Buchempfehlungen

Es gibt viele Bücher zum Thema Kindesmissbrauch. Hier verweise ich auf Bücher, die sich mit dem Thema und insbesondere den Strukturen sexualisierter Gewalt in Kindheit und Jugend und ihren posttraumatischen Folgen befassen und die ich für bedeutend erachte.


„Rituelle Gewalt“ und Dissoziative Identitätsstörung: Eine multimethodale Untersuchung zu Erwartungshaltungen an Akteure im Hilfesystem
Unter dem Stichwort „rituelle Gewalt“ sprechen – meist weibliche – Traumapatienten über psychischen, physischen und sexuellen Missbrauch in mafiös-kultartigen Szenarien. Bei Betroffenen und in therapeutischen Hilfesystemen wird an der Existenz des Gewalt-Phänomens festgehalten und in den meisten Fällen eine dissoziative Identitätsstörung angenommen. Polizeiliche Ermittler konnten jedoch bisher in keinem Fall Hinweise auf „rituelle Gewalt“ bestätigen und gehen von einer Art „Fabelwelt“ aus.
Die multimethodale rechtspsychologische Studie von Petra Hasselmann basiert auf Aussagen von mehr als 30 Betroffenen und bietet einen tiefen Einblick in ihre Lebenswelten. Die Traumatisierten erwarten von ihrer Umwelt, dass sie Zweifel an den Gewalt-„Erinnerungen“ ausräumt. Demgegenüber postuliert Hasselmann: Eine konstruktive und offene Befassung mit Zweifeln sowie ein umsichtiges Aufarbeiten des tatsächlich Erlebten oder falsch Erinnerten sind erforderlich, um die offensichtliche Traumatisierung zu bewältigen. Für die Akteure im Hilfesystem ist dazu eine Auseinandersetzung mit Simulation, Glaubwürdigkeit und Glaubhaftigkeit unumgänglich.
Die Studie bietet hilfreiche Einblicke für alle, die sich konstruktiv mit Fragen von Glaubhaftigkeit und Glaubwürdigkeit, falschen und erlebnisbasierten Erinnerungen sowie Selbstbestimmung und Abhängigkeit auseinandersetzen möchten: v.a. Engagierte im Hilfesystem und in Ermittlungsbehörden finden in der verständlich geschriebenen Studie zielführende Hinweise.


„Eine erstaunliche Fülle von Informationen über praktisch alle Aspekte des Erlebens und der Erforschung von Traumata sowie über Interventionen und Theorien zu ihrer Behandlung vereinigt dieses Buch, das … einer ausgeprägt holistischen Denkweise entsprungen ist. … Das Buch ist eine wahre Goldmine an Informationen.“ – European Journal of Psychotraumatology

Verkörperter Schrecken ist ein Buch von atemberaubendem, geradezu epischem Ausmaß, ein Grundlagenwerk, geschrieben von einem der wichtigsten Pioniere der Erforschung und Behandlung von Traumata. Es vereint die Erkenntnisse der neurowissenschaftlich fundierten Traumaforschung mit den neuesten Entwicklungen aus dem Bereich der körperorientierten Therapien sowie mit traditionellen Geist-Körper-Übungen, die über die bloße Symptomlinderung hinausgehen, indem sie uns mit unserer Vitalenergie verbinden und unsere Präsenz im Hier und Jetzt verbessern.“ – Peter A. LEVINE

Dieses Buch erschließt ein faszinierendes neuartiges Verständnis der Ursachen und Folgen von Traumata und schenkt jedem, der die zerstörerische Wirkung eines solchen Erlebnisses kennengelernt hat, Hoffnung und Klarheit. Traumata sind eines der großen gesundheitlichen Probleme unserer Zeit, nicht nur weil sie bei Unfall- und Verbrechensopfern eine so große Rolle spielen, sondern auch wegen der weniger offensichtlichen, aber gleichermaßen katastrophalen Auswirkungen sexueller und familiärer Gewalt und der verheerenden Wirkung von Mißbrauch, Mißhandlung, Vernachlässigung und Substanzabhängigkeiten.

Bessel van der Kolk, der seit über dreißig Jahren in den Bereichen der Forschung und der klinischen Praxis an vorderster Front aktiv ist, beschreibt in seinem neuen Buch, daß das Entsetzen und die Isolation im Zentrum eines jeden Traumas buchstäblich Gehirn und Körper verändern. Neue Erkenntnisse über die Überlebensinstinkte erklären, warum Traumatisierte von unvorstellbaren Ängsten, Taubheitsempfindungen und unerträglicher Wut heimgesucht werden und wie Traumata ihre Fähigkeit, sich zu konzentrieren, sich zu erinnern, Vertrauensbeziehungen aufzubauen und sich in ihrem eigenen Körper zu Hause zu fühlen, negativ beeinflussen. Weil sie oft das Gefühl haben, ihr Leben nicht selbst steuern zu können, und weil sie wegen erfolgloser Therapien frustriert sind, fürchten viele von ihnen, eine Heilung sei für sie unmöglich geworden.

Das Buch Verkörperter Schrecken beschreibt auf inspirierende Weise, wie sich eine Gruppe von Therapeuten und Wissenschaftlern zusammen mit ihren Patienten bemühten, neueste Erkenntnisse aus den Bereichen der Gehirn- und Bindungsforschung sowie über Körpergewahrsein in Behandlungsmethoden zu integrieren, die geeignet sind, Traumatisierte von der Tyrannei ihrer Vergangenheit zu befreien. Diese neuen Wege zur Genesung aktivieren die natürliche Plastizität des Gehirns und nutzen sie, um gestörte Funktionen zu reorganisieren und die Fähigkeit, „zu wissen, was man weiß, und zu fühlen, was man fühlt“, wiederherzustellen. Außerdem erschließen sie Erlebnisse, die jenen Empfindungen der Hilflosigkeit und Unsichtbarkeit, die mit Traumata verbunden sind, unmittelbar entgegenwirken, und ermöglichen es so Erwachsenen wie Kindern, ihren Körper und ihr Leben zurückzuerobern.

„Ein wunderbares neues Buch, das jeder, der mit Traumata konfrontiert ist, lesen und als Referenzlektüre zur Verfügung halten sollte. … Zudem ist es sehr überzeugend, ansprechend und sogar mitreißend geschrieben und präsentiert eine grandiose Gesamtschau.“ – Henry Strick van Linschoten, European Society For Trauma And Dissociation Newsletter


Dieser Roman schildert die Geschichte eines Heimkindes in den sechziger und siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts in Deutschlands. An fiktiven Orten und mit fiktiven Personen wird dem Leser erzählt, wie dieses Kind eine evangelische Heimerziehung erlebt hat. Oben wurde gebetet, in den Kellern wurde gefoltert. Den Kindern wurden moralische Grundregeln eingeprügelt, während viele der Verantwortlichen sich ein System der Bereicherung bis hin zum Kinderhandel geschaffen hatten. Ein erschütterndes Buch, das den vielen noch lebenden Opfern dieses Systems Mut machen soll, auch ihre eigene Vergangenheit zu erzählen, die Scham zu überwinden, an die Öffentlichkeit zu gehen und die Namen der Täter zu nennen.

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