Strukturen des Missbrauchs am Beispiel der Baumärkte Hornbach

Das Unternehmen Hornbach betreibt Baumärkte. Ich hielt einmal Aktien an diesem Unternehmen. Das Unternehmen war für mich in Hinsicht sexualisierter Gewalt oder Kindesmissbrauch nie auffällig. Es war dahingehend auch beim Anlass zu diesem Blogbeitrag keineswegs auffällig geworden. Es hat sich –  genauer gesagt, sein Social Media-Team hat sich nur so verhalten, wie sich heute viele vermeintlich politisch korrekte Werbetreibende verhalten: kundenorientiert, hochnäsig und desinteressiert. Damit aber wiesen sie ungewollt auf alltägliche Strukturen des Missbrauches, nämlich: wegsehen und unangenehme Dinge verschweigen, und denjenigen, der auf die eigenen Mängel verweist, zu diskreditieren. Der Anlass zu meinen Anmerkungen war ein kurzes Gezwitscher letzte Woche bei Twitter. Der eigentliche Anlass war dieser 45-Sekunden-Werbespot von Hornbach, der in Timelines bei Twitter eingeblendet wird.

Um zu erkennen, um was es in dem Spot vermutlich geht, habe ich die Szenen transkribiert; die Schriftform macht den Sexismus dieser Werbung noch deutlicher. Doch dieser Sexismus richtet sich gegen die Männerwelt und ist somit konform und nicht empörend.

Eine Frau kämpft gegen ihr Rollenverständnis an, indem sie sich – für ihre Aufgabe unzulänglich bekleidet – daran macht, eine Ziegelwand mit einem Vorschlaghammer einzuschlagen. Auch dieses Werkzeug ist für ihre Arbeit ebenso ungenügend wie ihre Arbeitskleidung. Insofern bleibt sie ihrem Rollenbild treu, nämlich dass Frau für schwere körperliche Arbeit ungeeignet ist. Gleichwohl emanzipiert sie sich während ihrer Arbeit, indem sie sich mit jedem Schlag gegen die Wand, ihre Rollenbilder vor Augen führt, gegen die sie den Vorschlaghammer mit voller Wucht führt. Sie zertrümmert also nicht die Wand, sondern ihre Weiblichkeit und damit vor allem die Männerwelt, die sie in ihre Rolle gezwängt hatte. Frau geht also im übertragenen Sinn mit einem Vorschlaghammer auf die Männer ihrer Mitwelt vor, insbesondere vermutlich ihrem eigenen Mann, der ihr als Wichtel dank seiner Arbeit ihre Konsumwünsche erfüllte. Sie zerschlägt das Bild von ihm. Sie zerschlägt ihre Hausarbeit. Sie zerschlägt den Sex mit ihm. Sie zerschlägt ihre Kleinmädchenträume. Am Ende hat sie sich dank ihrer Berserkerei befreit, oder zumindest einen Durchbruch geschafft.

Wir haben es hier also mit einem Spot zu tun, der die Geschichte des Feminismus im Sinne von S.C.U.M. (Abschaum) der Verbrecherin Valerie Solanas, die in ihrem Pamphlet einen Androzid phantasierte und die überlebenden Männer in Konzentrationslager sperren wollte, wo sie als Zuchthengste für das Überleben der Weiblichkeit in einer schönen neuen Welt masturbiert werden sollten. Oder mit anderen Worten, der Werbespot phantasiert die bestialische Ermordung von Männern, weist ihnen gar noch die Schuld an ihrer Abschlachtung zu und zeigt die omnipotente Frau, die sich über alles hinwegsetzen kann. Das heißt derartige Menschen kennen keine Tabus, die sie von Schandtaten abhalten. Das ist die Metaebene, des Films, auf die mich das Social Media-Team von Hornbach hinwies. Diese Metaebene ist purer Sexismus. Ein Sexismus, der den Mann als solches als widerlichen, immergeilen Grabscher und Unterdrücker zeigt, der mit Fug und Recht erschlagen und zu Staub zermalmt werden darf. Wer aber die Welt derart in Geschlechter trennt, der ist Täter, und dem ist die Tat über das andere Geschlecht eigen. Sprich die alle Tabus verletzende Frau ist, diesem Gedankengang folgend, nicht nur eine Männermassenmörderin, sondern auch eine Kinderschänderin!

Hier die Filmbeschreibung:

45 Sekunden Spot, Musik martialisch, dazwischen weiblich gutturale Laute körperlicher Anstrengung.

Düsterer kuppelartiger Raum mit zwei kleinen Dachluken.

Ein kleiner tönerner Mann mit Aktenkoffer steht auf einem riesigen schlafenden Frauenkopf.

Frau (Heimwerkerin) kommt mit Vorschlaghammer in den Raum. Ihr kurzärmliges Leibchen ist vor der Arbeit bereits ebenso verschmutzt und am Kragen verschwitzt wie nach der Arbeit. Ihre Haar ist zu einem Pferdeschwanz gebunden.

Sie geht auf eine Figur zu, die eine Frau mit goldenen Konsum-Accessoires zeigt.

Dann erscheint eine Figur, die eine Frau in Herkulespose mit einem überdimensionalen gegrillten Hähnchen auf den Schultern zeigt.

Die Heimwerkerin schlägt mit dem Vorschlaghammer in die Flanke des Hähnchens.

Licht fällt aus der herausgebrochenen Stelle einer Wand.

Heimwerkerin schlägt mit dem Vorschlaghammer dem kleinen Mann in die linke Hüfte, sein Oberkörper bricht weg.

Der Durchbruch in der Wand vergrößert sich.

Heimwerkerin schwingt den Vorschlaghammer gegen die Frauenfigur mit Konsum-Accessoires, rosa Flüssigkeit spritzt hervor.

Der Durchbruch in der Wand wird noch größer, die Düsternis weicht Licht.

Heimwerkerin wischt sich den Schweiß aus dem Gesicht.

Die Figur einer nackten Frau an einer Table-Dance-Stange rückt ins Bild. Sieben Gipshände recken sich oder grabschen nach ihr. Unverständliche Anfeuerungsrufe sind zu hören.

Der Vorschlaghammer zertrümmert die Hände, die Heimwerkerin steht im Licht.

Eine überlebensgroße rosa Prinzessin mit Bambi steht als Figur vor ihr.

Heimwerkerin holt aus und zertrümmert den Schädel der Figur.

Heimwerkerin rastet im Licht. Sie schnauft erschöpft aus. Eine Schrift blendet ein: „Wir haben nie gesagt, dass es einfach ist.“ Ihre Frisur ist unverrückt.

Nun sieht man die Heimwerkerin in einer lichten Wohnung, in der in eine Wand ein deckenhoher flügeltürengroßer Durchbruch geschlagen wurde. Sie kauert im Schutt. Sie steht auf, steht vorm Durchbruch. Licht flutet in ihren Rücken. Dann Kamera von unten, die Heimwerkerin als Heroin mit dem Licht der Siegerin im Rücken. Frau, Berserkerin im Strahlenkranz

Logo Hornbach „Es gibt immer was zu tun.“

Bei Twitter erscheine ich als „Lotosritter @Lotoskraft“. In den Angaben zu meiner Person ist zu lesen: „Überlebender eines Seelenmordes durch sexuellen Missbrauch durch Mutter + Vater + sadistischer Gewalt durch den Vater.“ Wer also mit mir via Twitter zwitschert sieht, was der Hintergrund meiner Geschichte, und somit die „Metaebene“ meines Engagement ist.

Nachstehend gebe ich den Faden meines Zwitscherns mit Hornbachs Social Media-Team wieder:

Lotosritter: Tja, Hornbach zeigt uns die empathische Frau, wie sie voller Sanftmut renoviert. Den Schutt darf dann Mann wegräumen. #toxischeNarrative

Hornbach: Wir sehen eine selbstbestimmte Frau, die ihr Projekt lebt. Den Schutt macht sie dann auch selbst weg.

Lotosritter: … und ist die Frau wirklich selbstbestimmt, oder nur durchgeknallt? Denn wollte sie die Objekte entsorgen, hätte sie nicht so gerast!

Hornbach: Du hast schon bemerkt, dass die Zerstörung der Skulpturen eine Metaebene in dem Spot ist?

Lotosritter: Duzen Sie mich bitte nicht. Und die Metaebene soll was sein? Eine sophistische Argumentation, wenn man nichts mehr zu sagen hat? #LilaPudel

Hornbach: Ein genauer Blick auf die Skulpturen verrät Einiges. Und die Szene ganz am Ende. Wenn Sie die Wand einreißt.

Lotosritter: Ein Spot ist schlecht, sobald der Betrachter nach Erklärung verlangt … Außerdem, welchen Umsatz bringen Hornbach maskuline Frauen?

Hornbach: Warum ist eine Frau mit einem Hammer in der Hand automatisch maskulin?

Lotosritter: Sie ist nicht automatisch maskulin, Sie ist es von ihrem Gehabe und ihrer Statur. Auch ne Metaebene …

Hornbach: Genau darum geht es: Stereotype. Eine Frau muss sich nicht als Prinzessin geben, oder am Herd stehen. Sie kann alles tun.

Lotosritter: Wem erzählen Sie das? z.B. Jugendliche vergewaltigen und Kinder missbrauchen. Was Sie sicher nicht zeigen werden. #toxischeNarrative

Hornbach: Wir können Deinen Gedankensprüngen nicht folgen.

Der Tweet zeigt, zunächst einmal, wie man mit der Spärlichkeit von 140 Zeichen gezwungen ist, aneinander vorbeizureden. Dies gilt für Hornbach wie für mich. Wir streifen Gesichtspunkte, ohne sie zu erörtern, und argumentieren somit eindimensional. Andererseits verdeutlicht der Dialog in seiner Dürftigkeit, die keine Minimalart ist, in besonderer Schärfe, was ich unter gesellschaftlichen Strukturen des Missbrauchs verstehe.

Es hat sich ein feministisches Tabu etabliert, das bewirkt, dass Männer, vor allem weiße und ältere Männer, grundsätzlich und pauschal als „das Patriarchat“ angesehen werden, das Frauen unterdrückt und alle Schändlichkeiten dieser Welt zu verantworten hat. Das reicht vom Klimawandel bis hin zum Eisbärensterben und weiter bis zu Hunger und Krieg in der Welt. Am gesamten globalen Elend trägt nur einer Schuld: der weiße alte Mann. Diese Sicht ist sexistisch und rassistisch. Ja, das ist gewollter und geduldeter, weil juristisch nicht verfolgter Sexismus und Rassismus. Er prägt das Weltbild vieler Journalisten, weswegen er unhinterfragt alltäglich von den Leitmedien kolportiert wird. Selbstverständlich sind demnach alle Männer auch Vergewaltiger und Kinderschänder, was 2016 in der Selbstbezichtigung des Hamburger Grünenfunktionär Michael Gwosdz gipfelte, er sei, wie alle anderen Männer auch, ein potentieller Vergewaltiger.

Dieses Tabu bewirkt zudem, dass Frauen als sanftmütige Wesen gesehen werden, die keinem Kind etwas zuleide tun. Nun wissen wir aus verlässlichen Studien (z.B. Mikado-Studie Uni Regensburg), dass Männer bei den Opfern sexuellen Missbrauchs wenigstens ein Fünftel stellen, und dass von diesem Fünftel wenigstens zwei Drittel von Frauen missbraucht wurden. Das würde bedeuten, dass bei jährlich 12.000 gemeldeten Fällen von Kindesmissbrauch in der BRD etwa 800 Fälle von sexueller Gewalt durch Frauen verübt werden (es gibt noch andere weit erschreckendere Zahlen).

Das sind mehr als zwei Buben pro Tag, die hierzulande von Frauen aus ihrem Nahbereich, von Müttern, Großmüttern, Schwestern und Tanten geschändet werden. Wir wissen ebenso, dass die Hälfte aller Fälle häuslicher Gewalt von Frauen gegen ihren Partner verübt werden, und wir wissen auch, dass 70% der misshandelten Kinder von Frauen geprügelt und psychisch gequält werden. Doch dieses Wissen ist tabuisiert und muss in ermüdenden Diskussionen immer wieder neu belegt werden.

Auf diesem Tabu bauen allerdings die Erzählungen und Mythen (neudeutsch: Narrative) von der durch weiße alte Männer unterdrückten Frau auf. Dieses Tabu weist jeder Frau per se eine Opferrolle zu. Auch jene – oder gerade jene -, die sich nicht als Opfer fühlen, sind allein weil sie Frau sind ein Opfer und können mithin nie Täterinnen sein. Damit aber sieht man leichtfertig von den Opfern von Misshandlung und Missbrauch durch Täterinnen ab. Sie kommen einem nicht mehr in den Sinn. Womit eine beachtliche Struktur für sexualisierte Gewalt gegenüber Kindern, Jugendlichen und Männern konserviert und camoufliert und dadurch auch das ganze korrupte System des Missbrauchs ungewollt fundiert wird. Sexualisierte Gewalt wird nur dann gründlich verhindert, wenn sie insgesamt mit allen ihren Auslegern und Verästelungen in unserer Gesellschaft erkannt und benannt wird. Denn sexualisierte Gewalt ist ein Moloch, den allein Wegsehen und Schweigen nährt; und Frauen bilden die andere Hälfte des Molochs. Die Welt der Täter ist so dichotom wie Yin und Yang!

Zuletzt noch zu meinem Tweet mit Hornbach. Es ist eine typische Masche, wenn einem Dummschwafler das Fell wegschwimmt, eine Metaebene für seinen Blödsinn zu fabulieren, so auch in diesem Fall.

Doch der eigentliche Vorschlaghammer war die letzte Antwort von Hornbach, auf die ich nun mit diesem Blogbeitrag reagiert habe: „Wir können Deinen Gedankensprüngen nicht folgen.“ Zum einen ist es schlicht eine Unverschämtheit, wenn ich in einem Tweet zuvor darum gebeten hatte, mich nicht zu duzen, mich erneut zu duzen. Das empfinde ich vor allem als rotzige Missachtung gegenüber einem Opfer sexualisierter Gewalt – einem männlichen Opfer sexualisierter Frauengewalt – das ohnehin kaum wahrgenommen wird. Besäße ich noch Aktien von Hornbach, hätte ich sie in diesem Augenblick verkauft.

Zum anderen bedient diese Antwort genau das Tabu, das zum strukturellen Missbrauch zählt. Frauen als Männermörderinnen, als alles zertrümmernde Berserkerinnen zu zeigen, ist kein Tabu, sondern Zeitgeist. Dem aber folgen Werbemacher ohnehin mit Begeisterung, sofern sie ihn nicht gar als Avantgarde lenken können. Sie sind die Fähnchen im Wind, schlimmer noch als Politiker. Also folgen sie dem neuen Stereotyp, indem sie Frauen verherrlichen:

Hornbach: Genau darum geht es: Stereotype. Eine Frau muss sich nicht als Prinzessin geben, oder am Herd stehen. Sie kann alles tun.“

Ja, Frau kann alles tun. Sie kann wie im Film Männer erschlagen, Wände durchbrechen und eben auch, wie ich auf diesen Satz hin feststellte: „Jugendliche vergewaltigen und Kinder missbrauchen.“ Doch damit geht dem Werbeteam, dem Social Mediateam von Hornbach die Phantasie aus, und es meint lapidar: „Wir können Deinen Gedankensprüngen nicht folgen.“

Nein, könnt ihr nicht, weil ihr zu den glücklichen Menschen zählt, die nicht als Kind sexuell missbraucht und misshandelt wurden, weil eure Seele nicht so zertrümmert wurde, wie die Frau in eurem Spot symbolische Gipsfiguren und tatsächliche Wände zertrümmerte. Doch eure Indolenz reicht über euch hinaus. So nährt dieserart schmerzbefreite Gleichgültigkeit insgesamt die gesellschaftlichen Strukturen des Missbrauchs. An diesem Spiel sind alle sozialen Gestalter beteiligt, neben Werbetreibenden sind das insbesondere Journalisten und Politiker, die einander alle nach dem Mund reden; womit ein ein medialer Kreislauf gefüttert wird, der die stabilen Tabus durch schweigen und wegsehen weiter erhält.

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