Movember ist‘s, und niemand nimmt‘s wahr

Im November sollte sich alles um Männergesundheit drehen. Deswegen lassen sich weltweit Männer einen Schnauzer, auf englisch Moustache oder in Kurzform Mo, wachsen und nennen diese alljährliche Aktion Movember (siehe hier). Mit dem Movember werden Spendengelder eingeworben, um mit Aktionen Männer an ihre Gesundheitsvorsorge zu erinnern und Projekte gegen den Prostatakrebs zu unterstützen.

Leider ist in Deutschland die Beteiligung am diesjährigen Movember beschämend gering. Vor allem die Leitmedien interessieren sich weit mehr für die männerdiskriminierende Twitteraktion #metoo, in der wegen einem sexuell übergriffigen Hollywoodproduzenten pauschal alle Männer, insbesondere alle „alten weißen Männer“ der westlichen Hemisphäre von Feministen als Sexualverbrecher – deutlicher noch als alte patriarchale Schweine – dargestellt werden, als für die jetzt wieder angelaufene weltweite Aktion zur Männergesundheit.

Hingegen werden von den Leitmedien seit einem Jahrzehnt die Aktionen zum „Gender-Pay-Gap“, die eine Gehaltslücke von 20% zuungunsten von Frauen behaupten, alljährlich mit großem Interesse begleitet. Dabei weiß ebenfalls seit Beginn dieser Behauptung jeder Interessierte, dass an dieser Gehaltslücke nichts wahres dran ist. Sie ist im Grunde nur eine weitere Aktion, um Männer zu diskriminieren und Frauen pauschal als Opfer zu nobilitieren. Dagegen sind die Lücken bei der Vor- und Fürsorge zur Männergesundheit kein frauendiskriminierender Fake, sondern eine traurige Tatsache, die durchschnittlich jeden Mann fünf Jahre seiner Lebenszeit im Gegensatz zur weiblichen Lebenserwartung kostet. Dass jedoch die verkürzte Lebenszeit der Männer kein Naturgesetz ist, weil sie rasanter leben und deswegen schneller verglühen, kann man an vergleichbaren Lebensgemeinschaften in Klöstern ablesen. Mönche und Nonnen haben nämlich dieselbe Lebenserwartung.

Dass die Leitmedien also den Movember links liegen lassen und dafür lieber den Gender-Pay-Gap oder die #metoo-Hysterie bedienen, hat etwas mit der grundsätzlich misandrischen Einstellung unserer Gesellschaft zu tun, die zu diesem Zweck auch wahnhaft den Stereotyp vom Patriarchat pflegt. – Nebenbei bemerkt verdeckt die aktuelle #metoo-Hysterie auch, den wesentlich schwereren Missbrauchsskandal in Hollywood, nämlich den dank gesellschaftlichem Schweigen geduldeten Missbrauch von angehenden jugendlichen Schauspielern und zwar von männlichen und weiblichen Teenagern gleichermaßen (siehe hier).

Bekannte und von den Feuilletons weitgehend exkulpierte Täter waren und sind unter anderem Woody Allen, Roman Polanski, Charlie Chaplin und Klaus Kinski. In ihrem von den meisten Leitmedien verschwiegenem und von den Verleihern missachteten Film „An Open Secret“ (Wikipedia) behandelte die Regisseurin Amy Berg die Pädokriminalität in Hollywood (Bericht SZ). Der Film folgt den Angaben von fünf ehemaligen Kinderschauspielern, die auch bereit waren, zu dem erlittenen Missbrauch vor der Kamera auszusagen. Nach allem was hierzu bislang enthüllt wurde, kann man davon ausgehen, dass es in Hollywood pädophile Ringe gibt, die Jungschauspieler zu Sexpartys vermitteln. Bei Bergs Film wirkte das Kartell Hollywood, unliebsame Geschichten unterm Teppich zu halten. Wohl deswegen opferte man womöglich Harvey Weinstein, um den eigentlichen, seit drei Jahren schwelenden, Pädophilieskandal weiter zu vertuschen.

Doch zurück zum Movember. Dass derart sozial verankerte Männerfeindlichkeit an Männern nicht spurlos vorbeigeht, zeigt unter anderem das Dilemma ihrer psychischen Erkrankungen. Männer stehen insgesamt einem feindlichen Stereotyp gegenüber, dass sie einerseits in ein Klischee vom „Mann“ – so omnipotent wie insuffizient – zwingt und sie andererseits eben deswegen herabwürdigt. Ein Mann kann diesem Zerrbild gesellschaftlich nicht entkommen und darf sich glücklich schätzen, falls er eine Frau zur Seite hat, die diesem feministischen in die Gesellschaft induzierten Wahnbild vom bösen Wolf nicht folgt. Denn, und das weiß ich aus meinem Bekanntenkreis, die meisten Partnerinnen von Männern haben dieses Bild intus und verachten dementsprechend ihre Partner partiell. Wer wissen will, wie derlei Frauen über Männer denken, mag sich ja ihre Häme, die von ihnen anlässlich des heutigen Weltmännertages auf Twitter plaziert wurde, antun.

Diesem Klischee vom „Mann“ entspricht jedenfalls auch das ebenfalls kolportierte und gegen Männer gerichtete Vorurteil, dass da lautet: Frauen seien weit häufiger psychischen Erkrankungen ausgesetzt. Diesem zynischen Vorurteil möchte ich meine weitere Betrachtung zum Movember widmen. Denn es ist, wie die meisten Vorurteile dumm, und wie so vieles dummes, eben auch böse. Dummheit und Bosheit gehen nämlich gerne Hand in Hand und insbesondere dann, wenn es sich um pauschalierende Feindbilder über Männer handelt.

Die Psychotherapeutenkammer Bayern teilte in einer Pressemitteilung 2012 mit, dass Männer auch deswegen eine kürzere Lebensdauer haben, weil sie seltener als das Frauen Psychotherapien und psychiatrische Hilfe in Anspruch nehmen. Dabei leiden Männer ebenso häufig an seelischen Erkrankungen wie Frauen. Die psychischen Erkrankungen der Männer unterscheiden sich allerdings von denen der Frauen. Ein beachtlicher Teil ihrer „vermeintlich“ seelischen Erkrankungen werden eher gerne als Charakterlosigkeiten gewertet, handelt es sich doch um abseitige Erkrankungen wie Alkoholismus, Drogensucht, Spielsucht oder Adrenalingier, die als typische psychische Männererkrankungen gelten. Dabei setzen diese psychischen Störungen häufig auf einer verborgenen Depression auf. Auch die Diagnose „Burnout“ ist im Prinzip nur eine Verschleierung einer bestehenden Depression, weil Mann keine Depression hat, sondern ganz seinem Rollenbild gemäß höchstens bei seiner Sorge um seine Familie in der Arbeit ausgebrannt ist. Deswegen zählt Arbeitssucht ebenfalls zu den männlichen Seelenleiden. Auch diese seelische Störung gründet teilweise auf der allgemeinen Verachtung, die Männern entgegenschlägt und die auch viele jüngere Männer indoktrinierte, die fortan folgerichtig sich und ihrem Geschlecht mit Selbsthass begegnen.

Arbeitssucht zählt als agitierte Depression auch zum depressiven Formenkreis, doch hier wird die ursächliche Diagnose gegenüber Männern meist verschleiert. Die Verschleierung der Depression als eine Männerkrankheit hat zudem etwas mit der Feminisierung des Berufs der Psychotherapeuten zu tun. Inzwischen sind 90% eines Jahrganges, der als Psychotherapeuten approbiert wird, Frauen. Männer greifen dieses Berufsbild kaum mehr auf, und wenn sind es überwiegend erkennbar feministisch domestizierte Männer. Dieser Umstand macht mit die fehlende Akzeptanz von Psychotherapie unter Männern aus. Mehr als 70% der Patienten, die eine Therapie in Anspruch nehmen, sind weiblich; denn Männer lassen sich lieber von Männern behandeln, so wie Frauen lieber eine Therapeutin wählen. Doch beim sich gegenwärtig herausbildenden Verhältnis von 1:9 werden behandlungswillige Männer kaum mehr einen männlichen Psychotherapeuten finden. – Man stelle sich dieses Zahlenverhältnis nur umgekehrt vor. Es würden umgehend vom Gesundheits- und Familienministerium Milliarden in die Ausbildung weiblicher Therapeuten gepumpt werden. Doch bei psychisch kranken Männer versagt die Gesellschaft, ihnen bleibt von feministischer Seite nur Häme und Abwertung.

Da ist es wenig verwunderlich, dass so viele depressive Männer den Freitod wählen. Selten wird daraus noch eine Geschichte, die an das Leid der Männer erinnert, die für sich keinen Ausweg mehr sahen. Denn die meisten Freitode sind keine spontanen Entscheidungen, sondern haben einen langen Vorlauf an Leid, Vereinsamung, Hilfesignalen und letztlich tödlicher Resignation. Zuletzt war es die Geschichte von Robert Enke, dem Torwart von Hannover 96. Er nahm sich vor acht Jahren das Leben. Sein Freitod war der Funken für ein Strohfeuer, bei dem sich die Journaille einmal mit dem Elend depressiver Männer befasst hatte, danach verblasste das Thema wieder im Rahmen der allgemeinen Gleichgültigkeit gegenüber Problemen der Männergesundheit.

In Deutschland töteten sich 2015 nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 10.078 Menschen, davon waren 7.397 männlich; das waren mehr als doppelt soviele als Männer und Frauen zusammen im Straßenverkehr ihr Leben ließen (3.459). Es töten sich demnach dreimal mehr Männer als Frauen pro Jahr (¾ zu ¼). Auch dies wäre umgekehrt ohne anhaltenden Aufschrei und Getrommel in den Leitmedien nicht vorstellbar. Nichts verdeutlicht die gesellschaftliche Missachtung der Männer mehr, als die Indolenz, mit der wir ihren massenhaften Freitod schulterzuckend hinnehmen.

Auch ist es blasiert, zu sagen, Männer täten zu wenig für ihre Gesundheit und wollten Vorsorgeprogramme nicht in Anspruch nehmen. Es gibt nämlich gar keine Vorsorgeprogramme für junge Männer. Die Prostatakrebsvorsorge wird für Männer erst ab 40 Jahren von der Kasse bezahlt. Frauen können ihre Krebsvorsorge schon ab 20 Jahren in Anspruch nehmen. Und das obwohl es längst ärztliches Wissen ist, dass junge Männer ab 18 Jahren bereits gefährdet sind, an Prostata- oder Hodenkrebs zu erkranken. Es gibt keine Programme und keine Broschüren, die junge Männer auf die Notwendigkeit von Krebsvorsorge hinweisen. Auch hier werden Männer gesellschaftlich vernachlässigt. Ebenso werden Buben bei der Papillom-Viren-Schutzimpfung ignoriert, die Mädchen vom zehnten Lebensjahr an gegen möglichen Gebärmutterhalskrebs auf Kassenkosten gewährt wird. Doch auch bei Männern kann der HPV Penis- und Analkrebs verursachen. Aber auch das ist kein Thema. Thema bleibt dafür, Männern mangelndes Interesse an ihrer Gesundheitsvorsorge vorzuhalten, um sie somit weiterhin von möglichen Leistungen auszuschließen.

All das sind Anliegen, die mit dem Movember thematisiert werden sollen. Nur in der deutschen Presse fand auch am heutigen Weltmännertag (3. November) das Thema Männergesundheit so gut wie keinen Niederschlag. Anders ist das am internationalen Mädchentag zu dem selbst das Weiße Haus rosa angestrahlt wird, oder zum Fake des Equal-Pay-Day der hierzulande zum Frühlingsanfang stattfindet. Da überbieten sich Presse und Rundfunk, um Unsinn über eine angebliche Lohnungleichheit zwischen Männern und Frauen in die Welt zu setzen.

Doch das sind nur Kleinigkeiten, wenn ich daran denke, wie das Thema Missbrauch und Misshandlung von Männern gesamtgesellschaftlich ausgeblendet wird. Denke ich vergleichsweise daran, dass Frauen, die in ihrer Kindheit sexualisierter Gewalt ausgesetzt waren, dreimal so häufig an Alkohol- oder Drogensucht erkranken als Frauen aus der Normalbevölkerung, und dass diese Frauen auch doppelt so oft an Depressionen erkranken als andere, so fehlt mir die entsprechende auf Männer bezogene Ableitung. Diese Quantität wird schlichtweg nicht erforscht. Es interessiert niemanden, dass womöglich missbrauchte Männer ebenso häufig eine Komorbidität entwickeln. Denn dann wären die Missbrauchszahlen bei Männern exorbitant und überträfen sogar die missbrauchter Mädchen.

Jedenfalls geht die Initiative *1in6 davon aus, dass einer von sechs Männern vor seinem 18. Lebensjahr sexualisierte Gewalt erlitten hat. Wobei ausreichend Studien diese Annahme bestätigen. Diese Initiative hat auch das Bristlecone Projekt ins Internet gestellt, eine Webseite, auf der sexuell missbrauchte Männer ihr Gesicht zeigen und von ihrem Missbrauch berichten. Dies ist, gerade wenn es um Männergesundheit geht, ein mutiges Zeichen. Allerdings bleibt auch diese Initiative von unseren Medien unbeachtet. Es scheint mir immer mehr, dass Mannsein insbesondere verletztes Mannsein in dieser Gesellschaft einem Überleben in feindlicher Umgebung gleichkommt. Insofern werde ich auch trotz des Bristlecone Projekts weiter meine Pseudonymität pflegen, obgleich ich für eine Weile daran gedacht hatte, nunmehr meine Person zu offenbaren. Indes ich lebe nicht in einer Umgebung, in der ein seelisch verletzter Mann sich sicher sein kann, nicht wegen seiner Verletzung noch schlimmer verletzt zu werden. Ja, ich lebe hier unter Wölfen. Jedenfalls ziehe ich voller Respekt meinen Hut vor den Männern, die ihr Coming-Out als Opfer sexualisierter Gewalt vollziehen. Ich bewundere ihren Mut …

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