Mütter missbrauchen ihre Söhne unsichtbar vor aller Augen

Manche Geschehnisse um mich herum, kleine Interaktionen, die andere, selbst wenn ich sie darauf aufmerksam machen würde, womöglich für belanglos hielten, triggern mich auf eine klandestine Weise und entwickeln manchmal einen sich potenzierenden Nachhall. Im ersten Moment folge ich dem Vermeidungsimpuls, drehe mich weg und beginne zu dissoziieren, doch viel belastender als die Dissoziation ist die nachhaltige Wirkung des Auslösers. Aus der dissoziierenden Entkoppelung meinerselbst kann ich mich meist wieder zurückbinden und Boden finden, hingegen bedrückt mich die diffizile Nachwirkung, die nadelstichartigen Mikroblitze der Erinnerung an das Vorkommnis, sehr; oft währt dieser wiederkehrende Reiz über Wochen und manchmal über Monate oder auch Jahre.

Ein Ereignis, das ich am 28. Juni 2013 bereits festhielt und am 5. Dezember 2014 wieder erwähnte, wiederholte sich am Donnerstag in ähnlicher Weise und war die Wiederholung der gleichen – für mich missbräuchlichen – Fürsorgehandlung einer Mutter. Ruth, die ich darauf aufmerksam machte, sah es ähnlich wie ich und wandte sich gleichfalls angewidert ab. Jedenfalls ist dieses Bild ein wiederkehrender Flashback meiner posttraumatischen Entwicklung geworden.

Ich notierte damals:

Ich glaubte es nicht und konnte deswegen nicht wegschauen. Im Nordbad cremt eine Mutter ihren vielleicht sechsjährigen Buben ein. Er ist nackig. Die Mutter streicht sanft über ihn. Sein Glied ist erigiert. Jetzt cremt sie seine Lenden und seine Innenschenkel. Fertig, schlingt sie ihm das Handtuch um. Der Bub setzt sich zur Seite und spielt unterm Handtuch an seinem Glied. – Mir fällt dazu nichts ein, außer Traurigkeit, die mich übermannt und meine ohnehin schon wallende Tristesse weiter nährt. – Kein guter Tag.

Man könnte die Geschichte, die ich gestern sah, so M.R., auch anders sehen. Gewiss, ich sehe sie aus meinem Hintergrund heraus und nehme sie deshalb in dieser Weise wahr. Ein versöhnlicher Gedanke, es könnte anders gewesen sein, dennoch nimmt es mir nicht den Schmerz darüber, was ich gesehen und dabei empfunden habe. Jedenfalls bin ich froh, die Begebenheit erzählt zu haben, auch wenn sie mir nur schwer über die Lippen kam.

Und ein Jahr später reflektierte ich den Vorfall erneut so:

M.R. meinte damals dazu, dass dies die Sicht aus meinem Hintergrund heraus sei. Die Situation könne in Wahrheit vollkommen harmlos gewesen sein. Die Mutter trocknet ihren Buben ab, und er reagiert erkennbar auf die Streicheleinheiten. Eine Überlegung, die ich nicht verwerfen kann. Auch im Kinderheim war es nach meiner Erinnerung nur Tante Helga, die übergriffig Buben eingeseift hatte. Wobei sie offensichtlich eine hebephile Neigung gehabt hatte. Denn die gerade pubertierenden Buben waren ihrer Meinung nach besonders unreinlich, und sie musste da häufiger nachseifen. – Ein Umstand, der mir damals gar nicht bewusst war. Mich beschämte damals nur, was sie tat, und ich wünschte mir, nicht in die peinliche Situation zu kommen, von ihr gewaschen zu werden. Jedenfalls entstanden da Bilder, die auch heute noch zur Filmothek in meinem Kopfkino gehören. Erst viele Jahre später im Gespräch mit meinen Brüdern konnte ich einordnen, was damals geschah.

Diesen Donnerstag, den 16. März 2017, sah ich, während ich bei der Wassergymnastik mitmachte, eine Mutter bei den Liegen, die ihre zwei Buben salbte. Und auch sie salbte sie mit einer seltsamen Hingabe. Erst den einen Sohn, dann den anderen. Sie salbte, als hätten die nackten Knaben keine Erektionen. Übersieht eine Mutter das, oder sieht sie es? Mir schien, als würde sie es sehen, und als würde sie gerade deswegen so intensiv ihre Körper eincremen und ihnen keine Entspannung oder Ablenkung durch ein Gespräch gönnen. Ja, sie hatte sie unverkennbar in der Hand. Ja, es schien mir, als wäre es ein eingeübtes Spiel, denn die Knaben überließen sich der Mutter, waren still und unbewegt, und die Mutter war routiniert, die Erektion der Buben zu halten, ohne sie an ihrem Glied zu berühren. Es war ein ebenso eigenartiges wie abartiges Spiel von Muttermacht. Die Attitüde, ich tue nichts und tue es doch. Einem Vater wäre diese Behandlung niemals erlaubt gewesen. Auch sah ich noch nie einen Vater, seine Söhne so zu stimulieren.

Ich litt, schwankte zwischen Wegschauen und Auflehnung. Ich drehte mich weg, wollte es nicht mehr sehen. Sah es während der Gymnastik wieder aus den Augenwinkeln und wollte aus dem Wasser – und was …? Was hätte ich der Mutter sagen wollen, dass sie gerade ihre beiden Söhne in aller Öffentlichkeit schändet? Nein, das wäre absurd, obgleich es mir in meinen Augen so erschien. Gerade weil sie sich derart viel Zeit dafür nahm und auffällig intensiv damit beschäftigt war, die Erektion ihrer Söhne zu halten. Es ging über eine Viertelstunde. Und es war nicht das erste Mal, sondern das gleiche Ritual geschah schon einmal zwei Wochen zuvor. Ich entschloss mich wieder, wegzuschauen. Und die Zeit gefror und mir war elend. – Es ist mehr als eine viertel Stunde, die diese Kinderschänderin hantiert, es sind Stunden, gewiss …

Die Annahmen, wieviel Frauen sexualisierte Gewalt gegenüber Kindern ausüben schwanken. Seit den 80er Jahren wird eine Größe von 20 % weiblicher Täter kolportiert. Die Mikado-Studie nennt bei Jungen als Missbrauchsopfer eine Größe von 50 % weiblicher Täter.

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8 Gedanken zu “Mütter missbrauchen ihre Söhne unsichtbar vor aller Augen

  1. Nun, daß die beschriebene Mutter die Wirkung ihres Handelns nicht bemerkt hat, glaube ich nicht. Selbst wenn das Kind eine Erektion ohne ihr Zutun gehabt hätte, was ja auch vorkommt, hätte sie es bemerkt ( dazu habe ich ein paar Erfahrungswerte und auch Erzählungen von Müttern gehört ). Die Frage ( für Dich, als Beobachter ) ist also lediglich, in wiefern Deine Wahrnehmung vorprogrammiert war, oder eben nicht. Der „sich potenzierende Nachhall“ ist da der Faktor, den es „herauszurechnen“ gilt.
    Anders gesagt, der Vorfall, so es denn einer war, hat eine gewisse Bandbreite der möglichen Realität, die abzuschätzen nahezu unmöglich sein dürfte, speziell in dieser Konstellation.
    Schon das veränderte Zeitempfinden bedingt das.

    Die Wahrscheinlichkeiten sind also vermutlich nicht zu klären.
    Zumal es sicherlich einen reichlichen und nahtlosen Übergangsbereich gibt, von absolut harmlos, bis ganz klar Mißbrauch.
    Die Möglichkeiten allerdings schon. Sie bestehen – und was es gibt, das passiert auch, im Positiven, wie im Negativen. Dessen sollte man sich einigermaßen bewußt sein, denke ich, denn alles andere wäre realitätsfern.
    Kann sein, sie hat es einfach verdrängt und nicht zu beachten versucht, kann sein, sie war verwirrt, ohne darauf zu reagieren, kann sein, sie hat es ( sich selbst ggü. ) zugelassen, in dem Bewußtsein, daß es niemandem auffallen wird. Extremere Möglichkeiten sind denkbar ( wem sage ich das? ), aber vermutlich wohl relativ selten.

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  2. „Nun, daß die beschriebene Mutter die Wirkung ihres Handelns nicht bemerkt hat, glaube ich nicht. “

    Falls das auf meinen Kommentar gemünzt war: Ich meinte die sexuelle Komponente, die Mutter und Kind nicht sehen.

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    • Bei den Buben mag ich mir das vorstellen? Obgleich ihnen das schon peinlich sein dürfte, was mit ihnen geschieht. Bei einer Mutter aber würde ich diese Annahme verneinen. Jedenfalls kann man davon ausgehen, das heutzutage eine Mutter weiß, was eine anhaltende Erektion bei einem Knaben bedeutet; nämlich anhaltende Erregung durch Stimulation. Und wenn es ihr dabei nicht um Erotik geht, dann geht es ihr sicher um Macht, und damit um eine sadistisch-erotische Komponente. Insofern ist ihr Handel für mich sexualisierte Gewalt und eine Demütigung der Jungen.

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      • „Und wenn es ihr dabei nicht um Erotik geht, dann geht es ihr sicher um Macht, und damit um eine sadistisch-erotische Komponente. “

        Oder sie wollte nur das Kind schnell zu Ende eincremen.

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    • „„Nun, daß die beschriebene Mutter die Wirkung ihres Handelns nicht bemerkt hat, glaube ich nicht. “

      Falls das auf meinen Kommentar gemünzt war: Ich meinte die sexuelle Komponente, die Mutter und Kind nicht sehen.“

      Nein, das war vollständig auf der Eingangspost bezogen.
      Möglich, daß der Junge das nicht bemerkt hat, da spielen mehrere Faktoren hinein, bspw das Alter, die Entwicklungsgeschwindigkeit u.s.w..

      @Lotosritter:
      Ein sechsjähriger dürfte vermutlich wohl gemerkt haben, daß da irgendetwas mit ihm passiert, möglw. aber nicht was ( ist aber sicherlich hart an der Grenze, altersmäßig; mit 7 – 8 dürfte es endgültig keinen Zweifel an einer Mißbrauchsform mehr geben, zumindest wenn sie es ausnutzt ). Bei jüngeren kann eine Erektion auch spontan, also ohne irgendeine erkennbare ( u.U. auch optische o. akkustische ) Stimulation eintreten.

      Im engen Freundeskreis erzählte mal eine Mutter, die mit ihren ca. 3-jährigen ( +-1 ) Baden war, daß er frei in der Gegend herumstehend plötzlich „einen hoch“ bekam, offenbar ohne das selbst ( bewußt ) zu merken. Sie war offensichtlich leicht verwirrt, wurde etwas rot beim erzählen, aber man merkte auch, daß sie irgendwie stolz darauf war.
      Das ist m.E. „normal“. Deshalb habe ich oben auch schon die recht große Bandbreite und den Übergangsbereich erwähnt.

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  3. Mir erscheint es eher so, dass der Autor unausgelebte Wunschvorstellungen in seine Umwelt projiziert, denn ich habe in meinem 70-jährigen Wahrnehmungsleben solche Dinge niemals feststellen können. Und selbst wenn die Schilderungen des Autors zuträfen, was ist schon dabei, wenn eine Mutter es amüsant fände, dass das Lättchen ihres Söhnchens sich mal regt ??? LG Guntram

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    • Ich empfinde es als zynisch, wenn Sie mir die Projektion unausgelebter Wunschvorstellung unterstellen, wo sie hier http://wp.me/P6MOlq-2 nachlesen konnten, dass das was Sie für Wunschvorstellung halten, für mich erlebte Hölle und Seelenmord war. Und wenn Ihnen derartiges sexuell missbräuchliches Verhalten von Müttern bislang in ihrem Leben noch nicht auffiel, so weist das für mich auf gesellschaftliche Strukturen des Missbrauchs hin, die eben solche Handlungen, obgleich sie massenhaft geschehen, unsichtbar werden lassen.

      Ein Beispiel für nach wie vor empfohlene klandestine Übergriffigkeit, die in einer aktuellen Sexualerziehungsbroschüre steht (s.h, https://t.co/IxkiTYg3j4 ) :

      Der Vater wiederum ist wichtig, um seine Tochter früh darin zu bestätigen, dass er ihre Weiblichkeit wahrnimmt und akzeptiert. Es ist damit nichts anderes gemeint, als dass das Kind eine Bestätigung in seinem Mädchensein braucht, wie es die meisten Jungen automatisch aufgrund ihrer Anatomie erhalten. Mütter geben dem Penis oft verschiedene und manchmal auch liebevolle Namen und drücken damit unbewusst ihre Anerkennung aus.

      Demgegenüber erfahren Scheide und vor allem Klitoris kaum Beachtung durch Benennung und zärtliche Berührung (weder seitens des Vaters noch der Mutter) und erschweren es damit für das Mädchen, Stolz auf seine Geschlechtlichkeit zu entwickeln. Wobei mit diesem Hinweis die Anerkennung als Mädchen nicht auf seine genitale Geschlechtlichkeit reduziert werden soll. Für die Entwicklung ist es wichtig, dass der Vater mit seiner Tochter spielt und ihr dabei zeigt, wie lieb er sie hat und wie stolz er auf sie ist!

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