Strukturen des Missbrauchs: Hilf- und Sprachlosigkeit des UBSKM

Heute twitterte der Unabhängige Beauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs (UBSKM) etwas zu etwas. Ich formuliere es so unbestimmt, denn es ist unbestimmt. Jedenfalls kann ich nicht erkennen, wen oder was er damit wirklich meinte. Mich jedenfalls kann er nicht gemeint haben, denn ich bin von ihm seit November bei Twitter blockiert.

Der Tweet ist oben im Bild zu sehen. Der Text:

„Als junge, männliche Person von sexualisierter Gewalt betroffen zu sein, kann eine Sinnkrise bedeuten – insbesondere weil die eigene Männlichkeit gerade erst entdeckt wird. Beratung für Jungen und bietet das Hilfetelefon Gewalt an Männern.“

Dazu ein grafischer Hinweis auf das Männerhilfetelefon. Darunter gleich der Hinweis auf „kein Kind alleine lassen“. Wurden damit gleich zwei Fliegen auf einmal geschlagen? Oder wurde da zugleich darauf hingewiesen, dass nach fälschlicher Ansicht des UBSKM „Kinderschänder*innen“ zu 80 – 90% männlich sind? Realiter sind die Täter nämlich zu fifty-fifty männlich wie weiblich!

Egal, ich weiß, der UBSKM schreibt seine Tweets ebensowenig selbst, wie es Donald Trump tat. Er hat hierfür seinen Pressestab oder den seiner Ministerin „Dr.“ Giffey im „Familienministerium“. Das heißt, die „Twittersklaven“ dürften feministisch aufgestellt sein und von Männerproblemen keine Ahnung haben. Seine Inkompetenz hatte der Pressestab zuletzt ausdrücklich mit der Broschüre (siehe Link) „Gleichstellungspolitik für Jungen und Männer in Deutschland“ kundgetan, indem er Jungen und Männern empfahl, ihre patriarchale Dividende zu genießen und einfach mal die Klappe zu halten. Sprich sie sollten auch in Fragen von Gewalt gegen Männer schweigen und die Frauen zu Wort kommen lassen. Was sie mit diesem Tweet einmal mehr taten.

Im grafischen Hinweis steht auch: „Menschen in Not müssen wissen, wo sie Hilfen finden“, und da beginnt mein eigentliches Problem. Wen spricht der UBSKM mit dem Tweet überhaupt an? Was ist eine „junge, männliche Person“? Warum kann er nicht schreiben: als Junge oder als Bursche oder heranwachsender Junge oder als Bub? Eine junge, männliche Person, würde ich sagen, sind alle Menschen männlichen Geschlechts von 1 bis 27 Jahren. Im Grunde richtet er also seinem Tweet an niemanden.

Dann schreibt er: „Von sexualisierter Gewalt“. Was ist das? Ich weiß, irgendwelche Feministen aus dem Wahrheitsministerium geben sich Mühe, Missbrauch und Kindesmissbrauch in „sexualisierte Gewalt“ umzubenennen, und wollen das auch ins StGB übertragen. Noch sind sie nicht am Ziel. Doch was meint er wirklich mit sexualisierter Gewalt? Eventuell die MILF, die einem sechszehnjährigen Burschen einen Porno zeigt und ihn dabei befummelt? Oder meint er die Mutter von mir, die mich vom fünften bis zum fünfzehnten Lebensjahr sexuell belästigte, manipulierte und schließlich vergewaltigte? Da wurde keine eigene Männlichkeit „erst entdeckt“, da wurde ein Kind von seiner Mutter für seinen Missbrauch zugerichtet.

Und dann schreibt er, diese Art von Kindesmissbrauch, nein „sexualisierte Gewalt“, „kann eine Sinnkrise bedeuten“. Ach ja, die Welt der Jungen ist also eine babyblaue, plüschige Blase, in der Missbrauch und Vergewaltigung die kleinen Racker in eine Sinnkrise stürzt – Nein, „stürzen kann“ schreibt er, womöglich, vielleicht, wahrscheinlich! Also eigentlich nicht so richtig, und meint eventuell: „Gell, ihr kleinen Racker, ihr habt es doch eigentlich schon geil gefunden, oder … euren Missbrauch, äh die „sexualisierte Gewalt“?

Nein, Buben und Jungen sind nach sexuellen Übergriffen, die sie in erster Linie durch Frauen und in zweiter Linie erst durch Männer erleiden, in keiner Sinnkrise, sondern sie sind schockiert, abgrundtief beschämt, fühlen sich schuldig und hilflos und sind vor allem allein, denn sie wissen nicht, an wen sie sich vertrauensvoll wenden können. Vor allem aber wurden sie aus ihrer seelischen Entwicklung gerissen. Ihnen wurde ihr Leben genommen; denn die meisten von ihnen werden fortan posttraumatisiert und damit beschäftigt sein, den erlittenen Albtraum in sich zu ersticken – deswegen auch der Begriff Seelenmord für Kindesmissbrauch!

Jedenfalls werden die wenigsten verstehen, warum ein Hilfetelefon für „Gewalt an Männern“ für ihr Leid zuständig sein sollte; schließlich werden die wenigsten missbrauchten Kinder „gewaltsam“ – also per körperlicher Gewalt – missbraucht. Nein, ihr verdammten Kinderschänder, eure Verbrechen fühlen sich für das missbrauchte Kind, das Mädchen oder den Jungen sogar seltsam angenehm an, worin die tiefen Schuldgefühle ihren Ursprung haben, die die Täter (m/w) zu ihrem Schutz auszunützen wissen.

So aber hat eine „Twittermagd“ im BMFSFJ ihre verdammte Schuldigkeit erfüllt und auch mal etwas für die armen mit patriarchaler Dividende ausgestatteten Jungs getan.

In dieser Weise würde es niemand wagen, missbrauchte Mädchen abzuservieren. Warum aber tun sie es mit Jungen? Weil sie sich einen Dreck um sie scheren. Sagt das wenigstens grad heraus, dann wissen die Burschen wenigstens, dass sie von euch nicht ernstgenommen werden und wirklich nichts zu erwarten haben.

6 Gedanken zu “Strukturen des Missbrauchs: Hilf- und Sprachlosigkeit des UBSKM

  1. Ich habe mir die Broschüre angesehen und niergendwo entdeckt, dass Männer die Klappe halten sollen.
    Ich verstehe wohl, dass du wütend bist und dass Männer und Jungen nach Erfahrungen wie den deinen, Hilfe benötigen,die es leider nicht wirklich gibt. Das geht Mädchen aber auch nicht so viel anders.
    Ich hätte mich gefreut, wenn es Hilfe gegeben hätte, daher finde ich jede Bemühung in diese Richtung positiv.

    Du hältst dich an Worten fest, reibst dich sehr daran auf. Aber Kindesmissbrauch ist Gewalt! Das ist ein Fakt. Es zerstört die Kinder Seele fürs ganze Leben, es ist Seelenmord. Und gerade deshalb ist der Begriff „sexualisierte Gewalt“ durchaus passend.
    Ich hoffe ich triggere nichts an, aber ich möchte es dennoch aussprechen. Ein Mädchen muss nicht körperlich bereit sein für einen Akt – das schmerzt(krass untertrieben), aber dem Mädchen kann ja „liebevoll“ beigebracht werden, dass es sich so gehört, genau das gut ist oder es dafür gleich etwas tolles gibt, oder ja eben gab, oder es nur geliebt wird, wenn es das brav aushält. Geht bei einem Jungen natürlich auch, außer er soll mit dem Geschlechtsteil penetrieren. Dazu muss der Körper entsprechend funktionieren. Und das wird durch Manipulation, Training etc erreicht. Gewalt und Zwang ist da eher etwas kontraproduktives, würde ich meinen. Und trotzdem gibt es in vielen Fällen sicherlich auch direkte Gewalt, allerdings auf eine andere Art oder eben im Vorfeld oder Training.
    Vielleicht hast du insofern Recht, dass du es nicht als Gewalt gesehen hast und auch viele Betroffene Menschen es so nicht sehen. Jedoch sind die Auswirkungen, nämlich Zerstörung der Kinder Psyche tatsächlich nur aufgrund von Gewalt möglich. Und daher muss man Kinder Missbrauch zu Gewalt Taten zählen auch wenn es keine direkte körperliche Gewalt gab.

    Ich /Wir haben beide Formen der sexualisierten Gewalt erlebt. Sowohl den „netten und liebevollen“ Missbrauch als auch den gewaltvollen sexuellen und körperlichen Missbrauch.
    Und selbst der „nette liebevolle“ kann durchaus Schmerzen verursachen. Muss aber auch nicht, das stimmt. Beides ist möglich und beides zerstört die Seele. Und daher IST beides Gewalt. Hat jedoch in der Psyche jeweils unterschiedliche Schäden und Auswirkungen.

    In meiner Lebensgeschichte gab es viel Gewalt von sehr vielen Menschen. Die meisten davon waren nun mal tatsächlich Männer, wenn auch selbst meine Mutter involviert war und auch eine andere Frau. Frauen begehen Gewalt und das geht leider für viele Menschen unter. Erst recht wenn es die Mutter ist. Ja, eindeutig Mist. Und doch waren bei uns die meisten Täter Männer. Und wenn man auch so in die Gesellschaft blickt, so ist es nun mal eine Tatsache, dass es mehr Gewalt von Männern als von Frauen gibt.
    Letztlich ist es aber wirklich egal, sie gehören alle bestraft, ohne Unterschiede!
    Das viel wichtigere ist, dass jedes Opfer, ob Kind oder Erwachsener, ob Mann oder Frau, Junge oder Mädchen, die Hilfe erhalten, die sie benötigen. Wobei ich inzwischen überzeugt bin, dass keine Hilfe dieser Welt ausreicht um langjährigen Kindes Missbrauch zu heilen. Selbst nur wenige „Vorfälle“ hinterlassen lebenslange Narben – selbst dann, wenn man sich derer nicht bewusst ist. Bei einem Kind, dem nicht unmittelbar richtig geholfen wird – kann man diese wirklich nicht mehr auslöschen.
    Selbst bei Erwachsenen Personen, die sogar Therapeuten sind (ich denke da gerade an einen konkreten Fall, wo es genau so war), führt so ein – selbst einmaliger – Vorfall zu einer Katastrophe, die trotz jeglicher Kompetenz und Möglichkeiten zu einem Suizid führen kann (und in jenem Fall führte).
    Gerade daran sieht man die Tragweite von sexuellen Trauma.
    Nennt man es also sexualisierte Gewalt, hat es nichts mit Feminismus zu tun oder damit das Leid der Jungen nicht sehen zu wollen oder ihnen gar zu unterstellen es „geil gefunden zu haben“. Kein Kind wünscht sich sexuell missbraucht oder manipuliert zu werden.

    Es sind unsere eigenen traumatisierten Gehirne, die diese Sätze so gespeichert haben und immer wieder abspielen, weshalb man leicht in Wut und Rage verfällt und oft Dinge heraus hört, die andere gar nicht so gesagt haben. Wir haben das schon hunderte Male selbst erlebt, wir sind so oft verletzt wegen Sätzen und Worten. Aber die Menschen, sagten so etwas überhaupt nicht und meinen so etwas auch nicht zwischen den Zeilen. Außer vielleicht, es sind tatsächlich selbst Täter oder dumme nicht empathische Menschen.

    Ich finde es gut, dass ein Hilfe Telefon eingerichtet wurde. Auch wenn das nicht mal ein Tropfen auf den heißen Stein ist. Es ist aber wenigstens ein Halm, nach dem man greifen kann, wenn man erfährt, dass es diesen gibt. Und sicher, auch da braucht es mehr Aufklärung, damit ein Junge weiß, dass auch er anrufen kann, weil es Gewalt ist, was ihm angetan wird /wurde.

    Alles Liebe dir und ganz viel Kraft

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    • Liebes Vergissmeinnicht,

      so weit liegen wir nicht auseinander. Ich halte es nur nicht für zweckmäßig, den Gewaltbegriff zu überdehnen, also alles was mit walten und überwältigen zu tun hat, unter ihm zu subsumieren; vor allem dann nicht, wenn ein anderer Begriff subtile, verborgene und manipulative Gewalt deutlich umfassender bezeichnet, nämlich: Missbrauch und Kindesmissbrauch. Ich bloggte dazu verschiedentlich und habe es in einem Twitteraccount derzeit angeheftet: „Was braucht ein Kind? Liebe, Achtung und Fürsorge! Wer das einem Kind nicht gibt, missbraucht es. Wer einem Kind „gibt“, was es nicht braucht, missbraucht es.“

      Dass Du überwiegend sexualisierte Gewalt durch Männer erfahren hast, ist „normal“; andererseits ist es für Jungs überwiegend „normal“, diese Gewalt durch Frauen zu erleben. Dass uns Missbrauchsopfer unser Körper so oft verriet, indem er funktionierte, ist „natürlich“.

      In Sachen Gewalt teilt sich die Welt in zwei gleiche Hälften. Männer und Frauen sind die gleichen Drecksäcke, wenn es darum geht, seine Mitmenschen zu überwältigen. Die Methoden sind nur zum Teil unterschiedlich. Männliche Gewalt wird jedoch eher sichtbar gemacht, während weibliche Gewalt bemäntelt wird. Auch hierüber bloggte ich öfters.

      Es geht mir auch nicht um ein „Whataboutism“, sondern mein Behuf ist neben „Strukturen des Missbrauchs“ auch das Tabu sexualisierter Gewalt von Frauen gegen Buben und Männer zu thematisieren, was ich für einen bedeutenden Teil bestehender Missbrauchsstrukturen halte.

      Ich denke, wir betrachten zwar aus zweierlei Perspektiven das Missbrauchsgeschehen, blicken dabei aber auf dasselbe Elend.

      Auch Dir wünsche ich Kraft und Geschmeidigkeit, auf dass Du Dir die notwendige Resilienz bewahrst, weiter zu überleben.

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      • In der Tat liegen wir da nicht weit auseinander, wenn es darum geht, darüber zu informieren, dass auch Frauen Täter sind. Leider ist es ja so, dass man den Opfern nicht mal glauben will, wenn jene verraten, die Gewalt kam von der Mutter, während sie viel mehr mitgehen können, wenn man sagt, die Gewalt ging vom Vater aus.
        Wir finden es wichtig, dass JEDEM Opfer geglaubt wird, auch wenn der Täter die nette Nachbarin von Gegenüber ist. Und ich bin sogar der Meinung, dass Eltern, die Täter wurden noch mehr bestraft gehören, weil sie dadurch das Vertrauen der Kinder (selbst wenn sie schon längst erwachsen oder sogar alt sind) in jeden Menschen der Welt regelrecht zerstören.

        Während du der Meinung bist der Begriff Missbrauch sei umfassender und deutlicher, empfinde ich ihn als viel zu mild und verharmlosend. Ich weiß jetzt nicht ob das an mir und meiner Vergangenheit liegt, oder andere da evtl auch so empfinden. Dieser Begriff beinhaltet in meiner Auffassung keine schwere Gewalt und könnte alles sein, vom kurz berühren hin zum etwas zeigen, was nicht für Kinderaugen bestimmt sein sollte. So wie neulich die Schauspielerinen die diesen Begriff so aufwarfen, weil sie zu Unmoral gebracht wurden um eine Rolle zu erhalten, oder sie sexistische Sprüche zu hören bekommen haben.
        So etwas, das ist natürlich auch nicht in Ordnung, aber steht in keinem Verhältnis zu dem was da Kindern angetan wird. Und der Begriff „sexualisierte Gewalt“ ist in meinen Augen jetzt wirklich deutlicher, was es mit dem Kind macht.
        Aber selbst verständlich hast du Recht, ein Kind hat Bedürfnise und wenn diese nicht erfüllt werden, dann ist es auch bereits traumatisierend, Stichwort Entwicklungstrauma, und damit auch bereits Missbrauch / Gewalt auf vielleicht nicht direkte Art.

        Es läuft so unsagbar viel falsch in unserer Welt. Es ist wirklich schlimm! Ja, ein Elend!

        Danke der Wünsche und, ja, das wünsche ich Dir auch ♥️

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    • Hier ( https://kurzelinks.de/cdja ) auf Seite 15 ist der Text. In meinem Link ist nur ein Auszug der Broschüre zu sehen, in ihr wurde der inkriminierte Satz gestrichen.
      Hier der Absatz nochmal: „• Jungen und Männer sind Unterstützer von Gleichstellung und Frauenemanzipation – weil sie Verantwortung für ihre „patriarchale Dividende“18 (keine Erbschuld!) tragen müssen. Deshalb erachtet es partnerschaftliche Gleichstellungspolitik als notwendig und zumutbar, dass Jungen und Männer Frauenemanzipation unterstützen, zurückstehen, Verzicht leisten, auch „einfach mal die Klappe halten“.“

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      • Okay, jetzt gefunden, danke dir.
        Würde sich dies auf das Opfer Dasein beziehen, wäre dies eine Frechheit hoch 10 und alles andere als Gleichberechtigung. Nur scheint es mir, sie beziehen sich auf die patriarchale, dominante Stellung der Männer gegenüber Frauen, wo die Frau nichts zu sagen hat und es auch nicht zu wagen hat. Und so differenziert betrachtet, wäre das Gleichgewicht nur dann wiederhergestellt, wenn die Männer sich da zurück nehmen.
        So hab ich das jetzt verstanden bzw möchte ich es so verstehen, sonst wäre das wirklich eine bodenlose Frechheit.

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