Zermürbende Petitessen als Folge einer PTBS

Oh ja, ich könnte von vielen kleinen Einschränkungen berichten, die mit einer posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) einhergehen; schließlich zählt eine PTBS zu den multimorbiden Persönlichkeitsstörungen, also gehören Angst, Panikattacken, Zwangsverhalten, Wutausbrüche, Depressionen, optische und akustische Halluzinationen ebenso zu ihren Symptomen und nicht nur Flashbacks und Intrusionen mit zu den Beschwerden. Daneben gibt es noch eine Reihe psychosomatischer Symptome, wie Schlaflosigkeit, Erschöpfungszustände, Herzrhythmusstörungen, Bluthochdruck, Krämpfe, Tremor, innere Entzündungen, taube Extremitäten, Urtikaria und so weiter.

Manche der selteneren somatischen Störungen erscheinen zunächst belanglos, bis sie sich auswachsen und verfestigen. Darum berichte ich hier von zwei Einschränkungen, an denen ich leide und von denen ich relativ selten im Zusammenhang mit einer PTBS gehört oder gelesen habe.

Psychogener Schwankschwindel

Erstmals ließ ich mich 2014 auf Schwankschwindel untersuchen, weil ich deswegen zuvor umgeknickt war und mir dabei den Fußknöchel brach. Ich dachte damals, meine häufig verklemmte Halswirbelsäule, die auch meinen Tinnitus auslöst, sei hierfür ursächlich. Doch man konnte nichts finden. In den letzten beiden Jahren wurde mir der Zusammenhang des Schwankschwindels mit meiner PTBS jedoch immer deutlicher. Vor allem nach einem Flashback oder einer dissoziativen Phase tritt er bei mir auf. Ebenso begünstigen Momente des Disstress das Auftreten von Schwankschwindel. 2017 ließ ich schließlich eine längere Untersuchungsreihe bei fünf verschiedenen Fachärzten über mich ergehen. Das Ergebnis: es gibt keine Anzeichen für eine organische Ursache des Schwankschwindels.

Neben dem Taumel, der meinen Gang verunsichert, ist es vor allem die Trittunsicherheit, die mich stört; denn ich habe dann das Gefühl, ich würde bei jedem Schritt ins Leere treten, oder anders gesagt, der Boden käme mir entgegen und mein Tritt würde aufprallen. In diesen Phasen stolpere ich auch leicht und falle der Länge nach hin. Also habe ich mir angewöhnt, meine Füße sehr bedacht zu setzen und möglichst nicht zu schnell zu gehen, denn bei höherer Schrittzahl bewegen sich meine Füße und Beine offensichtlich nicht mehr koordiniert. Außerdem vermeide ich die Schildkrötenhaltung, die ich mir wie andere Menschen mit Schwankschwindel auch angewöhnt habe. Dazu recke ich mein Haupt und hebe das Kinn, was mir gelegentlich widerstrebt, doch ich gehe dadurch sicherer, als wenn ich den Kopf einziehe. – Seitdem ich auf Anzeichen meines Schwankschwindels achte, habe ich mir – toi, toi, toi – einen Sturz erspart.

Willkürliches Wangenbeißen

Die zweite, mich äußerst nervende Einschränkung ist, sobald mein Disstress zunimmt, beginne ich, mir beim Kauen und Reden versehentlich auf die Zunge oder in die Wangen zu beißen. Diese Bisse sind recht schmerzhaft, weil sie gänzlich unerwartet und deshalb unkontrolliert mit ganzer Bisskraft geschehen. Tritt dieses Phänomen auf, währt es oft tagelang, bis der auslösende Disstress abgeklungen ist. Das kann manchmal bis zu einer Woche dauern, und es ist besonders zermürbend, wenn ich mir dabei öfters in dieselbe Wunde beiße. Zudem ist jeglicher Stress dafür ursächlich. Es müssen also keine PTBS-Phänomene sein, die mich überreizen, es können auch alltägliche Probleme sein; denn durch meine PTBS lebe ich ohnehin mit einem erhöhten Stresslevel. Mediziner sprechen bei diesem Phänomen auch von reflektorischer Unachtsamkeit, wobei sie hier eine weiten Bogen spannen, der vom Wangenbeißen bis zur Inkontinenz beim Husten reicht. Meine Psychotherapeutin erklärte es mir damit, dass der Hypocampus, der die unbewussten Regungen steuert, durch Disstress überlastet ist – bildlich gesprochen: mein Arbeitsspeicher ist überlastet.

Was kann ich dagegen tun? Nun, aufmerksam sein, bedächtig kauen, nicht dabei sprechen und mich nicht ablenken lassen. Also Radio oder Fernseher auslassen und nicht beim gehen mampfen.

Ja, es ist schon spannend welch seltsame körperliche Einschränkungen eine PTBS mit sich bringt. Dass bei mir der Magen-Darm-Komplex chronisch entzündet ist, was wiederum mit ursächlich für meine chronische Urtikaria (Nesselsucht) ist, zählt dagegen schon zur harten Medizin und ist nicht mehr nur ein psychosomatisches Phänomen meiner kPTBS.

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