Ritueller Missbrauch reloaded

orchidee

Die Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs (UKASK) ist recht eifrig und beschäftigt sich selbst mit immer neuen Untersuchungsaufträgen. Dies ist wohl dem Parkinsonschem Gesetz geschuldet, dem sich keine Institution zu entziehen vermag. Die neue, selbst gestellte Aufgabe lautet diesmal, eine mehrjährige Studie aufzusetzen, die sich mit Fragen ritueller sexueller Gewalt befasst. Verantwortlich für die Studie zeichnet Prof. Peer Briken, der sich als Direktor des Instituts für Sexualforschung und Forensische Psychiatrie am Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) auch der Täterarbeit widmet; was ich grundsätzlich für äußerst problematisch, ja, eigentlich für unvereinbar mit der Opferarbeit halte. Auch frage ich mich, wer finanziert die Studie? Sind der Zweck der Studie die womöglich zu generierenden finanziellen Mittel? Fließen da etwa Mittel aus dem Etat des Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs (UBSKM)?

Denn der eigentliche Zweck der Untersuchung bleibt dubios. Schließlich ist der Gegenstand der Untersuchung „rituelle Gewalt“ ein absolut unbestimmter. Denn unter dem Begriff kann man alles mögliche subsumieren. Üben marodierende, vergewaltigende Hooligans rituelle Gewalt aus? Oder sind schändende Priester, die in der Sakristei jugendliche Messdiener vergewaltigen, rituelle Gewalttäter? Oder sind afrikanische Prostituierte, die einen Voodoo-Fluch befürchten, Opfer ritueller Gewalt? Wahrscheinlich sind all diese Fälle nicht damit gemeint, sondern speziell jene Fälle angeblich satanischen Missbrauchs, die seit Jahren von Pseudologen in einschlägigen Foren und in Traumatherapien vorgetragen und von ebenso dubiosen Therapeuten wie zum Beispiel Claudia Fliß und Michaela Huber als Belege für ihre kruden Behauptungen einer satanistischen Weltverschwörung gelistet und promotet werden.

Der Haken an diesen Narrativen ist jedoch, dass sie allesamt unbelegt sind. Es gibt bislang trotz jahrzehntelanger Bezichtigungen nicht einen einzigen gerichtsverwertbaren Beweis, dass satanische Zirkel bestehen, die all die berichteten Schauergeschichten begangen gehabt hätten. Sämtliche kriminalpolizeilichen Ermittlungen verliefen im Sande oder kamen zu dem Ergebnis, dass die angebliche satanische Vergewaltigung ein Hirngespinst war. Ich habe darüber bereits in meinem Blogbeitrag „Die Mär vom rituellen Missbrauch“ geschrieben.

Warum also die „Randerscheinungen“ und das „Unvorstellbare“ wie Prof. Briken in seiner untenstehenden Ausschreibung nach Mitarbeit an seinem Projekt raunt, nun in einer mehrjährigen Studie mehr als die bislang bekannten dubiose Ergebnisse bringen sollte, bleibt mir schleierhaft. Jedenfalls sind ihm in seinem Institut und während seiner Täterarbeit offensichtlich noch keine fundierten einschlägigen Fälle vorgetragen worden.

Es ist bekannt, dass Opfer sexuellen Kindesmissbrauches sich aus verschiedenen Gründen ihr grauenhaftes Erleben mit einem satanischen Missbrauch erklären und hierzu auch entsprechende Geschichten fabulieren, weil sie sich das widerliche Geschehen nur dadurch verständlich und therapeutisch greifbar machen können. Wenn überhaupt, dann sollte nur dieser Umstand ein Gegenstand der anstehenden Untersuchung sein. Die hohe Zahl der Berichte kann jedoch kein Argument dafür sein, um etwas untersuchen zu wollen, dem bislang jeglicher objektiver Fakt fehlt.

Es gibt, um ein Beispiel anzuführen, noch weit mehr Berichte von Opfern, die behaupten, von Außerirdischen entführt und sexuell missbraucht worden zu sein. Auch diese Personen haben vermutlich häufig einen realen sexuellen Missbrauch erlebt, dessen psychische und körperliche Folgen sie nur überleben konnten, indem sie ihn mit einer solche Fabulation umkleideten. Warum lässt die UKASK diese Fälle nicht ebenfalls untersuchen?

Ähnlich abstrus und diesen Zusammenhang auf eigene Art illustrierend ist die „EinzelfallMap“ bei der auf einer Landkarte Sexualverbrechen von Flüchtlingen gepinnt werden. Wobei die Angaben hierbei wenigsten soweit auf Fakten gründen, als dass es sich um von der Polizei einmal mitgeteilte Anzeigen oder Feststellungen handelt. Auf der medienkritischen Seite „ÜberMedien“ wurde über die spezielle Problematik dieser Ansammlung von Halbwahrheiten berichtet.

Darüber hinaus gibt es noch die aberhundert Fälle, bei denen Menschen aus welchen Gründen auch immer sich eine Missbrauchsgeschichte zulegen und aufgrund der zeitgleich erfolgten psychischen Einbindung alle Formen einer PTBS entwickeln. Auch diesen Personen muss geholfen werden, weil auch sie schrecklich leiden, allerdings wird für sie keine Studie aufgelegt und keine Untersuchung durchgeführt, wie sie aus ihrer seelischen Verwirrung heraus begleitet werden können.

Zuletzt möchte ich an die belegten und alltäglich wahrnehmbaren Formen ritueller sexueller Gewalt erinnern, für die sich weder der UBSKM noch die UKASK interessieren. Ich berichtete auch darüber in meinem Blogbeitrag „Der wahre rituelle Missbrauch“. Zu diesen Missbrauchshandlungen zähle ich die Genitalverstümmelung von Jungen aus religiösen Gründen oder die muslimische Kinderehe. Hierfür fühlen sich beide Schutzgeber nicht zuständig und schweigen feige; zumal das großmäulig angekündigte Gesetz zur Verhinderung von Kinderehen und der Nichtanerkennung vollzogener Kinderehen, weiter auf sich warten lässt. Der Skandal vom letzten Herbst ist verraucht, das Thema aus der Presse, also belässt man alles beim alten und sieht zu, wie weiterhin Mädchen in „Ehen“ vergewaltigt werden.

Die Ausschreibung der UKASK nachstehend zum nachlesen (Original hier). Die unsinnigen, menschen- und sprachverachtenden Genderformulierungen habe ich getilgt.

Institut für Sexualforschung und Forensische Psychiatrie, Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) – in Kooperation mit der Spezialambulanz für Traumafolgestörungen, (UKE)

Projekttitel: Professionelle Begleitung von Menschen, die sexuelle Gewalt und Ausbeutung, im besonderen organisierte rituelle Gewalt, erlebt haben: die Perspektive der betroffenen und der Fachkollegen.

Erfahrungen von sexueller Gewalt und Ausbeutung in Verbindung mit organisierter ritueller Gewalt, sind bisher gesellschaftlich, traumatherapeutisch und wissenschaftlich wenig anerkannt; sie gelten meist als seltene Randerscheinung oder als unvorstellbar. Obwohl Betroffene seit vielen Jahren Unterstützung im psychosozialen Hilfesystem suchen, hält sich diese Annahme und es gibt kaum spezialisierte Angebote. Daher geraten auch Professionelle in der Begleitung dieser Klienten häufig in rechtliche, fachliche und ethische Grauzonen und an damit verbundene Grenzen, auch an kollegialer Unterstützung. Mit dieser Studie wollen wir über eine Online-Befragung Daten zur aktuellen Versorgungssituation, Vorkommen und spezifischen Bedarfen nach sexueller Gewalt, im Besonderen organisierter ritueller Gewalt, in Deutschland erheben.

Darüber hinaus sollen Betroffene und Psychotherapeuten jeweils als Experten aus diesem Feld, die Möglichkeit haben, ihre Erfahrungen, Einschätzungen und Erkenntnisse in Interviews oder auch schriftlich mitzuteilen. Die Auswertung aller Angaben erfolgt anonymisiert. Im Rahmen der Studie sollen auch Mitteilungen und Daten aus den vertraulichen Anhörungen der Aufarbeitungskommission zu organisierter ritueller Gewalt ausgewertet werden. Mit diesem Forschungsprojekt möchten wir das Verständnis und die professionelle Unterstützung für Betroffene verbessern.

Die Studie startet am 01.02.2017 und läuft bis zum 03.05.2019. Die Ergebnisse der verschiedenen Teilbereiche der Studie sollen in entsprechenden Fachzeitschriften veröffentlicht und im Anschluss hier verlinkt werden.

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