Strukturen des Missbrauchs am Beispiel von Suchanfragen

Vor knapp einem Jahr, am 11. Juni, berichtete ich über den Suizid des Fußballtrainers Sascha Lewandowski, der mit einem zwölfjährigen Jungen in seinem Auto von der Polizei kontrolliert und daraufhin kurzfristig verhaftet wurde. Nach seiner Freilassung tötete er sich. Vermutlich war Lewandowski der Freier des Kindes. Ich berichtete damals unter der Überschrift: „Babystrich und Lewandowski, na und!? Es läuft doch …“

Seitdem fallen mir in meiner Statistik Suchanfragen nach „Babystrich“ auf. Ich habe sie heute kurz durchgezählt und kam auf 110 Suchanfragen. Es gibt offensichtlich ein starkes Interesse von Personen, die nach minderjährigen Jungs und Mädchen mit Hilfe von Suchmaschinen fahnden. Was immer sie auch tatsächlich suchen, es ist anzunehmen, dass sie als Freier mehrheitlich auf der realen Jagd nach Kindern sind, die sie missbrauchen können. Schaut man sich zudem die Google Suchstatistik zu diesem Suchbegriff an, wird sichtbar, dass dieses Bedürfnis nachhaltig ist (siehe hier).

Ja, es ekelt mich an, diese statistischen Hinweise beinahe alltäglich in meiner Blogstatistik zu entdecken, denn sie signalisieren mir, dass in unserer Gesellschaft der Kindesmissbrauch trotz aller Bemühungen zur Abhilfe ebenso alltäglich gegenwärtig ist. Sie signalisieren mir auch, was ich schon damals anprangerte, dass der politische Wille fehlt, diese Verbrechen zu verhindern oder einzuschränken. SPD und Grüne, die in NRW Regierungsverantwortung tragen und gerade mal wieder zur Wahl stehen, haben jedenfalls nichts unternommen, um die speziellen Polizeikräfte aufzustocken, die die offene Kinderprostitution in ihrem Bundesland unterbinden sollen.

Auch der Unabhängige Beauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs (UBSKM), Johannes-Wilhelm Rörig, fand keine Worte, um eine durchsetzbare Forderung nach Unterbindung der Kinderprostitution der Politik nahe zu bringen. Auf seiner Webseite findet man „Prostitution“ nur im Zusammenhang mit der kriminalistisch unbelegten Behauptung des rituellen Kindesmissbrauchs und mit dem Begriff des Loverboys, dem jugendlichen Zuhälter. Dass Kinderprostitution überwiegend Knabenprostitution ist, wird somit ebenso unterschlagen wie aberhunderte von Opfern dieses Verbrechens unsichtbar gemacht werden. Öffentlich geförderte Stricherhilfe ist zudem schon lange kein Thema mehr. Und sieht man sich zum Beispiel die Webseite der Stricherhilfe Marikas in München an, wundert man sich, dass von sieben Mitarbeitern nur einer männlich ist. Eine vertrauenswürdige Besetzung für Jungs sieht anders aus. – Eine derartige Rücksichtslosigkeit würde niemandem im umgekehrten Fall einfallen.

Warum, so frage ich mich, tritt der UBSKM nicht mit der Forderung an die Öffentlichkeit und Politik, dass jeder erwischte Freier von Kinderprostituierten bedingungslos zu wenigstens einem Jahr Gefängnis verurteilt werden muss? Eine solche Forderung wäre eine erfüllbare und allgemein verständliche Herausforderung an die Politik. Sie wäre eine konkrete Maßnahme gegen Kindesmissbrauch. Doch leider unterbleibt sie. Was an dieser Forderung ist abwegig? Warum schweigt der UBSKM zur öffentlichen Knabenprostitution, die jeder der Augen hat, vor einschlägigen Treffpunkten beobachten kann.

Jedenfalls ist allein meine Suchstatistik für mich ein weiterer Beleg dafür, dass die Strukturen des Kindesmissbrauches, sehr viel tiefer und sehr viel klandestiner wirken, als wir uns überhaupt vorstellen können, denn ohne Suchmaschinenstatistik wäre mir diese Struktur des Missbrauches gar nicht mehr bewusst geworden, obgleich ich im letzten Juni darüber ausführlich geschrieben hatte. – Mein Zorn von damals aber ist neu erwacht. Es ist unglaublich, wie kläglich die Auflehnung auf Seiten der institutionellen und organisierten Kinderschützer dagegen ist. Man hat sich offensichtlich daran gewöhnt, dass sich alltäglich Knaben erkennbar prostituieren und Freier sie sich, wann immer sie wollen, von der Straße holen können.

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4 Gedanken zu “Strukturen des Missbrauchs am Beispiel von Suchanfragen

  1. Was immer sie auch tatsächlich suchen, es ist anzunehmen, dass sie als Freier mehrheitlich auf der realen Jagd nach Kindern sind, die sie missbrauchen können.

    Vielleicht siehst du aber auch nur (wieder), was du sehen willst.
    Im Übrigen widersprichst du dir selbst, wenn du einerseits einschränkst, „was immer sie auch tatsächlich suchen“ und dann trotzdem zu der Annahme kommst, dass es sich mehrheitlich um potentielle Freier auf Kinderjagd handelt.
    Seit gerade gibt es übrigens zwei Anfragen mehr, die den Begriff „Babystrich“ enthalten, da ich einfach mal nach dem TV-Programm vom 3.-9. März 2013 in Verbindung mit dem Thema Babystrich gesucht habe. Zwei Anfragen, weil ich versehentlich erst das Jahr 2003, danach erst 2013 abgefragt habe. Es könnte ja einen Grund haben, dass gerade in dem Zeitraum die Anfragen so stark angestiegen sind.

    Ich will sicherlich nicht bestreiten, dass es Männer und Frauen gibt, die sich auf dem sogenannten Babystrich umsehen, um ihre sexuellen Vorlieben auszuleben. Soweit ich weiß, bedeutet Babystrich allerdings nicht zwangsläufig Kinder, sondern allgemein Minderjährige, weshalb „Kindesmissbrauch“ vermutlich ein nicht zutreffender Begriff wäre. (Ich erspare mir das Erzeugen einer weiteren Abfrage bei Google, um eine mehr oder weniger offizielle Definition von „Babystrich“ zu finden.) Etwas mehr Erdung würde dir aber vermutlich nicht schaden, damit du nicht wieder überall sexuellen Missbrauch annimmst, den es vielleicht gar nicht gegeben hat. Eine Statistik über einen einzelnen Suchbegriff, halte ich auf jeden Fall nicht für wirklich aussagekräftig, zumal Google ja selbst auch ähnliche Suchanfragen angibt, die zwar den Babystrich thematisieren, aber nicht zwangsläufig eine Täterschaft begründen.

    Absolut positiv sehe ich dagegen deine Kritik, dass wieder einmal zu wenig für männliche Opfer getan wird bzw. männliche Opfer quasi ausgeblendet werden. Denn zweifelsohne gibt es sicherlich männliche Kinder und Jugendliche, die aus den verschiedensten Gründen auf den Strich gehen. (Ob mehr als Mädchen, entzieht sich meiner Kenntnis. Wäre vielleicht was für eine weitere Suchanfrage.)

    In diesem Sinne spreche ich mich auch gegen den üblichen Ruf nach härteren Strafen aus, denn das verhindert keine Straftaten. Straftaten werden allenfalls dadurch verhindert, dass ein(e) potentielle(r) Täter/Täterin befürchtet, erwischt zu werden.
    Effektiv lassen sich Straftaten nur verhindern, indem man den Kindern und Jugendlichen hilft, bevor sie auf den Strich gehen (müssen) und ihre Körper verkaufen. Und hier wäre dann auch anzusetzen – vor allen Dingen bei den, bis jetzt, unsichtbaren Opfern.

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    • Wer als Freier befürchten muss, ein Jahr unbedingt in den Knast zu wandern, wird es sich wohl überlegen, ob er sich mit minderjährigen Prostituierten einlässt. Derlei Strafandrohungen verhindern zumindest einige dieser Straftaten, die anders als Mord keine Affekttaten sind. Denn eine Straftat ist es in jedem Fall, eine minderjährige Person für Geschlechtsverkehr zu bezahlen.

      Dass Sie eine andere Toleranzgrenze zwischen Kindern und Heranwachsenden ziehen als ich, ist mir durch Ihre Einwände inzwischen bekannt. Gleichwohl mag ich ihrer Duldsamkeit nicht folgen. Es ist ein leichtes für einen Erwachsenen, einen Jugendlichen zu sexuellen Handlungen zu verleiten, die dieser dann später bereut und bei denen er sich subjektiv missbraucht gefühlt hat. Oder denken Sie ernsthaft ein 17jähriger Stricher, der bei einer Crystal Meth Party „freiwillig“ für Geld mehrfach vergewaltigt wird, fühlt sich danach nicht missbraucht?

      Auch Ihre Einwände zu den Motiven von Suchanfragen kommen mir recht theoretisierend vor. Denken Sie etwa, dass die kontinuierliche, durchschnittliche Abrufqoute des Suchbegriffes „Babystrich“ überwiegend wissenschaftlichen Zwecken entspringt? Jedenfalls deuten Suchanfragen wie: „Wo ist der Babystrich Dortmund“, die mein Blog in verschiedenen Ausformulierungen ansteuerten auf ein eindeutiges Interesse hin. Und eben dies meinte ich mit klandestinen Strukturen des Kindesmissbrauches in dieser Gesellschaft.

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  2. Wer als Freier befürchten muss, ein Jahr unbedingt in den Knast zu wandern, wird es sich wohl überlegen, ob er sich mit minderjährigen Prostituierten einlässt. Derlei Strafandrohungen verhindern zumindest einige dieser Straftaten, die anders als Mord keine Affekttaten sind.

    Einige Taten mögen dadurch vielleicht verhindert werden. Aber eben nicht alle – auch nicht durch härtere Strafen. Entscheidend ist, dass Täter bzw. Täterin die Gefahr sehen, erwischt zu werden.
    Konkretes Beispiel von einem Richter: Wer seinen Wagen ohne Parkschein für 15 Minuten irgendwo parkt, wird dies evtl. tun. Sieht er bei seinem Vorhaben gerade die Politesse, die sich aus 50 Metern bei ihrer Kontrolle nähert, wird er ziemlich sicher einen Parkschein ziehen.

    Übrigens ist gerade Mord keine Affektstraftat, da es eben wegen einer Affekthandlung an einem Mordmerkmal wie bspw. Heimtücke fehlt. Ganz im Gegenteil, Affekt wirkt sich in der Regel sogar strafmildernd aus.

    Es ist ein leichtes für einen Erwachsenen, einen Jugendlichen zu sexuellen Handlungen zu verleiten, die dieser dann später bereut und bei denen er sich subjektiv missbraucht gefühlt hat. Oder denken Sie ernsthaft ein 17jähriger Stricher, der bei einer Crystal Meth Party „freiwillig“ für Geld mehrfach vergewaltigt wird, fühlt sich danach nicht missbraucht?

    ES ist auch ein leichtes für einen Erwachsenen, einen Erwachsenen zu sexuellen Handlungen zu verleiten, die dieser dann später bereut… So etwas passiert vermutlich dutzendfach jeden Tag allein in einer Großstadt.

    Denken Sie etwa, dass die kontinuierliche, durchschnittliche Abrufqoute des Suchbegriffes „Babystrich“ überwiegend wissenschaftlichen Zwecken entspringt?

    Was soll denn die „kontinuierliche, durchschnittliche Abrufquote“ bedeuten? Natürlich werden einige Menschen per Google nach einem Babystrich suchen. Was mich stört, ist nur deine Pauschalisierung. Denn nur weil das ein Grund sein mag, ist es nicht zwangsläufig immer der Grund für eine solche Anfrage. Wie ich im übrigen nicht theoretisiert, sondern ganz praktisch nachgewiesen habe.
    Der Suchbegriff „Dortmund“ wird übrigens auch nicht seltener nachgefragt.

    Jedenfalls deuten Suchanfragen wie: „Wo ist der Babystrich Dortmund“, die mein Blog in verschiedenen Ausformulierungen ansteuerten auf ein eindeutiges Interesse hin.

    Richtig, das deutet eindeutig auf Interesse hin. Nicht allerdings auf ein eindeutiges Interesse. Würde mich z.B. auch mal interessieren, weil ich bis zu der Nachricht über den mutmaßlichen Missbrauch gar nicht gewusst habe, dass es einen Babystrich in Dortmund gibt. Hatte es aber bis zum Lesen deines Blog-Eintrags wieder vergessen.
    Für dich liegt es vermutlich im Bereich des Unmöglichen, dass jemand mit persönlichem Bezug zu einem Ort/ einer Stadt das aus reinem Interesse oder Neugier ergründen möchte – oder?

    Und eben dies meinte ich mit klandestinen Strukturen des Kindesmissbrauches in dieser Gesellschaft.

    Klandestine Strukturen? Ganz im Gegenteil. Ich finde, dass mittlerweile längst viel zu häufig und vor allen Dingen auch vorschnell von sexuellem Kindesmissbrauch o.ä. ausgegangen wird. Kommt der 10-jährige Stöpsel mal eine Stunde zu spät nach Hause, ist längst eine Hundertschaft von Polizisten inklusive Hubschrauber unterwegs, um den unpünktlichen Zögling nach Hause zu geleiten.

    Noch schlimmer, weil damit ausschließlich Männer diffamiert und diskriminiert werden:
    Sitzt ein Mann friedlich auf einer Bank auf einem Kinderspielplatz und genießt die Frühlingssonne, ist innerhalb einiger Minuten die Polizei vor Ort, die den bösen mutmaßlichen Kinderschänder erst mal einer Personenkontrolle unterzieht.

    Und ein guter Freund arbeitet mittlerweile nicht mehr in der Kita, weil ihm das ständige Misstrauen und das Getratsche hinter seinem Rücken, inklusive gewissen Verdächtigungen, jeglichen vernünftigen, sachgerechten aber auch liebevollen Umgang mit den Kindern versaut hat.
    Ein weiterer Freund, der nach der Schule auch gerne als Erzieher arbeiten möchte, hat seine Pläne dahingehend geändert, dass er zukünftig lieber in den Jugendbereich geht, weil auch er bemerkt hat, dass man sich gewissen Verdächtigungen aussetzt, wenn man als Mann als Erzieher arbeiten will.

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