Strukturen des Missbrauchs am Beispiel der Kampagne #metoo

© Klicker / pixelio.de

Es besteht ein Graben zwischen den Geschlechtern, der von interessierter Seite vertieft, geflutet und verteidigt wird. Unsere Gesellschaft ist gespalten, und die Spaltung bringt den Spaltern Geld, Macht und Deutungshoheit. Es gibt somit die Seite der guten Menschen und Frauen sowie die Seite der Täter, das sind die Männer. Es herrscht Dichotomie, ein Erfassen und eine Behauptung der Wirklichkeit in schwarz-weiß, dazwischen wird von Seiten der Spalter und ihrer Claqueure nichts mehr gedacht. Doch diese Konstrukteure einer dichotomen Geschlechterwirklichkeit waren und sind eine Minderheit, die fern des wirklichen Lebens ist. Es sind Ideologen, Fanatiker, es sind überwiegend Frauen – eine Minderheit – denen Männer und Frauen seltsamerweise nicht mehr widersprechen. Das ist Deutungshoheit, wenn man den Widerpart durch Filibuster zum Schweigen gebracht hat.

Sie haben die Meinungsmacht in den Leitmedien für sich besetzt, entwickeln dort Themen, Kampagnen und problematisieren Belange, die die meisten Menschen weder erkennen noch interessieren. Einzig sinkende Auflagenzahlen bei gleichzeitiger Entwicklung alternativer Medien zeigt, dass hier ein paar Ideologen auf hoher See ihr Schiff verheizen.

Mediale Hypes als moralische Empörungen wie metoo, Trump-Bashing, AfD-Ekel und Weltuntergang interessieren mich nicht, das halte ich für Tittytainment. Zudem schadet der Hype um metoo eher den Opfern sexualisierter Gewalt, indem sie übersehen werden und zu den Einfältigkeiten beliebiger zwischengeschlechtlicher Entgleisungen und Fehleinschätzungen subsumiert werden. Dies ist jedoch kein neuer Aspekt, sondern wird schon länger von politischer Seite befördert. Die Grünen, die Linken, die SPD, die CDU, das BMFSFJ und zahlreiche Frauenverbände schreiben diesen Narrativ fort: Frauen sind Opfer per se; Männer sind Täter per se.

Missbrauch an Jungen, sexuelle Belästigung gegenüber Männern kommen darin nicht vor. Sie stören nur durch ihre individuelle Geschichte die Skizze dieses stereotypen Gesellschaftsbildes. Wenn Broschüren wie  „Hellhörig“ von der Gleichstellungsstelle der Stadt München von 2004 immer noch verteilt werden, in der eine Täterinnenquote bei Kindesmissbrauch von 3,7% (S. 11) genannt wird, dann hat die Verschleierung sexualisierter Gewalt durch Frauen von Berufsfeministinnen Methode. Denn Kavemann ging bereits 1995 in ihrem Vorwort zum Buch „Frauen als Täterinnen“ (S. 11) von 10% Anteil weiblicher Täter aus. Die Mikado-Studie berichtet, dass die Hälfte missbrauchter männlicher Opfer und 10% der weiblichen Opfer von einer Frau als Täter sprechen.

Ja, es geht um Macht, nicht nur beim Missbrauch, sondern auch bei allen Erzählungen vom Missbrauch, insbesondere bei jenen, die diese Erzählungen zusammenstellen. Ihnen geht es erkennbar nicht um die Opfer, sondern um die machtvolle Wirkung ihrer Kompilation. Dies ist mit ein Grund, warum Männer über ihre Opfererfahrung schweigen. Auch die wenigen Institutionen, die sich als Anlaufstelle von sexualisierter Gewalt betroffener Männer verstehen, hegen unterschwellig ein Bild vom Mann als Täter, deswegen bieten sie Opfern Training an, um nicht selbst zu Tätern zu werden. Dies ist eine so abgründige Hilfe, die jeden missbrauchten Mann abschreckt. Und viele Männer, die sexuell missbraucht wurden, deuten ihre Geschichte um, um vor sich selbst nicht als Opfer zu erscheinen.

Männer können bei dieser medialen Hexenjagd nicht einmal erzählen, dass sie sexuell belästigt wurden, das „Mimimi“ aus der „feministischen“ Ecke kommt sofort; und benennen sie gar noch eine Frau als Täterin, ist ihnen von Männern wie Frauen überwiegend Hohn und Spott sicher. Von Männer diffamierenden Aktionen distanziert sich hingegen die feministische Ecke nicht. So wird das Buch SCUM, in dem die wegen ihres Mordversuches an Andy Warhol verurteilte Verbrecherin Valery Solanas einen Androzid phantasiert, nach wie vor von „Feministen“ geschätzt. Das wirkt für mich ungefähr so, als würde man „Mein Kampf“ im politischen Alltag als eine empfehlenswerte Handlungsquelle erwähnen. Da gibt es ebensowenig Distanz wie etwa bei dem Bild der Feministin Jessica Valenti, die gerne in Männertränen badet.

Als sie 2014 nach dem Freitod von Robin Williams in einem Tweet ihr Bedauern über dessen Ableben mitteilte, hielt man ihr ihren Spruch „Ich bade in Männertränen“ vor, den sie kurz zuvor auf einem Urlaubsfoto verbreitet hatte. Darauf sieht man sie mit dem Spruch auf ihrem T-Shirt in Badehose und dem Meer im Hintergrund. – Robin Williams war depressiv und durch seine Scheidung ruiniert. – Die Reaktion von Valenti auf die Vorhaltungen reichten von: „Du müsstest dich doch eigentlich freuen, ist doch wieder einer weniger“, bis zu „Schieb dir dein Mitgefühl sonst wo hin, von Typen wie dir braucht das niemand.“ Dieser kaltschnäuzigen Person wird in der NYT und anderen Leitmedien dennoch weiterhin ein Forum geboten. Ebenso wie Alice Schwarzer, die über eine Täterin, die ihrem Mann den Penis im Schlaf abschnitt, meinte:

„Sie hat ihren Mann entwaffnet. (…) Eine hat es getan. Jetzt könnte es jede tun. Der Damm ist gebrochen, Gewalt ist für Frauen kein Tabu mehr. Es kann zurückgeschlagen werden. Oder gestochen. Amerikanische Hausfrauen denken beim Anblick eines Küchenmessers nicht mehr nur ans Petersilie-Hacken. (…) Es bleibt den Opfern gar nichts anderes übrig, als selbst zu handeln. Und da muss ja Frauenfreude aufkommen, wenn eine zurückschlägt. Endlich!“ – (Emma Nr. 2/1994, S. 34f;)

Ich zeige hier eine Collage, die ich auf der Seite „We hunted the mammoth“ gefunden hatte, und die auf den Zusammenhang mit Valentis verächtlichen Zynismus verweist.

Jessica Valenti badet in Männertränen, während sich Robin Williams zeitgleich das Leben nahm. So geht Feminismus!

Und weil wegen der männerfeindlichen, hohntriefenden gesellschaftlichen Mitwelt die meisten Männer über ihr erlittenes Leid schweigen, ist jede Spekulation über Dunkelziffern von Opfern wie Täterinnen unangebracht. Wir wissen so gut wie nichts von durch Frauen vergewaltigte Jungen und Männer, geschweige denn von den durch Frauen im Alltag ganz selbstverständlich sexuell belästigten. Nur wer wie ich in Suchtselbsthilfegruppen verkehrt, hört die Geschichten des Missbrauchs durch Frauen an Männer und Frauen.

Frauen dürfen reden, Männer müssen schweigen. Ich habe in meinem letzten Artikel „Movember ist‘s, und niemand nimmt‘s wahr“ über diese gesellschaftlichen Strukturen des Missbrauchs geschrieben. Es sind Strukturen, die weibliche Täterschaft und männliche Opfer tabuisieren. Es sind so tief eingefleischte Strukturen, dass der Unabhängige Beauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs (UBSKM) zwar in seinen Tweets den Hashtag zu metoo verlinkt, aber die männerfeindliche Intention dieser Kampagne schlicht ausblendet. Damit wird er seiner Aufgabe mal wieder nicht gerecht. Er vertieft den gesellschaftlichen Graben zwischen Männer und Frauen, befördert das Schweigen der Männer und bedient damit alltäglich gewordene Strukturen des Missbrauchs.

Ich begann diesen Blogbeitrag als Kommentar auf den Beitrag „Sexuelle Gewalt und Männer“ im Blog „Talking About Sexual Trauma“ von Nicht-die-einzige – die ich sehr schätze. In diesem Artikel fordert sie Männer auf, sich in die metoo-Kampagne einzubringen. Zuvor jedoch äußert sie ihr Unverständnis über Männer, die sich eben dieser Kampagne verweigern:

„Irritierend ist dann, wenn sich Männern als Opfer dieser Dichotomie (Männer Täter, Frauen Opfer) inszenieren und behaupten, die #MeToo-Kampagne diskriminiere sie und gebe ihnen als Betroffene zuwenig Raum.“

Ich behaupte nicht, das ich mich diskriminiert fühle, nein, diese Kampagne und die meisten Reaktionen in ihrem Umfeld diskriminieren mich als männliches Opfer sexualisierter Gewalt durch Frauen und den Vater, und ich bin nicht bereit, in einem Umfeld, in dem Hass und Lüge Urstände feiern, in dem unter anderem auch Täterinnen sich als Opfer gerieren, mich zu meiner Geschichte zu äußern; noch dazu nicht mit 280 Anschlägen, die für sich gesehen schon ein Hohn sind, um etwas von dem erlittenen Seelenmord mitzuteilen. – Ja, diese Kampagne ist perfide und sie trägt etwas urmenschliches mit sich, nämlich andere Menschen auszugrenzen, sie zu entmenschlichen und sie letztlich materiell, psychisch wie physisch zu vernichten. Das trägt etwas von Krieg, jedenfalls der Vorbereitung zum Krieg mit sich. Und es ist eine, sich wohl als Avantgarde empfindende Gruppe von Frauen, die im Sinne von Solanas SCUM, diesen Krieg gegen den Abschaum (engl.: Scum), das heißt gegen die Männer führen wollen.

Warum nur beschädigen wir, beschädigen Frauen, die von sich selbst meinen, das sozialere Geschlecht zu sein, unser Zusammenwirken nur derart? Welchen Zweck, außer einer abstrusen Ideologie zu dienen und dem eigenen Narzissmus zu frönen, hat ein solches Rasen?

Advertisements

Ein Gedanke zu “Strukturen des Missbrauchs am Beispiel der Kampagne #metoo

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s