Die Aufarbeitungs-Kommission hat Eigenbedarf an Aufarbeitung

Ich habe diesen Artikel in meinem Blog „Lotoskraft“ rebloggt. Dort habe ich bereits Anfang November die UKASK aus anderen Gründen kritisiert (siehe hier). Hierbei ging es mir um die zu große Nähe, des die Untersuchung leitenden Sozialwissenschaftlichen FrauenForschungsInstitut Freiburg (SoFFI F.) zu den „Genderwissenschaften“ und zur evangelischen Kirche.

Ich reblogge den offenen Brief, obwohl ich seiner Verfasserin Martha Schalleck wegen ihrer Verschwörungstheorien äußerst skeptisch gegenüberstehe, denn in ihm werden in der Tat skandalöse Einstellungen des Kommissionsmitgliedes Peer Briken angesprochen und aufgedeckt. Skandalös ist auch, dass es die UKASK bislang nicht für nötig hält hierzu Stellung zu beziehen.

Im übrigen ist es, um die nachfolgenden Ausführungen von Schalleck zu ergänzen, Traumatherapeuten durchaus bekannt, dass sich erinnerte sexualisierte Gewalt, die dem damaligen Opfer als solche noch nicht bewusst war, weil es sie noch gar nicht als Gewalthandlungen erfassen konnte, ihm erst mit zunehmender Persönlichkeitsreife – oft erst nach Jahrzehnten – in ihrer perfiden Dimension erhellen und eine Posttraumatisierung auslösen können.

Der offene Brief steht zudem hier online.

Der Aufsatz von Peer Briken und Hertha Richter-Appelt auf den sich der offene Brief bezieht ist hier nachzulesen.

Im Grunde weist Schalleck in ihrem offenen Brief auf die auch von mir immer wieder angeprangerten bestehenden gesellschaftlichen  Strukturen des Missbrauches hin. Dass diese Strukturen selbst unverstanden bis hinein in die institutionelle Abwehr von sexuellem Kindesmissbrauch wirkt und dort auch dann nicht gebannt werden, wenn man die damit Beauftragten darauf hinweist, ist für mich unverständlich und eine weitere Dimension dieses Skandals. Siehe auch meine wiederholte Kritik am UBSKM.

In diesem institutionellen Rahmen entstehen deshalb dann auch Feststellungen wie die nachfolgend zitierte von Susanne Achterberg aus „Das sexuell kompetente Kind und Sexualität als Grenze zwischen Kindern und Erwachsenen“ (Link zum pdf):

Selbst wenn Pädophile dem Kind eine aktive Rolle bei der sexuellen Verführung attestieren, wie es etwa in der Darstellung der Lolita im Roman von Vladimir Nabokov (1955) geschieht, bedienen sie sich der generationalen Hierarchie. Denn diese kindliche Kompetenz basiert allein auf sexueller Neugierde und gerade nicht auf langjährigen sexuellen Erfahrungen und Routinen. Das pädophile Begehren richtet sich auch in diesem Falle auf das sexuelle „Noch-Nicht“, d.h. also auf die sexuelle Unberührtheit des Kindes. Gleichwohl unterscheidet sich das verführende Kind deutlich vom sexuell passiven: bei ihm schlägt die Gefährdetheit um in Gefährlichkeit. Die „sexuelle Macht“ des Kindes wird in diesem Fall so hoch veranschlagt, dass der Erwachsene durch sie gezwungen werden kann, Gesetze und Tabus zu brechen. Letztlich lebt also auch hier die Vorstellung weiter, wonach die kindliche Sexualität unsozialisiert ist und aus diesem Grund die gesellschaftliche Ordnung sprengen kann.

talking about sexual trauma

Ich freue mich sehr, dass die Autorin und Publizistin Martha Schalleck sich die Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs genauer angesehen hat, und ihre Bedenken in einem Brief formuliert hat. Dieser ist nachstehend hier zu lesen. Schalleck zitiert u.a. aus den Schriften eines der Mitglieder, Peer Briken, der sich bisher vor allem durch Arbeit mit Tätern ausgezeichnet hat (dass diese wichtig ist, wird nicht in Abrede gestellt).

Ich veröffentlich diesen Brief hier auch, weil ich schon ein diffuses Unbehagen hatte, als ich neugierdehalber in Schriften von Frau Andresen stöberte  (auch Mitglied der Kommission) – ich fand da eine merkwürdige „Vorsicht“ klaren Aussagen gegenüber (ich formuliere zurückhaltend). Scheren im Kopf, von denen ich starke Vermutungen habe, woher sie kommen: Dem Einfluss der „Reformpädagogik“ – ich benutze das Wort ja nur noch in Anführungszeichen (Stichwort Odenwaldschule).
Die Mahnungen des Erziehungswissenschaftlers Micha Brumlik, der schon mehrfach eine Aufarbeitung in seinem eigenen Fach forderte, blieben offenbar bisher erfolglos. Vielleicht…

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