Erfahrungen einer Betroffenen in der Politik

In dem hier rebloggten Beitrag aus dem Blog „Talking About Sexual Trauma“ geht es um Aufarbeitung sexualisierter Gewalt gegen Kinder und Jugendliche und die Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs sowie um den Betroffenenbeirat beim Missbrauchsbeauftragten. Speziell geht es um den fehlenden gesellschaftlichen und institutionellen Respekt gegenüber Überlebenden von sexuellem Kindesmissbrauch. Dabei geht es um die Missachtung der Betroffenen und die aktionistische Planlosigkeit verschiedener unausgereifter Vorhaben zur Prävention von Kindesmissbrauch. Im Mittelpunkt des Beitrages aber stehen die Opfer von Kindesmissbrauch, die einstigen und künftigen.

Der Beitrag ist für sich bereits interessant genug. Ebenso interessant ist der Austausch in den Kommentaren zwischen der Blogbetreiberin „Nicht-die-einzige“ und mir. Hier geht es um die Instrumentalisierung von Betroffenen, um starre und diskriminierende Stereotypen bei der Behandlung von Missbrauchsfällen und um die Resilienz erwachsener Opfer von Kindesmissbrauch.

Der gesamte Faden unter dem Titel „Meine Erfahrungen in der Politik“ ist eine Skizze des Argen bei der Aufarbeitung des Missbrauchs, aber auch ein Blick darüber hinaus, in eine hoffentlich entstehende Gesellschaft, die den Mut besitzen wird, mit ihrer eigenen Schändlichkeit umzugehen; also gewissermaßen eine Utopie, die aus der Dystopie heraus wächst.

talking about sexual trauma

Ansätze von Betroffenen-Politik gibt es in Deutschland: Mit ein wenig Glück werden wir in 20 Jahren so weit sein wie die politische Vertretung „behinderter“ Menschen. Es wird ein selbstverständliches Mitsprache-Recht geben für Betroffenen-Vertreter, die aus eigener Erfahrung wissen, was es bedeutet, sexueller Gewalt ausgesetzt gewesen zu sein.

Sie werden mitreden, wenn es um die Reform von Bildung und Ausbildung von Pädagogen, Pflegekräften, Ärzten, Psychologen, Polizei, Richtern, Rechtsanwälten etc. gehen wird. Wenn es um Gesetzesvorlagen geht, sei es im Entschädigungsrecht, wenn es um Sicherheit in Familie, Sport, Schule geht; oder bei der Aufstellung von Lehrplänen. Dass das Thema nicht in der Schule selbstverständlich behandelt wird, ist eigentlich ein Unding: Ist doch sexuelle Gewalt „das Grundrisiko einer Kindheit in Deutschland“, wie das der Missbrauchs-Beauftragte Johannes Rörig ausgedrückt hat. Man wird Betroffenen-Vertreter befragen, wenn es um die längst überfällige Einrichtung von Professuren geht, die erforschen, warum sexuelle Gewalt in den meisten Zivilisationen so verbreitet ist.

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Ein Gedanke zu “Erfahrungen einer Betroffenen in der Politik

  1. Thanks for Reblogging! „Eine Utopie, die aus der Dystopie heraus wächst“, das gefällt mir gut; aus der Überwindung und Neustrukturierung von Individuen zerstörenden (Missbrauchs-)Strukturen entsteht Neues, Tragfähiges; Familien, Freundschaften, Kollegenschaften, in den denen Menschen gedeihen, sich entfalten, Vertrauen pflegen können. Sich gemeinsam dem Leben in all seinen Höhen und Tiefen stellen können, ohne auf Hass und Verdrängung bauen zu müssen. Ohne rosarote Ponyhöfe zu brauchen, von denen man alles verjagen muss, das nach Leid oder Kummer riecht, oder was man nicht völlig kontrollieren kann.
    Ein weiter Weg noch, wenn das nicht nur in der biedermeierlichen oder idealistischen Idylle stattfinden soll (was gar nicht möglich ist).

    Gefällt 1 Person

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