Meine Schuld (6) und Schluss

Im Zusammenhang mit den gewonnenen Erkenntnissen über Täterstrategien berichtet die Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung Sexuellen Kindesmissbrauchs in ihrem ersten Bericht (S. 59):

„Betroffene berichten immer wieder von der destruktiven Macht ihrer Schuld und Schamgefühle, welche auch die Suche nach Hilfe erschwert hätten. So wurde den Betroffenen nach der Manipulation ihrer Genitalien ein eigenes Lusterleben zugesprochen, oder ihnen wurde das Gefühl gegeben, die Tat selbst provoziert zu haben.“

Ja, die Scham- und Schuldgefühle reichen tief und wirken nachhaltig. Bei mir währten sie bis zu meinem 64. Lebensjahr, ehe ich mich dank zweier Psychotherapien davon befreien konnte. Nachdem die erste Psychotherapeutin schon sehr gute Arbeit leistete und mir grundlegende kognitive und emotionale Einsicht in die Irrationalität meiner Schuldgefühle vermitteln konnte, half mir schließlich meine zweite Therapeutin in der unmittelbar anschließenden Therapie soweit, dass ich mich heute nicht mehr schuldig fühle. Dennoch blieb mir ein Rest von Scham, der mich gelegentlich hindert, die erlittenen Verbrechen der Vergewaltigung und sexualisierten Gewalt beim Namen zu nennen. Der Grund meiner durch PTBS als Spätfolge der Verbrechen bleibt nun mal ein indezentes Gemütsleiden, von dem die Mitwelt lieber verschont bleibt.

© Jörn / pixello.de

Die zweite anschließende Therapie war dank des Fonds Sexueller Missbrauch möglich, wofür ich äußerst dankbar bin. Denn ohne die so schnell anschließende Therapie wäre ich mit meiner psychischen Salutogenese noch lange nicht so stabil, wie ich es inzwischen bin. Gleichwohl leide ich immer noch an den Symptomen meiner komplexen PTBS. Eine weitere Therapie steht demnächst an.

Hier der letzte Teil meiner Therapietagebucheinträge zum Thema Schuld. Weiterlesen