erleiden, ist zu schlimm, als dass man auch nur im Ansatz den Anschein erwecken darf, pädophiles Gedankengut dürfte verniedlicht werden, und die, die es verbreitet haben, dürften einen Platz in der gesellschaftlichen Mitte einnehmen.

Die gesellschaftliche Elite, die Cohn-Bendit Preise verleiht und ihn emporhebt, darf sich vor einer Diskussion darüber, wie sie die Äußerungen des Grünenpolitikers im Zusammenhang mit Kindern bewertet, nicht drücken.

Doch mir scheint, es ist längst zu spät. Daniel Cohn-Bendit, genauso wie die Grünen, haben sich zu lange Zeit gelassen, um eventuelle Missverständnisse mit Nachdruck aus dem Weg zu räumen. Reagiert wurde und wird nur, wenn der Grad der öffentlichen Aufmerksamkeit zu groß wird. Das war und ist der falsche Weg.

Ja, dieser falsche Weg wurde von den gesellschaftlichen Eliten längst mit schier unerträglichen Laissez-faire gegenüber dem Phänomen des Kindesmissbrauchs etabliert. Heute am Nationalfeiertag, an dem die politischen Honoratioren in Dresden ausgebuht wurden, versammelte sich auch die Frankfurter Elite in der Paulskirche, um sich – ohne Buh – vom durch den SPD-Oberbürgermeister Peter Feldmann gebuchten Festredner Daniel Cohn-Bendit – nunmehr in altersmilder Weise – provozieren zu lassen und seiner „Rede an die deutsche Nation“ zu lauschen. Pädophilie erwähnte er hierbei nicht, sondern plädierte für die Überwindung der Nationalstaaten als Voraussetzung für unsere Zivilisation.

Was wollte er uns damit sagen? Dass das Ende des Kindesmissbrauchs demnach keine Vorrausetzung für unsere Zivilisation sei? Schließlich hält er unvermindert an, und das ist der eigentliche Skandal an der Einladung Cohn-Bendits. Die feuilletonistische Exkulpation des pädophilen Schwätzer war die Ouvertüre, die die Einladung begleitete (hier beispielhaft die FAZ). Die darauf entstandene Spannung zwischen CDU, Grünen und SPD die das ganze temperierte, bot die intellektuelle Schärfe dazu. So geht man heute mit pädophilen Geschwätz und seinen Verbreitern um. Und dies ist eine Verfestigung pädophiler Strukturen, hinter denen das Leid der missbrauchten Kinder verschwindet; sie geraten aus dem Gespräch.

Das Fazit der FAZ:

Die Antwort auf die Frage, ob man ihm als Redner zuhören kann, hängt also von der Bereitschaft ab, einem Menschen eine sehr törichte Bemerkung zu verzeihen.

Töricht ist eine solche Schlussfolgerung, denn die Opfer sexualisierter Gewalt in Kindheit und Jugend bleiben fast alle bis an ihr Lebensende seelisch schwer belastet. Deswegen bezeichnen die Opfer das Missbrauchsgeschehen und ihr fortgesetzte Leid auch als „Seelenmord“.

Der Lolitakomplex ist also wieder gesellschaftsfähig geworden. Kindesmissbrauch und ihn begleitendes pädophiles Geschwätz ist somit verhandelbar und verzeihlich, sobald es der honorigenKaste dient

Diese Verharmlosung aber dient allein der Verdrängung des Missbrauches aus der alltäglichen Diskussion; über derart prekäres spricht man fortan nicht mehr. Dass das neue Schweigen aber die sexualisierte Gewalt wieder und weiter in die Verborgenheit abdrängt und somit institutionalisiert, wollen die Honoratioren, die dem Festredner Cohn-Bendit applaudierten, nicht mehr wahrhaben. Ihnen geht es allein um ihr ehrenwertes Miteinandersein in einer ehrenwerten Gesellschaft. Dementsprechend bügelt man auch Personen, die den Finger auf der Wunde des Kindesmissbrauches belassen gerne als Rechte, Nazis oder Querulanten ab, wie es leider der Unabhängige Beauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauches nach wie vor tut. Er wirbt auf seiner Seite immer noch mit dem Logo „Kein Ort für Neonazis“ und nicht „Kein Ort für pädophile Schwätzer“.

Kindesmissbrauch sowie die Provokation damit ist kein Thema mehr, wie auch dieses Video von 2013 mit Cohn-Bendit im Panel zeigt. Da wird nicht Cohn-Bendit, sondern dem, der ihm nicht verzeihen möchte, Missbrauch – und zwar Mikrophonmissbrauch – beschieden.

Abschließend empfehle ich noch zur Abrundung meiner Gedanken den Aufsatz „Die Einheit, der ‚rote Dany‘ und sexueller Missbrauch“ von Martin Wind auf disputata.de.

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